CutScene Kino (Cinema)

Veröffentlicht am 20. Juni 2010 von Cornelia Zogg

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Games im Kino: Storytelling for Dummies!

Ich war im Kino. Prince of Persia. Jeah. War toll. War super. War genial. Ein Meilenstein in der Game-Verfilmungs-Geschichte… würde ich gern sagen. Tu ich aber nicht. Der Meileinstein ist eher ein Kieselstein. Gut ok, ich hab mich ganz nett unterhalten. Ich gebe es zu, und der Jake ist ja auch ein ganz Knuffiger. Aber die Film/Game-Geschichte wird auch Prince of Persia nicht neu schreiben.

Wir Gamer sind uns ja einiges gewohnt. Angefangen hat alles mit Mortal Kombat. Zumindest für mich. Da ich das Spiel als junges Mädchen nicht spielen durfte, habe ich mich jeweils heimlich nachts mit meinem Bruder ins Wohnzimmer geschlichen und den Film geguckt, während meine Eltern friedlich geschlummert haben. Ich war begeistert. Ich habe nix verstanden, keine Ahnung gehabt, wer überhaupt wer ist, aber der Film war cool. Als ich dann das Spiel kannte war’s noch witziger. Aber eben, ich war jung. Genauso war’s bei den Super Mario Bros. Dann ging irgendwann ein richtiger Boom los. Hitman, Max Payne, Dead or Alive (düsteres Kapitel), Doom, Resident Evil und die jolie Jolie in Tomb Raider. Eines haben all diese Filme gemeinsam. Ihre Aufmachung ist toll. Die Bilder überzeugen, die Szenen triefen nur so vor Coolness. Aber leider bleibt dabei etwas ganz enorm wichtiges auf der Strecke: Die Story!

Das Problem an Game-Verfilmungen ist, dass sich bei einem Game niemand stört, wenn die Story nicht ganz so unglaublich ausgereift ist. Obwohl sich das in den letzten Jahren mit Grössen wie Alan Wake oder Heavy Rain ganz schön verändert hat. Jedenfalls ist es so, dass wir in Games selbst Hand anlegen. Spannung entsteht in-Game nämlich nicht durch die Story, sondern durch unser Handeln. Unsere Reaktionsfähigkeit. Unser Geschick oder eben Ungeschick. Dummerweise ist der Kinoleinwand unsere Geschicklichkeit ziemlich egal. Hier muss die Story überzeugen. Die muss sitzen. Wenn die Story lahm ist, nützen all die hübschen Bildchen nicht. Genauso auch bei Prince of Persia. Seit ich den Film gesehen habe, schwirrt mir ein Dialog im Kopf herum. Nämlich der zwischen Jerry Bruckheimer und seinem Drehbuchautor:
„Du Jerry“ – „Ja?“ – „Ich hab da so ne Idee.“ – „Ja?“ – „Mein Sohn. Der hat so ne Konsole. Und da spielt der grad so ein Spiel.“ – „Ja?“ – „Da geht es um nen Prinz in Persien. Im alten schönen Persien.“ – „Ja?“ – „Und der muss da die Welt retten.“ – „Klingt interessant, sprich weiter.“ – „Die Hintergründe sind toll! Hausdächer im Orient, schwindelerregende Höhen, Sonnenuntergänge, Sanddünen!“ – „Sehr schön. Und weiter?“ – „Ja und der ist so ein Akrobat. Der schwingt sich da immer durch die Städte und so und rettet die Welt.“ – „Aha.“ – „Und ich hab mir da so gedacht. Weißt du, in Persien, da gibt’s ja viel Sand.“ – „Denke schon.“ – „Und dann könnte man da so ne Sanduhr machen. Und Uhren sind ja da für die Zeit und dann könnte man ja damit so was machen.“ – „Sehr schön sehr schön.“ – „Jaja, aber ich bin noch nicht fertig. Wir nehmen so einen Hollywoodstar der den Prinzen spielt und dann brauchen wir noch so n’hübsches Mädel. Und die müssen da dann so die Welt retten.“ – „In Persien?“ – „Ja, oder halt so in der Nähe da.“ – „Klingt gut, kannst du mir da mal was schreiben?“ – „Klar, ich hab grad zwei Stunden Mittagspause. Ich schreib dir da mal was und schick es dir heute Abend ok? Aber ich sag dir, die Bilder und die Action werden krass.“ – „Ja und wie nennen wir das?“ – „Na ganz einfach: Prince of Persia und der Sand der Zeit!“

Ungefähr mit diesem Hintergedanken verliess ich den Kinosaal. Mit dem nagenden Gefühl im Bauch, dass auch hier ein Name benutzt wurde, um ein bisschen Kohle in die Kassen der Traumfabrik zu schaufeln. Klar, die Bilder sind wirklich gut und die Kletter- und Sprungeinlagen toll einstudiert. Actionreiche kämpfe mit stylischen Slow-Motions reihen sich aneinander, nur unterbrochen von kleinen romantischen Zankereien zwischen eben dem guten Jake und dem hübschen Mädel, von der ich den Namen schon wieder vergessen habe. Aber auch bei Prince of Persia wie so oft: Eine ausgefeilte Story sucht man vergeblich. Spannung kommt selten auf. Aber die Bilder sind krass. Hab ich das schon gesagt?

Um Spannung zu erzeugen, wird daher bei Gameverfilmungen kurzerhand mal die Gamestory über den Haufen geworfen. Ich meine, wer will denn bitte schön sehen, wie Chris Redfield zwei Stunden lang vor Zombies davonrennt, die langsamer sind als eine Schnecke auf Valium. Also schnappen wir uns eine Schauspielerin vom Kaliber Milla und jagen sie quer durch den Hive, dann durch Racoon City und dann durch die Wüste von Nevada. Während dem sie sich quer und mit scheinbar endloser Munition (Serien-Kenner lächeln hier müde) durch die Zombiehorden ballert, dürfen einige Charaktere auftauchen, die allenfalls im Entferntesten an mögliche Figuren aus dem Spiel erinnern. Ah ja, ist euch aufgefallen? Im dritten Teil kommt Wesker vor und im Trailer für Resident Evil 4 ebenfalls. Jeah. Ok, die Licker sind auch da. Und die Hunde. Aber mit der eigentlichen Serie hatte der Film nichts mehr zu tun. So geschieht das bei den meisten Verfilmungen. Warum? Eben weil beim Game eine gute Story zwar gern gesehen, aber nicht unbedingt nötig ist, da der Spielspass allein durch das eigene agieren und entscheiden entsteht. Trotzdem, Geld scheint’s ja zu bringen. Und wir Gamer sind uns ebenfalls etwas gewohnt: Das Try & Error-Prinzip. Also versuchen wir es immer und immer wieder. Wir sehen uns jede Gameverfilmung an, einfach nur in der Hoffnung, dass irgendwann eine dabei ist, die uns komplett aus den Socken haut und genau dieses Gefühl rüber bringt, das wir beim Zocken des Games erlebt haben…

Und ich versichere euch, wir erhalten noch haufenweise Chancen. Darum freue ich mich doch bereits auf Uncharted (hier ist Hugh Jackman in Verhandlung). Und Storytechnisch bin ich enorm gespannt auf EINE epische, grandiose, ausgefeilte, getwistete und geniale Story… Freue wir uns auf Gears of War!

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Über den Autor

Hardcore-Zockerin und Sony/Nintendo Fangirl der ersten Stunde. Vorwiegend anzutreffen beim Zocken von RPGs und allem, was aus dem Reich der aufgehenden Sonne kommt. Gamerin seit 20 Jahren – Teil des GameCity Teams seit 3 Jahren. Häufigster Spruch: „Shit! Inventar voll…“



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