Interview God of War 2 Storyboard

Veröffentlicht am 13. Mai 2011 von Michel Blind

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Interview mit Schweizer Nachwuchs Game-Designerin

Wieder mal ein grossartiges Videospiel durchgezockt und danach einfach die Credits weggedrückt? Was für viele „nur“ ein Spiel ist, müssen andere mit grossem Aufwand zusammenbasteln. Miriam möchte sich ihr Hobby zum Beruf machen und studiert derzeit Gamedesign im vierten Semester an der Zürcher Hochschule der Künste. Sie verriet GameCity in einem exklusiven Interview, dass man nicht unbedingt in den USA oder in Japan leben muss, um in die Videospiel-Branche einzusteigen. Zudem erfahren wir, wie sie dazu gekommen ist, was ihre Ziele sind und was Interessierte tun müssen, um ebenfalls im Bereich Gamedesign Fuss fassen zu können.

Wann war dir klar, dass du eine Ausbildung zur Game-Designerin machen möchtest?
Mein Vater hat schon als ich klein war ziemlich viel Konsolenspiele gespielt, dadurch kam ich auf den Geschmack. Ich spielte wahnsinnig gerne und irgendwann kam die Zeit, da fing ich an mir Gedanken über die Zukunft zu machen. Ich fand die Vorstellung selbst Games zu machen genial, ich konnte mir nichts vorstellen das ich später lieber machen würde. So begann ich das Internet zu durchforsten und stiess nach einiger Zeit auf die ZhdK, die den Studiengang Game-Design anbietet.

Es gibt bestimmt viele junge Menschen in der Schweiz, die gerne eine ähnliche Ausbildung machen würden. Viele denken aber, hierzulande sei dies nicht gut möglich. Du beweist das Gegenteil, kannst du uns mehr darüber erzählen?
Als ich wie gesagt das Internet nach Ausbildungsmöglichkeiten etc. durchsuchte, stiess ich auf zahlreiche Foreneinträge von Personen, die selbst Games designen wollten und nicht wussten wie und wo, da bekam ich schon Zweifel, dass es tatsächlich keine Möglichkeit gibt auf direktem Weg Game-Designer zu werden. Umso begeisterter war ich, als ich auf die Website der ZhdK stiess. Und ich muss sagen, dieser Studiengang ist wirklich das beste was ich mir für meine Ausbildung wünschen kann. Ich kann allen, die auf diesem Berufsfeld arbeiten wollen, nur empfehlen sich zu bewerben. Der Studiengang deckt jeden Bereich ab, Programmieren, Storytelling, Sound, das Entwickeln eigener Charaktere und Spiele generell, Animieren, Modellieren, Leveldesign, und das nicht nur Digital, sondern auch z.B. anhand eines Brettspiels.

Die Anforderungen werden bestimmt hoch und die Kapazitätszgrenze klein sein. Welche Anforderungen musstest du erfüllen (und an welche Stelle kann man sich wenden?)
Eine allgemeine Anforderung ist eine eidgenössisch anerkannte Maturität (Beruf oder Gymnasial) oder ein vergleichbarer internationaler Abschluss. Man sollte auch ein halbes bis ein ganzes Jahr fachbezogene Erfahrung haben, das kann etwas mit Theater, Radio, Grafik etc. sein. Die ZhdK bietet selbst einen Vorkurs an, welchen man besuchen kann. Massgebende Kriterien sind das Portfolio, welches man einsenden muss, die gestalterische Aufnahmeprüfung und ein Aufnahmegespräch.

Glaubst du, das Studium in der Schweiz bereitet dich genügend gut auf deine Zukunft in der Welt der Entwicklerszene vor?
Ja ich denke schon, denn wir lernen alles rund um Game-Design, das heisst wir sind nicht auf ein bestimmtes Gebiet spezialisiert, sondern kennen uns überall bis zu einem bestimmten Grad aus. Das macht uns sehr flexibel, was spätere Berufsmöglichkeiten betrifft.

Wie siehst du die Schweiz in Sachen Gamedesign? Gibt es eine Chance hier Fuss zu fassen oder seid ihr auf längere Zeit quasi gezwungen ins Ausland zu gehen?
Einige Abgänger gründen eigene Firmen und haben damit teilweise sehr grossen Erfolg. Ausserdem sind in der Schweiz auch bekannte Namen wie Disney oder EA vertreten.

Es ist ja so, dass man sich im Gamedesign inzwischen schon auf ein Teilgebiet spezialisieren muss. Was für grundlegende Teilgebiete gibt es und welche sprechen dich am meisten an (und wieso)?
Das kommt auf die Art des Spiels an, bei grösseren Projekten gibt es unzählige Bereiche. Die Credits von Assassins Creed beispielsweise, die dauern sieben Minuten! Es ist wirklich beeindruckend wieviele Menschen an solchen Projekten beteiligt sind. Das Gebiet, welches mich am meisten anspricht ist Design und Modelling. Ich kann mir gut vorstellen später Environment oder Character Artist zu werden, ob es nun das Entwickeln und Erfinden des Charakters ist, oder das Modellieren, beides spricht mich extrem an.

Was war bisher dein grösstes und spannendstes Projekt in deiner Ausbildung?
Ein grosser Projekt war beispielsweise der „Kartonkrimi“. Wir räumten unser Klassenzimmer leer und jeder bekam eine Holzplatte à 1×1 m zugeteilt. Wir erfanden eine Geschichte und entwickelten einen dazu passenden Stadtplan, der in 18 Teile (wir waren damals 18 Leute) eingeteilt wurde. Jeder musste nun seine Holzplatte mit Häusern o.Ä. (Bäume, Strassen, Brücken usw.) aus Karton, Styropor und anderen Mitteln bebauen, so dass am Ende die gewünschte Stadt entstand. Danach machten wir Fotos von unseren Platten, unserer Miniaturstadt. Dann gingen wir in Zürich auf Texturensuche, Fotografierten Fassaden, Mauern, Strassen, und belegten in Photoshop unsere Kartonstadtbilder mit den Texturen, sodass am Ende ein sehr spezieller Grafikstil zustande kam. Zum Schluss brachten wir noch die Story mit ein und verlinkten die verschiedenen Bilder mittels HTML.  Dieses Projekt war total spannend, auch weil die ganze Klasse zusammen an einem Projekt arbeitete, in anderen Modulen arbeitet man in einer kleinen bis mittelgrossen Gruppe oder alleine. Am Ende des Interviews ist auch ein Link aufgeführt, welcher zum Spiel führt.

Gab es schon Momente, in denen du selbst daran gezweifelt hast dein Ziel zu erreichen?
Es ist so, dass im Game-Design mehrere Fächer bzw. Module pro Woche belegt werden, daher laufen meist mehrere Projekte parallel und am Ende kann es schon ziemlich stressig werden (wenn man, wie die meisten von uns, nicht gleich vom ersten Tag an jede freie Stunde zum arbeiten nutzt) und auch ein paar Nachtschichten gegen Ende sind nicht auszuschliessen.
Einmal war es wirklich sehr sehr knapp, und am Ende konnte ich das Endprodukt auch nicht so präsentieren und Einreichen wie ich es gerne gehabt hätte, dort hatte ich in den letzten Tagen vor der Abgabe starke Zweifel, ob es mir noch rechtzeitig reichen würde und gegen Ende dachte ich einfach „Hauptsache etwas abgeben“, was natürlich nicht gerade vorbildlich ist, aber ich hatte noch zwei Projekte nebenher und praktisch keine Energie mehr.
Das es so weit kam ist jedoch nur meine Schuld, ich hatte viel zu spät mit der Arbeit begonnen. Das war mir jedoch eine Lehre und seitdem bin ich nie mehr dermassen unter Zeitdruck geraten.

Viele sind sich dem gar nicht bewusst, wie viel Zeitaufwand und Arbeit in einem Videospiel steckt. Schaust du die Videospiele jetzt mit anderen Augen an?
Ja schon! Ich achte viel mehr auf die Formen und Texturen und staune jetzt, da ich weiss wie alles gemacht wird und es auch selbst machen könnte, noch mehr als vorher über manche extrem realistische Games. Da fällt mir zum Beispiel L.A. Noire ein, wow! Ich habe zwar erst den Trailer gesehen, aber wenn das Spiel hält was es verspricht finde ich das total genial und beeindruckend! Mir kommt es jedoch nicht nur auf die Grafik an, ein gutes Gameplay ist mir fast wichtiger. Siehe z.B. Minecraft, das Gameplay ist so grandios, dass einem die vielleicht erst eher gewöhnungsbedürftige Grafik gar nicht stört, eher im Gegenteil, sie verleiht dem Spiel das gewisse Etwas!

Wo siehst du dich in 10 Jahren? Wäre das Ausland für dich ein Thema?
Ich würde wahnsinnig gern in einer mittleren bis grösseren Firma als Charakterdesigner arbeiten. Ins Ausland würde ich vielleicht schon gehen, aber am schönsten wäre es wenn ich in der Schweiz bleiben könnte.

Hast du bereits ein Entwicklerstudio ins Auge gefasst, bei dem du am liebsten arbeiten würdest?
Da gibt es einige, kein Bestimmtes jedoch, Rockstar wäre z.B. toll, die sind auch in Europa vertreten, oder eben EA. Es gibt so viele! Wie gesagt, es wäre schön wenn ich in Europa bleiben könnte, aber mal sehen was die Zukunft bringt.

Was sicher viele noch brennend interessieren würde: Welche Games spielst du am liebsten in deiner Freizeit und auf welchen Konsolen?
Hoho! Zuletzt beendet habe ich Alan Wake, das fand ich super, so stimmungsvoll, und Zelda Spirit Tracks auf Nintendo DS, auch ganz ganz toll!
Auf Bioshock Infinite warte ich schon sehnlichst und auch Silent Hill Downpour kann ich kaum abwarten! Die meiste Zeit habe ich jedoch wohl schon immer mit den Sims auf PC verbracht, schon seit der allererste Teil veröffentlicht wurde, und es hat für mich nie an Reiz verloren.

Welche Tipps kannst du den Interessierten mit auf den Weg geben?
Auf http://gamedesign.zhdk.ch/ gibt es alle Informationen rund um den Studiengang Gamedesign. Wer auf einem kreativen Berufsfeld arbeiten möchte, gerne spielt, es mag Geschichten, Figuren oder Welten zu erfinden, Atmosphären schaffen will oder sich coole Spielprinzipien und -mechaniken ausdenkt, ist hier genau richtig! Und wer sich für Zeichnen, Interface Design, Game Writing, 3-D-Modelling und Animation, Scripting und Programmierung, Sound Design, Produktionsmethoden, Spielregeln, Spielmechaniken, Gameplay, Level Design, Interactive Storytelling, Narration, Dramaturgie, Spiellogik oder künstliche Intelligenz interessiert sollte ebenfalls nicht zögern, denn diese Begriffaufzählung stammt von der Gamedesign-Homepage und beschreibt den Inhalt des dreijährigen Studiums.
Falls ihr Fragen habt oder mehr erfahren möchtet könnt ihr mich jederzeit unter miris89(at)bluewin.ch kontaktieren.

Zum Schluss noch ein paar Projekte, an denen ich mitgearbeitet habe:

Wir danken Miriam für dieses interessante Interview und den Einblick ihn ihren Alltag.

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Über den Autor

Besitzt fast jede gängige Konsole, verbringt aber die meiste Zeit vor seinen Nintendo-Geräten. Er sammelt Pokébälle und jeden Mist, den man in versteckten Truhen findet. In Racing-Games, besonders in Mario Kart, macht ihm keiner was vor. Deckt sich wie verrückt mit Figuren aus der Gamewelt ein, mit starker Auswirkung auf sein Portemonnaie. Motto: Still Alive! (PSN: Benjiix4 / WiiU: Benjiix)



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