Testlabor Dead Island

Veröffentlicht am 22. September 2011 von Adrian Dermon

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Dead Island

Zu jedem Spiel gibt es  im Voraus Trailer, die Lust auf das Spiel machen sollen. Mit einem sehr kreativen aber auch schrecklichen Trailer zog das Spiel Dead Island viele Blicke auf sich. Ein Zombiespiel auf einer Ferieninsel hörte sich dazu noch sehr gut an. Doch ist die Ferienidylle wirklich der richtige Ort für ein Zombiespiel?

Die (Alb)Trauminsel
Es könnte doch so schön sein. Da feiert ihr noch eine ausgiebige Party, torkelt am Ende nur noch hilflos herum und fragt euch gar nicht mehr, warum etwas rotes und flüssiges an euch klebt. Nachdem ihr es irgendwie ins Bett eures Hotels geschafft habt, erwacht ihr am nächsten Morgen und fragt euch, warum es  so still ist. Nach kurzer Zeit bemerkt ihr, dass ein Massaker stattgefunden hat  und ihr entdeckt rasch die Übeltäter. Menschen sind zu Zombies mutiert und greifen nun die letzten lebenden Menschen an. Mit einigen anderen Überlenden könnt ihr entkommen. Die Frage, die das Spiel nun stellt sind natürlich, was ist geschehen und wie kommt ihr von der Insel runter.

Held wider Willen
Nachdem ihr eben die kurze Sequenz über die durchzechte Nacht gesehen habt, gibt euch das Spiel die Freiheit, euch  für einen der vier Charaktere zu entscheiden – zwei hartgesottene Typen oder zwei nicht ganz so hilflose Ladies. Jeder Charakter hat eine andere Fähigkeit, wie besserer Nahkampf oder Schusswaffenfertigkeiten. Jedoch spielt es kaum eine Rolle, wen ihr nehmt, die Unterschiede sind nämlich minimal und fallen während des Spiels kaum auf. Ich entschied mich aber mal für einen der weiblichen Charakter. Euer Charakter ist was Besonderes, obwohl er nämlich gebissen wurde, wird er selbst nicht zu einem Zombie. Schnell finden die anderen Überlenden das heraus und beschliessen, dass ihr für sie draussen Missionen erledigen dürft, während sie in Sicherheit bleiben. Und wäre das nicht schlimm genug, haben zwar einige der Überlenden Waffen, ihr selbst erhaltet am Anfang aber nur ein Paddel zur Verteidigung. Fairness sieht zwar anders aus, aber was tut man nicht alles als Held.

Zombie Rollenspiel?
Dead Island möchte einige Sachen anders machen als die herkömmlichen Zombiespiele. So seid ihr nicht in der Third Person, sondern in der Egoansicht unterwegs. Dazu ist ein grosses Areal der Insel frei erkundbar. Die Missionen dürft ihr selbst bei den einzelnen Überlenden aussuchen und je nach Schwierigkeit erhaltet ihr Fertigkeitspunkte, die ihr in einem Fertigkeitsbaum investieren dürft und so euer Charakter auflevelt.  Des Weiteren findet ihr auf der Insel viele Kisten und andere Objekte, die ihr zu neuen Waffen oder andere Dinge zusammenbaut. Dies alles klingt doch schon sehr gut für einen Zombietitel und erinnert irgendwie an eine Mischung aus Dead Rising und Fallout. Doch bringt eine Mischung nicht immer ein gutes Resultat.

Horror wo bist du?
Seit Resident Evil 5 ist klar, richtig gruselig wird es nicht, wenn man die Zombies dank schönem Wetter von weitem erkennt. Auch Dead Rising versucht nicht, gruselig zu sein. Doch beide Spiele bringen den Spieler ins Schwitzen – dank der Übermacht der Zombies und das beklemmende Gefühl, nicht fliehen zu können. Genau dieses Gefühl vermisse ich bei Dead Island. Fast alle Missionen handeln nämlich davon, dass ihr von Punkt A etwas holen und zu Punkt B bringen müsst. Ihr müsst somit euer sicheres Versteck verlassen und auf der Zombie verseuchten Insel herumwandeln.  Leider werdet ihr nie mehr als zehn Zombies gleichzeitig auf dem Bildschirm entdecken. Werdet ihr dazu noch von einem Zombie gepackt, dürft ihr ihn in einem einfachen Quicktime Event abschütteln. Sterbt ihr trotzdem, erwacht ihr nach einigen Sekunden ein paar Meter weiter weg wieder und dürft sofort weiter machen. Sicher für Anfänger eine nette Idee, doch da ihr wisst, dass ihr keine Angst vor dem Sterben haben müsst, schlendert ihr eigentlich sehr gemütlich über die Insel. Wenigstens einige kleine beklemmende Momente gibt es, wenn ihr Räume durchsucht, die in der Dunkelheit liegen.

Schlagen und nochmals schlagen
Kommen wir zum Kampfsystem von Dead Island. Eure Figur darf sehr viele Objekte als Waffen einsetzen.  Es ist sogar möglich, dass ihr wie bei Dead Rising an einer Werkbank eigene Waffen zusammen baut. Dafür braucht ihr aber immer den richtigen Bauplan für die Waffe, einfaches Ausprobieren geht leider nicht. Obwohl es auch Schusswaffen gibt, seid ihr die meiste Zeit im Nahkampf beschäftigt. Da die Effektivität von Schusswaffen aber kaum der Rede wert ist, macht die Knappheit der Munition euch kaum was aus. Die Vorgehensweise bei den meisten Gegnern ist fast immer gleich. Ihr nähert euch einem Zombie und haut mit einer Waffe auf ihn ein. Zwei Dinge müssen dabei beachtet werden. Zum Einen kostet jeder Schlag etwas von euer Ausdauer und zum anderen nutzt sich eure Waffe sehr schnell ab. Zum Glück gibt es ein fast unendliches Inventar, so dass ihr unzählige Waffen mit euch rumschleppen dürft. Auch die Waffen selbst sind aufrüstbar, jedoch von der Länge der Haltbarkeit macht dies kaum etwas aus. Um den Waffengebrauch noch weiter zu sparen, gibt es für die meisten Zombies ein einfaches Mittel um sie zu besiegen. Schlagt einfach ein bis zweimal auf einen Zombie ein, bis er zu Boden geht. Ist er am Boden, müsst ihr ihn nur einfach treten, da er dann einfach nicht mehr aufstehen kann. Witzigerweise kosten euch die vielen Tritte überhaupt keine Ausdauer, so dass ihr bedenkenlos solange den am bodenliegenden Untoten malträtiert, bis er wieder das Zeitliche segnet. Da die Zombies sehr langsam aufstehen, klappt dieser Trick sogar bei mehreren Gegner gleichzeitig, wenn sie einmal am Boden liegen. Neben den Kämpfen gibt es manchmal auch kleine Rätseleinlagen. Diese sind aber so rar, dass sie kaum der Rede wert sind. Natürlich gibt es auch grössere Gegner, gegenüber anderer Spiele sind diese aber nur Weichlinge.

Guter Koopmodus
Obwohl das Spiel in der Einzelkampagne, trotz langer Spielzeit, kaum richtig lange fesseln kann, macht es im Koopmodus wirklich noch Spass.  Bis zu vier Spieler dürfen dann das Abenteuer gleichzeitig erleben.  So macht das Spiel viel mehr Spass und viele Dinge, die im Einzelspiel störten, gehen vergessen. Da sich euer Charakter ja auflevelt, ist es natürlich möglich, dass  eure Mitspieler auf einem anderem Level sind. Auch das gab es schon bei Dead Rising, nur dass dort ein stärkerer Spieler euch echt eine Hilfe sein konnte, um die Zombies zu besiegen. Bei Dead Island leveln die Untoten nämlich automatisch auf das gleiche Level von euch auf. Spielt ihr nun mit einem Freund auf einem höherem Level, sind natürlich auch die Zombies auf diesem Niveau, was eure Aufgabe nicht leichter macht. Aber mit Teamarbeit überwindet ihr auch diese Hürde. Da es dazu kaum Probleme mit der Verbindung gibt, bleibt das Spielgeschehen flüssig.

Hübsche Insel
Grafisch sieht der Titel im ersten Augenblich wirklich wunderschön aus. Die Ferieninsel mit den in Wind wogenden Palmen sieht hübsch aus und auch die Umgebung mit der Flora und Fauna erinnert an Far Cry. Beim zweiten Blick erkennt ihr aber die Kehrseite der Medaille. Treppchenbildung bei den Schatten und viele aufploppende Gegenstände in eurer Nähe gehen da noch.  Mehr störten mich die computergesteuerten Charaktere. Dabei sind nicht mal die Zombies das Hauptproblem, denn diese wiederholen sich überraschenderweise von den Gesichter her sehr wenig, sondern mehr eure Mitstreiter sind das Problem. Alle Charaktere sind sehr emotionslos und im Kampf nicht gerade hilfreich. Emotionen zu den Charakteren will nicht aufkommen, dazu tragen sicher auch die miesen Mimiken der Figuren bei. Wenig zu beanstanden, gibt es aber beim Sound. Die musikalische Untermalung bringt noch eine drückende Stimmung auf die Insel und die englischen Synchronsprecher machen trotz einiger nicht lippensynchronen Einsätze ihre Sache gut. Nur die Gespräche selbst sind eher belanglos. Ausserdem nervt die eigene Figur, die nach dem Töten von über 100 Untoten immer noch mit dem gleichen Satz wie am Anfang des Spiels einfach nicht glauben will, was sie gerade tut. Trotzdem macht hier das Spiel noch einen guten Eindruck.

Fazit

Singleplayer
Multiplayer
Gameplay
Motivation
Grafik
Audio

Die Entwickler schürten mit dem tollen Trailer die Erwartungen vieler Spieler. Leider konnten sie diese nicht erfüllen. Mit vielen Ideen, die sie aus anderen Spielen zusammen geklaut haben, wollten sie eine neue Spielerfahrung schaffen. Dabei sind die Ansätze nicht schlecht. Das Problem ist, dass keine Stimmung aufkommen will. Angst oder Panik kommen fast nie auf, dazu flacht die Geschichte sehr schnell ab. Schuld daran sind auch die langweiligen Quests, die sich kaum unterscheiden. Nur im Koopmodus kommt wirklich Spass auf und rettet das Spiel von einer schlimmeren Wertung. Wer mal ein Zombiespiel auf einer Insel ansehen möchte und schon Freunde kennt, die das Spiel auch besitzen, kann es sich sicher mal anschauen. Ansonsten gibt es einfach Spiele, die in diesem Genre einen besseren Eindruck machen.

3

Befriedigend


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Über den Autor

Als Kind süchtig, als Jugendlicher ein Nerd und jetzt nur noch ein Liebhaber der Kunst der Videospiele. Adrian machte in seinem Leben alle Zyklen eines Gamers durch und war immer der Nintendo und der Sony Konsolen treu. Seine Stärke sind Sportspiele. Aber einem guten Spiel aus anderen Genres ist er nie abgeneigt. Häufigster Spruch beim Spielen: Schleichen kann man, wenn man tot ist.



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