Testlabor Black Mirror 3 VT

Veröffentlicht am 8. März 2011 von Cornelia Zogg

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Black Mirror 3

Point&Click Adventures sind meistens niedlich, fantasievoll und bunt. Ausser Black Mirror. Denn hier geht es zwar auch detektivisch zu und her, aber alles ist hier ein bisschen – sagen wir – grusliger. Mittlerweile ist bereits der dritte Teil der Serie veröffentlicht worden und ich habe mich in dem kleinen englischen Örtchen mal umgesehen.

Es geht sofort los
Black Mirror III ist der Abschluss einer Trilogie um einen alten Fluch. Die Story beginnt bereits vielversprechend. Ich renne durch einen düsteren Wald, irgendetwas verfolgt mich. Eine Stimmung wie bei Alan Wake kommt auf, bis ich vor einem brennenden Adelsschloss ankomme. Die Polizei ist bereits da und nimmt mich auch gleich fest. Kein Wunder: Verängstigter Ausländer aus Amerika, der in England mit einer noch glimmenden Fackel durch den Wald rennt und zufälligerweise gerade bei einem brennenden Adelshaus aufkreuzt, hat nicht viel als Alibi zu bieten. Ich werde eingebuchtet! Und sofort merke ich. Der Polizeichef mag mich nicht. Und wie sich später herausstellt, mag mich auch die ganze Umgebung nicht… Nach einer ziemlich langen Introsequenz, bei der ich mich fragte, ob ich hier einen Film schaue oder auch mal selbst was machen darf, geht’s los. Jemand hat die Kaution für mich bezahlt und ich werde auf freien Fuss gesetzt. Nicht aber, ohne mich vorher mit meinem Zellenkumpan zu verkrachen, der mein Tagebuch gestohlen hat und laut und hämisch vorliest, was ich die letzten paar Tage im Knast geschrieben habe. Anscheinend glaube ich, ich sei verflucht. Sowieso habe ich wie es scheint eine ziemlich verwirrende Vergangenheit und einen noch seltsameren Stammbaum. Ich bin mit den getöteten Adeligen im Schloss scheinbar verwandt und wurde vor der ganzen Sache durch ein magisches Ritual in irgendetwas reingezogen, dass mir ganz und gar nicht geheuer ist. Vor allem aber plagen mich schreckliche Visionen, in denen ich beispielsweise mal ganz kurz dem Zellenkumpanen mit meinem Bleistift das Auge aussteche. Natürlich tue ich das nicht, aber diese Sequenzen bringen etwas Action in den sonst ruhigen Spielfluss. Zwar spicke ich nicht gerade vor Schreck vom Stuhl, aber die ersten paar Zwischen“morde“ vor meinem virtuell inneren Auge gehen ganz schön in die Knochen. Allerdings gewöhnt man sich relativ schnell daran und sie verlieren ihren Reiz.

Ohne Teil 2 geht nix
Das Problem an Black Mirror III ist, dass es storymässig an den Vorgänger anknüpft. Wer die Vorgänger nicht gespielt hat, hat keine Chance, den dritten Teil überhaupt zu verstehen. Es gibt nicht einmal eine Rückblende, um allenfalls die Vorgeschichte zu erklären. Die Rätsel sind manchmal kniffliger, manchmal aber auch recht einfach. Meistens wird euch gesagt, was ihr tun müsst, um beispielsweise eine Person abzulenken oder irgendwo hin zu gelangen. Mit der Leertaste könnt ihr sehen, was ihr alles in einem Raum untersuchen und mit was ihr interagieren könnt. Findet ihr bestimmte Gegenstände, werden diese bei euch im Inventar gespeichert. Ihr braucht sie dann für weitere Rätsel oder müsst sie kombinieren, um weiter zu kommen. Wie bei jedem handelsüblichen Point&Click. Abgesehen von den kleinen Zwischen-Schreck-Sekunden gestaltet sich Black Mirror recht entspannend. Manchmal etwas zu entspannend. Während Darren – der Hauptcharakter – von Punkt zu Punkt wandert, um die Objekte zu untersuchen, wünscht man sich hie und da eine Geschwindigkeitsleiste, mit der ihr gewisse Handlungen etwas abkürzen könntet. Leider gibt es sie nicht und das Spiel läuft alles andere als rasant. Dem wollten die Macher wohl mit der Musik entgegen wirken. Anders kann ich mir nicht erklären, warum dann in absolut langweiligen Abschnitten – ich untersuche ein einfaches Regal – plötzlich Musik aufkommt, die an einen Horrorfilm erinnert und versucht, vergeblich Spannung zu erzeugen. Das wirkt dann meist etwas aufgesetzt und übertrieben.

Sound und Grafik
Die Grafik ist nicht vom Besten, was die heutigen PC-Games zu bieten haben, ist aber durchaus solide. Die einzelnen Figuren wirken leider etwas hölzern in ihren Bewegungen und Interaktionen. Die Umgebungen allerdings sind sehr schön und detailliert gestaltet und bieten viele verschiedene Dinge zum Entdecken. Sehr gut ist vor allem die Sprachausgabe. Alles was Darren sagt oder denkt braucht ihr nicht nur zu lesen, sondern er spricht es auch aus. Und sei es nur: „Hm, eine leere Kaffeetasse, nicht wirklich interessant!“ Alles ist synchronisiert. Vor allem genau diese Aussagen von eurem Charakter bringen Würze ins Spiel. Sie sind mal sarkastisch, mal witzig, mal offensichtlich und so weiter. Darren hat zu allem und jedem etwas zu sagen, und sei es noch so absurd. Das liess mich ab und zu breit grinsen.

Fazit

Singleplayer
Gameplay
Motivation
Grafik
Audio

Wer den Vorgänger nicht gespielt hat, wird mit Black Mirror III hoffnungslos überfordert sein. Man sollte also die Vorgeschichte kennen, um bei diesem dritten Teil überhaupt mitzukommen. Wenn ihr allerdings wisst, um was es geht, ist Black Mirror III ein solides Point&Click, spannend, mit einer guten Story und Gruselfaktor. Kleine Macken hat das Spiel zwar, aber für Fans der Serie sicher ein Kauf wert. Black Mirror – Einsteiger sollten besser mit Teil 1 beginnen.

2.9


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Über den Autor

Hardcore-Zockerin und Sony/Nintendo Fangirl der ersten Stunde. Vorwiegend anzutreffen beim Zocken von RPGs und allem, was aus dem Reich der aufgehenden Sonne kommt. Gamerin seit 20 Jahren – Teil des GameCity Teams seit 3 Jahren. Häufigster Spruch: „Shit! Inventar voll…“



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