Testlabor Dante's Inferno

Veröffentlicht am 12. Februar 2010 von Adrian Dermon

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Dante’s Inferno

Die göttliche Komödie
Spiele übernehmen Geschichten aus Büchern oder Erzählungen. So kommen z.B. in God of War Wesen aus der griechischen Mythologie vor. Bei Dante’s Inferno gehen die Entwickler noch einen Schritt weiter und erzählen den 1. Teil der göttlichen Komödie von Dante Alighieri, eines der grössten Werke der Weltliteratur. Zwar nahmen sich die Entwickler einige Freiheiten, dennoch blieben sie sehr nah an der Geschichte.

Der Mensch ist voller Sünde
Doch um was geht es? Im Original erzählt Dante Alighieri in der Ich Form seine Reise durch die drei Reiche der jenseitigen Welten. Diese fängt in der Hölle an, auch Inferno genannt. Genau um die Hölle geht es nun auch im Spiel. Statt aber als erfürchtiger Dichter Dante die Reise anzutreten, spielt ihr Dante als Kreuzritter im Mittelalter. Ihr seid gerade auf einem göttlichen Kreuzzug unterwegs und kämpft gegen “Ungläubige” als plötzlich ein Unbekannter Dante ein Dolch in den Rücken sticht. Natürlich lässt sich der Tod nicht zweimal bitten.

Her mit der Sense
Statt nun aber dem Tod brav zu folgen, weigert sich Dante und besiegt gar in einem Kampf den Sensemann. Mit der Sense des Todes im Gepäck, macht sich Dante zurück auf den Weg zu seiner Geliebten Beatrice. Als er zu Hause ankommt, muss er mit Entsetzen feststellen, dass Beatrice ermordet wurde. Leider kommt es noch schlimmer. Da Dante vor seiner Abreise mit Beatrice einen Pakt geschlossen und er diesen bei seiner Reise gebrochen hat, verschleppt Luzifer die Seele von Beatrice in die Hölle.

Ab in die Hölle
Da alles seine Schuld ist, folgt Dante dem Teufel in die Hölle um seine Geliebte zu retten. Wie im Gedicht führt ihn seine Reise durch die neun Kreise der Hölle. Diese sind wie ein gewaltiger unterirdischer Trichter geformt und wie folgt aufgeteilt: Vorhölle, Wollust, Völlerei, Habgier, Zorn, Häresie, Gewalt, Betrug und Verrat. Zuerst keiner Schuld bewusst wird Dante im Laufe der Zeit feststellen, dass er bei seinem Kreuzzug gegen alle diese Sünden verstossen hat und dies auch der Grund ist, warum Beatrice dafür bezahlen musste.

Es gibt Tote
Soweit zur Geschichte des Spiel, die in vielen Rückblenden erzählt wird. Obwohl die sehr packende Story natürlich den Grundboden des Spiels ausmacht, ist und bleibt es aber ein typisches Hack’n Slay Titel. Dass heisst, ihr rennt mit Dante durch die neun Kreise der Hölle und metzelt jeden Feind nieder, der euch in die Quere kommt. Dabei geht Dante mit der Sense des Todes nicht zimperlich um und hat auch sehr viele Moves drauf. Um aber weit entferntere Gegner zu erwischen, hat er zusätlich noch das Kreuz von Beatrice dabei, dass einen heiligen Schein herausschiessen kann. Somit erwischt er auch fliegende Wesen. Die Gegner selbst sind sehr kreativ gestaltet worden und passen zum jeweiligen Höllenkreis. So kommen bei der Lust nackte Dämoninen mit einem grossen Schw….(ihr wisst was ich meine) vor. Nebst den normalen Gegnern, die sich leider mit der Zeit aber wiederholen, gibt es natürlich verschiedenen Endgegner, wie der Richter der Verdammten, der in der Vorhölle die Seelen einem Höllenkreis zuteilt. Natürlich geht Dante auch mit diesem nicht zimperlich um.

Bestrafung muss nicht sein
Damit das Gekloppe nicht langweilig wird, erhält man für jede abgemetzelte Kreatur einige Seelen. Diese tauscht ihr für neue Moves sowie mehr Energie für die Lebens- oder Magieanzeige von Dante ein. Welche Moves oder Spezialfähigkeiten man neu freischalten darf, hängt aber allein von euch ab. Denn kleinere und grössere geschwächte Gegner könnt ihr mit der Sense schnappen und habt dann die Auswahl, ob die Seelen der Kreaturen bestraft oder erlöst werden sollen.  Hat man sich für eine Auswahl entschieden, so erhält man Punkte die auf der guten oder bösen Seite dazu gezählt werden. Wurde eine gewisse Anzahl erreicht, steigt Dante ein Level auf und erhält neue Moves zur Auswahl. Entscheidet ihr euch eher für die Bestrafung der Gegner, steigert ihr damit Dantes Nahkampfangriffe. Erlöst ihr aber eure Gegner, so dürft ihr eure Fernangriffe mit dem Kreuz stärken. Auf Dantes Charakter macht eure Wahl keinen Unterschied. An manchen Orten trifft Dante dazu noch auf menschliche Seelen, wo er zuerst ihre Sünden erfährt und dann entscheiden muss. Diese geben nicht nurmehr Seelen und dienjenigen, die sich für die gute Seite entscheiden, dürfen auch ein Minispiel spielen, welches leider mit der Zeit verleidet. Das gesamte Seelensystem ist zwar nicht schlecht, jedoch wird die Erlösung besser behandelt. So erhält man bei menschlichen Seelen viel mehr Seelenpunkte als wenn man sie bestraft. Geht ihr dazu noch von Anfang an als Erlöser durch die Welt, ist euer Fernangriff mit dem Kreuz so stark, dass auch grössere Gegner aus der Nähe kein Problem mehr darstellen. Das Balancing hätte besser sein dürfen.

Ein wenig Gehirnschmalz
Um ein wenig Abwechslung ins Spiel zu bringen, gibt es neben den Kämpfen auch etwas fürs Gehirn zu tun. So müssen an einigen Orten Steine oder Kisten verschoben werden um ein Rätsel zu lösen. Diese sind zwar nicht schwer, lockern aber das Spiel ein wenig auf. Dazu gesellen sich einige Hüpf- und Kletterpassagen, die eigentlich nicht schwer sind, wenn da nicht die starre Kameraposition wäre. Hier sind dann auch die einzigen frustigen Momente im Spiel, da sonst alle Aufgaben machbar und die Rücksetzpunkte sehr grosszügig verteilt sind.

Höllisch gute Atmosphäre
Dante’s Inferno guckt sich Vieles und gerne beim Genrekönig God of War ab. Dennoch versprüht es seinen eigenen Charme. Dies verdankt das Spiel seiner tollen Atmosphäre. Während die Geschichte von der göttlichen Komödie ein wenig abweicht, wurde die Hölle selbst aber sehr exakt nach dem Werk geschaffen. Viele kleine Details, wie die gequälten Seelen schaffen ein düsteres und damit perfektes Bild der Hölle. Die verschiedenen Höllenkreise unterscheiden sich voneinander, was man leider von den vielen Kletterpassagen nicht behaupten kann.

Dazu gingen den Entwickler am Ende wohl die Ideen aus. Dank den tollen Zwischensequenzen, die in Rendersequenzen sowie in Comicgrafik weiter erzählt werden und den tollen Synchronsprecher (egal ob auf Deutsch oder Englisch), will man trotzdem den Controller erst wieder beim Abspann des Spiels aus der Hand legen. Schade, dass das schon nach knappen 6-8 Stunden der Fall ist.

Fazit

Singleplayer
Gameplay
Motivation
Grafik
Audio

Einige befürchteten dass mit Dante's Inferno ein God of War Abklatsch heraus kommt. Diejenigen hatten damit sogar zum grossen Teil recht. Von den riesigen Bosse bis hin zu den Metzeleien erinnert vieles stark an den grossen Kratos. Und doch ist dank der sehr guten Umsetzung der Geschichte über die göttliche Komödie etwas ganz eigenes heraus gekommen. Die Geschichte ist es auch, die den Spieler bis am Schluss fesseln wird. Was leider nach knapp 8 Stunden der Fall ist.In diesen Stunden erlebt man eine schöne düstere Hölle mit ihren vielen Höllenstufen. Leider gingen nach und nach wohl den Entwickler die Ideen aus, denn am Ende wiederholen sich sehr oft die verschiedenen Hintergründe und Gegnertypen. Auch das Kampfsystem sowie das Punktesystem (Bestrafung und Erlösung) überzeugen nicht absolut. Nach kurzer Zeit ist man so mächtig, dass man nur wegen einigen Hüpfpassagen, wo die Kamera schlecht platziert ist, frustige Stellen erlebt. Nichtsdestotrotz ist das Spiel dank der tollen Inszenierung und der packenden Geschichte für alle Hack'n Slay Spieler absolut empfehlenswert und überbrückt die Zeit bis der grossse Kratos wieder sich durch die griechische Unterwelt durchschlägt.

4.1


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Über den Autor

Als Kind süchtig, als Jugendlicher ein Nerd und jetzt nur noch ein Liebhaber der Kunst der Videospiele. Adrian machte in seinem Leben alle Zyklen eines Gamers durch und war immer der Nintendo und der Sony Konsolen treu. Seine Stärke sind Sportspiele. Aber einem guten Spiel aus anderen Genres ist er nie abgeneigt. Häufigster Spruch beim Spielen: Schleichen kann man, wenn man tot ist.



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