Testlabor Bravely Default

Veröffentlicht am 6. März 2014 von Corina Ulmann

0

Bravely Default

Als Rollenspiel-Fan der ersten Stunde vermisse ich die alten Japano-Rollenspiele mit ihren rundenbasierenden Kämpfen, dem Jobsystem und den zufallsgenerierten Kämpfen sehr. Wo es früher jährlich massig neue Titel erschienen, sind diese heutzutage nur noch spärlich anzutreffen und oft wagen sich die Entwickler nicht einmal mehr an die gute und bewährte Spielmethode heran. Alles musste angepasst werden und oft erzielen die “neueren” Spiele nur mässigen Erfolg. Einzelne Perlen blieben uns jedoch erhalten, eines davon erschien kürzlich aus dem Hause Square Enix.

Das Spiel beginnt zugleich mit einem harten Schicksalsschlag. Tiz, ein Schafhirte, der im idyllischen Dorf Norende lebt, ist wie jeden Tag etwas abseits des Dorfes und kümmert sich um seine Schafe, bis plötzlich ein Erdbeben das Land erschüttert. Voller Sorge kehrt er zu seinem Dorf zurück und muss mit Schrecken feststellen, dass dort nun ein riesiges Loch klafft. Norende ist nicht der einzige Ort, das von Naturkatastrophen heimgesucht wird. In anderen Teilen der Welt brechen Vulkane aus, das Wasser wird verseucht, der Wind, der für Strom sorgt, bleibt fern und als sei dies nicht schlimm genug, tauchen überall grässliche Kreaturen auf, die die Bewohner bedrohen.

Als sei Tiz’ Verlust nicht schon gross genug, hört er ein Hilfeschrei einer Frau, die von ein paar schrägen Typen gejagt wird. Mutig stellt er sich dazwischen und kann die junge Frau retten. Agnès heisst sie und ist eine sogenannte Vestalin, die angeblich den Ursprung der Katastrophen kennt. Tiz schliesst sich Agnès an und möchte ihr auf ihrem Weg zur Seite stehen. Im Laufe des Spiels schliessen sich zwei weitere Charaktere eurer Party an und wollen Agnès und Tiz im Kampf gegen das Böse beistehen.

Bravely Defult erschien im Dezember 2013 für den Nintendo 3DS und erinnert sehr stark an die früheren Final Fantasy-Titel.
Auch wenn das Spielprinzip mit “suche die vier Artefakte” und “rette die Welt” nicht gerade neu ist, so überzeugen vor allem die vier unterschiedlichen Charaktere umso mehr und bringen den einen oder anderen Twist mit ins Spiel, was die Story stets aufrecht erhält. So kann es gut sein, dass die eigentliche Story eher zur Nebenaufgabe wird und der Spieler die Weiterführung der Charakterentwicklung miterleben will.

Im typischen Rollenspiel erscheinen die Gegner nicht auf der Landkarte, sondern wie in alten Zeiten zufallsgeneriert. Wer jetzt schon die Augen verdreht und sich vorstellt, alle zwei Schritte gegen wilde Bestien kämpfen zu müssen, den kann ich beruhigen. Anders als gewohnt, kann die Häufigkeit der Zufallsgegner in den Optionen manuell geändert werden. Will sich jemand aufs Leveln konzentrieren, so kann er den Regler auf die höchste Stufe setzen und wird bei gefühlten fünf Schritten immer auf einen neuen Gegner treffen. Möchte aber jemand noch alle versteckten Schatzkisten in einem abgeschlossenen Level suchen, ohne ständig in einen Kampf verwickelt zu werden, der kann den Regler so weit nach unten stellen, dass sogar keine Monster mehr erscheinen. Somit hat es der Spieler selber in der Hand, wie viel und wie oft er gegen Gegner kämpfen möchte.

Gekämpft wird rundenbasiert in alter RPG-Manie. Neben den direkten Angriffen kann sowohl auf Magie als auch auf mitgeführte Gegenstände zurückgegriffen werden. Bravely Defult besitzt noch eine weitere Zusatzfunktion in den Kämpfen: Dank der Brave- und Default-Mechaniken können sogenannte Battle-Points gesammelt und genutzt werden, um sich im Kampf einen gewissen taktischen Vorteil zu schaffen. Regulär greift also jede Figur einmal pro Runde an und hat dann keine BP mehr. Mit “Default” lässt sich der BP jedoch speichern, so dass in der nächsten Runde gleich zwei Angriffe ausgeführt werden können. Das Brave-Komando sorgt dafür, dass innert einer Runde gleich bis zu vier Mal angegriffen werden kann. Spart ihr per Default vorher nicht genügend BP auf, gerät der Charakter ins Minus und muss daraufhin die entsprechende Anzahl an Runden untätig bleiben. Diese Brave-Default-Taktik können jedoch auch von euren Gegnern genutzt und angewendet werden. Dank dieser Neuerung bietet Bravely Defult eine ganz neue Art der taktischen Kampfmöglichkeiten. Für solche, die gerne etwas schneller im Kampf vorangehen möchten, haben die Entwickler noch eine komfortable Option eingebaut. Mit einem kurzen Klick auf die Schultertasten lässt die Geschwindigkeit des Kampfes steuern. Somit wird der Schlagaustausch deutlich beschleunigt und der Spieler hat in kürzer Zeit mehr vom Spiel. (Dieses Feature wünschen wir uns doch gleich in jedem RPG-Spiel)

In solch einem klassischen RPG dürfen die unterschiedlichen Jops und Talente natürlich nicht fehlen. Insgesamt können bis zu 27 Berufe  ausgesucht, gelernt und kombiniert werden. So kann der Charakter sich in der schwarzen Magie aufleveln und diese, sobald das gewünschte Level erreicht wurde, auf die zweite Fähigkeitsliste setzen, damit der Charakter sich dann um einen anderen Beruf kümmern kann. Dabei ist es möglich während den Kämpfen immer auf die zweite Fähigkeit zurückzugreifen.

Ein Augenschmaus ist die Grafik von Bravely Defult. Die Hauptfiguren glänzen in sehenswertem 3D-Anime-Look und die Hintergründe sehen dank den Zeichnungen aus wie Artworks. Neben der wunderschönen Grafik haben die Entwickler auch zu jeder Situation ein passendes Musikstück bereit gehalten.

 

Fazit

Bravely Defult ist in erster Linie ein RPG der alten Schule. Es besitzt eine etwas vorhersehbare Story mit rundenbasierenden Kämpfen und einem Jobsystem, das wir uns schon aus früheren Final Fantasy-Titel gewohnt sind. Dennoch bietet Bravely Defult einiges mehr, als zuerst angenommen wird. Neue und nützliche Features lassen ein gewohntes Genre neu aufblühen, dass der Spieler am Ende des Abspannes einfach nur mehr davon haben will. Solche RPG’s trifft man heut zu Tage einfach nur noch selten an, daher sollte sich jeder Fan dieses Genre diese Perle hohlen.

95%

klassisches RPG


Leserwertung: 3.4

Weitere Beiträge zum Thema: , , ,


Über den Autor

Zockt seit der Kindheit auf allem, was ein paar Knöpfe und ein Steuerkreuz hat. Besondere Vorlieben ist alles was Spass macht. Von der Plastikgitarre bis zum coolsten Shooter wird dabei nichts ausgelassen. Alles wird probiert. Gamet seit der GameBoy auf den Markt gekommen ist und ist seit 2006 Mitglied des GameCity Teams. Gaming Motto: Erst zocken, dann urteilen!



Back to Top ↑