CutScene Elektroschrott

Veröffentlicht am 10. Juni 2011 von Nicole Schibli

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Und wo landet dein Elektroschrott?

An der diesjährigen E3 hat Nintendo nach gerade einmal vier Jahren eine neue Wii angekündigt. Sony ersetzt die PSP durch die PS Vita und bei Apple wird spekuliert, dass noch in diesem Jahr ein neues iPhone auf den Markt geworfen werden soll. Höchste Zeit also wieder Platz im Regal zu schaffen. Ach und wenn man schon dabei ist, könnte man doch den alten Fernseher durch ein HDTV mit 3D Fähigkeit ersetzen. Raus mit dem veralteten Kram! Wer möchte auch schon veraltete Technik im Wohnzimmer stehen haben?

Doch wohin mit dem veralteten Kram? Zur Sammelstelle bringen, obwohl die Geräte noch funktionieren? Lieber nicht, schliesslich hatte man ja ursprünglich viel Geld in die neuesten Wunderwerke der Technik investiert und tut es nun mit den neuen Geräten wieder. Also trennt man sich nicht davon, sondern stellt es in den Keller, auf den Dachboden oder in irgendeine Ecke des Zimmers, in der Hoffnung irgendwann eine sinnvolle Verwendung dafür zu finden. Erst nach Jahren des Herumstaubens wird dann in einem befreienden Akt des Ausmistens der ganze Keller gelehrt oder Zimmer und Dachböden aufgeräumt und entmüllt. Hauptsache das Zeug ist weg und bringt so viel Geld wie noch irgendwie möglich ein. Also bringt man die Geräte nicht zur Sammelstelle, sondern preist sie auf Flohmärkten an, verkauft sie über das Internet oder gar direkt an irgendwelche kleinen Zwischenhändler, die vielleicht noch den einen oder anderen Franken dafür springen lassen. Was danach damit passiert, interessiert uns dann nicht mehr, denn für uns ist es befreiend, dass die Geräte nicht mehr da sind. Wer will sich da noch Gedanken darüber machen was damit geschieht. Es wird schon seine Richtigkeit haben, denken wir uns, schliesslich leben wir hier in Europa, hier funktioniert das schon in geregelten Bahnen. Vielleicht hat ja noch jemand seine Freude daran, wird wohl unser abschliessender Gedanke zu dem Thema sein.

Während dem wir also unsere neuen Geräte anschliessen, stellt der Händler fest, dass das Gerät nicht richtig funktioniert, kein Wunder bei der langen Standzeit und dem Aufenthalt im feuchten Keller. Wertlos ist das Ding trotzdem nicht. Das moderne Gold namens Kupfer, wartet nur darauf verwertet zu werden. Aus all dem Plastik und den restlichen Gefährlichen Stoffen die wertvollen Ressourcen zu gewinnen ist in Europa nicht gerade ein lukratives Geschäft, wenn man nicht über die entsprechenden Recyclinganlagen verfügt. Warum also nicht die Globalisierung sich zu Nutze machen, werden sich sicherlich einige gedacht haben und begannen damit ganze Schiffscontainer mit ungewolltem Elektroschrott voll zu stopfen. Billige Arbeitskräfte gibt es im Ausland ja genug, schliesslich werden auch Ostseekrabben in Marokko gepuhlt und Textilien von grossen Marken in China gefertigt. Schlussendlich landen die halb funktionierenden, halb kaputten Geräte in Afrika. Dort müssen die Händler die ganzen Container ankaufen, Einzelverkauf ist nicht. Was repariert werden kann wird irgendwie geflickt und verkauft, doch gut die Hälfte landet auf dem Schrott. Moment, was ist mit den Rohstoffen, werdet ihr euch jetzt fragen. Auf dem Schrott landen bedeutet so viel wie die Geräte werden zerschlagen, ausgeweidet und schliesslich abgefackelt um die begehrten Metalle freizulegen. Bissiger, giftiger Qualm steigt also zu hundertfachen Rauchsäulen auf zwischen denen Menschen in den Resten wühlen um die restlichen Metallteile zu sichern. Darunter finden sich auch Kinder, die statt in die Schule gehen, noch die letzte Schraube aus dem Müll sammeln. Ganz nebenbei verwandeln sich die wenigen Landstriche, die landwirtschaftlich hätten genutzt werden können in Müllkippen voller bleihaltigem Glas, das sich langsam in die Flüsse auswäscht und ins Meer gespült wird. Dort begnügen sich die wenigen örtlichen Fischer damit einzelne Fische zu fangen, statt ganze Netze aus dem Meer zu holen, denn weiter draussen in den freien Gewässern, dort fischen die grossen Kutter aus aller Welt, für die Fischtheken in unseren Supermärkten, nach Seeteufeln und Thunfischen.

Erschreckend wenn man bedenkt, dass hierzulande schon ein riesen Tamtam gemacht wird, wenn mal eine Glühbirne kaputt geht. Viele Kilometer südlich können Ärzte nur Symptome wie Kopfschmerzen und Müdigkeit behandeln, die durch das ständige Einatmen des Plastikqualms entstehen. Langzeitfolgen sind nicht absehbar, denn die Abfallberge aus Elektroschrott sind nicht schon seit Jahrzehnten dort, sondern entstanden erst in den letzten Jahren. Seid wir hier beschlossen haben im Informationszeitalter zu leben. Da drängt sich die Frage auf, ob der ungeliebte Atommüll für unseren erhöhten Stromverbrauch, dank Informationszeitalter irgendwann auch in den ärmeren Ländern landen wird, denn wir wollen schliesslich ja nur den Strom, aber den Müll für den wir verantwortlich sind, den will ja auch niemand auf dem Nachbargrundstück finden. Hauptsache aus den Augen, aus dem Sinn.

Dabei wäre es so einfach. Alte Elektrogeräte direkt zur Sammelstelle bringen, zwar gibt es selbst dort keine Garantie, dass richtig recycelt wird, aber die Chancen sind eher gering, dass euer alter Bildschirm in Afrika landet. Ansonsten bleibt nur ein etwas vernünftigerer Umgang mit Neuanschaffungen, denn ist es wirklich nötig jedes Jahr oder jedes zweite Jahr ein neues Hany zu kaufen, nur weil der Vertrag ausgelaufen ist? Ist es wirklich nötig jeden Hype mitzumachen?

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