CutScene Presse Ente

Veröffentlicht am 1. April 2011 von Cornelia Zogg

0

Eine fiese Spezies!

Heute möchte ich mich einmal einem etwas heiklen Thema widmen. Sozusagen der ewigen Fehde in der Geschichte der Computerspiele. Denn die Entwickler haben es ja wirklich nicht leicht. Das muss man ihnen schon zugestehen. Ihre Gegner lauern überall. Sozusagen ihre natürlichen Feinde. Das Kryptonit jedes Developers und der Bowser jedes Producers: Der Game-Journalist!

Der typische Game-Journalist zeichnet sich durch zwei besondere Merkmale aus, die ihn sofort entlarven: Er ist schwer zu überzeugen und noch schwerer zu begeistern. Game-Journalisten sind grundlegend schlecht gelaunt, klatschen nie bei Pressekonferenzen und finden auch Witze von Devlopern bei eben diesen Anlässen aus Prinzip nicht lustig. Das führt dazu, dass sich die Entwickler bei den Präsentationen ihrer Spiele oftmals darstellen wie kleine Lämmer vor einem Rudel Wölfe. (Ausgenommen hierbei sind die Japaner, deren Auftritte sind jeweils einfach nur legendär!) Aber habt ihr schon einmal eine E3 Pressekonferenz mitgesehen? Als prägendes Beispiel gilt hierfür die Microsoft Pressekonferenz an der letztjährigen E3: Während mehr als einer Stunde versuchten die Entwickler, die anwesenden Jorunalisten mit Witzen, Kinect-Sonderpräsentationen (inkl. Niedlichem Mädchen und Kinectimals-Tigerchen) irgendwie zu beeindrucken. Doch das erste Mal, bei dem es wirklich tosenden Applaus für die Entwickler und Moderatoren gab war – nicht bei Kinectimals, nicht bei Kinect Sports und auch nicht, als der Live-Video-Chat von Kinect vorgestellt wurde. Nein! Den einzigen Applaus und Jubel im Saal erntete die Aussage: „Jeder von euch der hier anwesend ist, darf eine neue, schlankere, schwarze Xbox 360 mit nach Hause nehmen!“ Da ging es im Saal so ab, wie es sich Entwickler bei der Präsentation ihres Games wünschen würden.

Dieser unbändige Drang, jeden einzelnen Game-Journalisten weltweit zu beeindrucken und ein Staunen, Raunen oder eine wohlgesinnte News zu entlocken, treibt ab und an die seltsamsten Blüten. Aber ein eindeutiger Beweis dafür, dass Game-Journalisten mit ihrem ewigen Genörgel und ihrem skeptischen Blick sogar dem grössten Entwickler Kopfzerbrechen bereiten könnte, ist folgende Aussage von Grossmeister Molyneux persönlich: „Ich möchte der Presse danken, dass sie stets zuhört was ich zu sagen habe. Entschuldigung, dass ich regelmäßig leicht übertrieben habe. Ich könnte mindestens zehn Features aus Spielen an denen ich gearbeitet habe nennen, die ich nur erzählt habe, damit die Journalisten nicht einschlafen und ich entschuldige mich bei meinem Team dafür.” So. Wir lassen uns diese Aussage erst einmal ein Sekündchen auf der Zunge zergehen wie eine Lindor-Kugel.

Der zartschmelzende Kern der Aussage: Game-Journalisten sind gemein! Aber mal ganz ehrlich, das muss sich jeder eingestehen:  Wir sind gemein. Da wird jahrelange Arbeit einfach mit einer Punktewertung als Schund abgetan und Geklatscht wird auch nicht, wenn sich die Präsentatoren so richtig dicke Mühe geben. Ist ein Spiel wirklich – entschuldigt – unter aller Sau, dann haben wir auch die rhetorischen Mittel und verbalen Ergüsse, um das so richtig deutlich zu machen. Aber schliesslich geht es im Endeffekt nicht darum, ob wir das Spiel mögen, sondern ob es das Spiel wert ist, auch tatsächlich Geld dafür auszugeben. Und einige Entwickler kennen da gar nichts und schmeissen Zeug auf den Markt, die einfach nicht auf den Markt gehören würden. Doch dazu jetzt mal ganz im Vertrauen: Es macht den Testern (darunter auch mir) keinen Spass, Spiele zu bashen. Es schreibt wohl jeder Game-Journalist lieber eine Lobeshymmne auf das Spiel des Jahrtausends, als sich jedes positive Wörtchen beim Texten krampfhaft aus den Fingern zu saugen. Es ist also kein Angriff an sich, sondern eher Notwehr, wenn ein Spiel einmal wieder gewaltig in der Wertung unten durch muss.

Das Faszinierendste an dieser ganzen Entwickler / Journalisten-Geschichte ist allerdings, dass sich die beiden Spezies eigentlich verdammt gut verstehen! Bei Interviews, bei Gesprächen, beim gemeinsamen Zocken – die Wellenlänge stimmt einfach. Von daher ist es eigentlich komplett irrelevant, ob wir bei Präsentationen klatschen. Oder ob die Entwickler etwas schüchtern vor der Masse stehen. Oder ob uns langweilig ist, weil gerade keine neuen Features präsentiert werden. Weil off the stage sind wir einfach nur Leute, die furchtbar gerne Zocken. Diese Art der Hass/Liebe und die unermüdlichen Versuche der Developer, die Game-Journalisten zu beeindrucken, das ist schon an sich selbst beeindruckend. Daher habe ich mir fest vorgenommen: Bei der nächsten Pressekonferenz bin ich total begeistert, strahle während der ganzen Vorträge und klatsche am Schluss so euphorisch, als hätte ich eine PS3, eine Xbox 360 und einen Nintendo 3DS geschenkt bekommen. Weil ich finde, das hätten die Entwickler also doch schon auch mal verdient!

Weitere Beiträge zum Thema: , ,


Über den Autor

Hardcore-Zockerin und Sony/Nintendo Fangirl der ersten Stunde. Vorwiegend anzutreffen beim Zocken von RPGs und allem, was aus dem Reich der aufgehenden Sonne kommt. Gamerin seit 20 Jahren – Teil des GameCity Teams seit 3 Jahren. Häufigster Spruch: „Shit! Inventar voll…“



Back to Top ↑