Testlabor Disney Infinity

Veröffentlicht am 17. Oktober 2013 von Corina Ulmann

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Disney Infinity

Ich mag die Disney-Produkte. Sowohl die Filme als auch die Spiele. Nicht nur das ich schon aus Prinzip eigentlich jeden Streifen im Kino schauen gehe, nein ich finde in der Regel auch die Spieltitel gar nicht mal so übel. Disney Universe war zwar im Multiplayer sehr chaotisch, dennoch gefiel es mir irgendwie. Und mit einer wirklich positiven Einstellung ging ich auch den neusten Titel Disney Infinity an.

Wir müssen es nicht verheimlichen. Disney Infinity ähnelt dem Prinzip von Skylanders enorm. Spielfiguren, die auf ein Portal gestellt werden, erwachen in einer Spielwelt zum Leben. Dabei bieten diverse Spielwarengeschäfte unterschiedliche Figurenpacks und Extras an. Identisch ist es auch bei Disney Infinity, wobei es einzelne Punkte gibt, die es von dem erfolgreichen Skylanders unterscheidet.

Punkt 1: Die Story
Anders als bei den Skylanders bestreiten die Disney-Helden keine Mission, in der es gilt einen Bösewicht zu besiegen, sondern jeder Film beinhaltet sozusagen sein eigenes Spiel. Im Starterpack ist neben dem Spiel je eine Figur aus Fluch der Karibik, Die Unglaublichen und der Monster Universität vertreten, davon besitzt jede ein eigenes Level mit Herausforderungen. Werden zusätzliche Figuren aus anderen Filmen, beispielsweise aus Cars oder Lone Ranger gekauft, so verfügen auch diese über ihr eigenes Spiel im Game. Jede Marke hat sozusagen sein eigenes Reich mit eigenen Challenges und Missionen, die ungefähr vier bis sechs Stunden Spielzeit mit sich bringt. Diese sind selbst für die angesprochenen Zielgruppen nicht wirklich eine Herausforderung und für ältere Spieler erst recht nicht. Wer sich durch diese Storys kämpft, erhält am Schluss einige Belohnungen. Dies ist jedoch nicht das Hauptmerkmal von Disney Infinity. Was mich gleich zu Punkt 2 bringt.

Punkt 2: Die Spielwiese
Disney Infinity kann als eine grosse Spielwiese mit einer Spielzeugkiste ohne Boden betrachtet wird. Was Disney Infinety von Skylanders unterscheidet, ist die ToyBox. Die ToyBox bietet gross wie klein ein Spielzimmer in virtueller Form, wobei es weder an Physik noch an Möglichkeiten mangelt. Die einzelnen Missionen der unterschiedlichen Figuren dienen schlussendlich nur für eines, nämlich mehr Objekte für die ToyBox freizuschalten, damit den Möglichkeiten noch weniger Grenzen gesetzt sind. Was gebastelt wird, steht dem Spieler frei zur Auswahl, es gibt weder Vorschriften noch Regeln, an die sich jemand halten muss. Dies hat natürlich nicht nur Vorteile.
Der wohl grösste Schwachpunkt der ToyBox sind die Möglichkeiten, die einem zur Verfügung stehen. Ich meine, Disney Infinity soll in erster Linie nicht Erwachsene ansprechen, die in Minecraft ein Herr der Ringe Schloss 1:1 massgetreu nachbauen, sondern Kinder, die eine sehr lebhafte Fantasie haben. Ein Klötzchenturm oder eine Hütte aus Legosteinen kann jeder bauen, das ist aber wohl eher der Anfang, was die ToyBox beinhaltet. Welches Kind will lieber ein Land erschaffen, in dem Punkt A Effekt B auslöst, so dass Tür C öffnet, damit Falle D zuschnappen kann, anstatt wie üblich mit der Lieblingsactionfigur dem Bösewicht in den Hintern zu treten?

Punkt 3: Der teure Multiplayer
Ein weiteres Merkmal, das Disney Infinity von Skylanders unterscheidet, ist der offline Multiplayer. Eigentlich wäre die Umsetzung ganz simpel: Man stelle zwei Figuren auf das Portal, wodurch sich diese ins Spiel teleportieren. Danach wählt der Spieler das Level eines der beiden Charaktere aus und bestreitet gemeinsam das Abenteuer, um die Objekte für die ToyBox beschaffen zu können. Nichts da. Um bei Disney Infinity die jeweiligen Herausforderungen zu zweit bestreiten zu können, muss ein zweiter Charakter vom gleichen Film gekauft werden. Um bei allen drei Starterfiguren auch im Multiplayer agieren zu können, muss der Spieler also drei weitere Figuren besorgen, die alles andere als preiswert sind. Eine Figur kostet, je nach Anbieter, rund CHF 17.-/ € 10. Ihr seht selbst, bei drei Figuren macht dies bereits über CHF 50.- / € 30.- aus und wird ein neues Playset mit einer neuen Figur aus einem andern Film gekauft, werden für das wieder CHF 40.- / € 30.- verlangt. Ein sehr teuer Spass, der sich nicht jede Famillie leisten kann. Bis jetzt, und mein Review kam echt nicht wirklich früh, gibt es erst zwei weitere Playsets zu kaufen, Cars und Long Ranger. Wann andere wie Toy Story, Ralph reichts oder Phineas & Ferb erscheinen, ist noch nicht bekannt.

Wer Disney Infinty online im Multiplayer spielt, profitiert davon, dass jeder Spieler die drei Startfiguren besitzen und somit kann auch zu zweit in einem Land gespielt werden.

Obwohl Disney Infinity Skylanders im Grundkonzept ähnelt, unterschieden sich die beiden Titel in nahezu jedem Bereich. Bis auf den Punkt, dass der Hersteller der beiden Titel massig viel Geld mit den Zusatzverkäufen der Figuren machen kann, sind es zwei unterschiedliche Spiele mit unterschiedlichen Zielen.

Noch was…
Nun fertig mit den negativen Schwingungen, nicht alles was Disney Infinity zu bieten hat ist schlecht. Wie oben angesprochen gibt es in Disney Infinity nahezu keine Grenzen was die Möglichkeiten betreffen und all diejenigen die in Minecraft nicht nur eine viereckige Blockhütte zu stande bekommen, werden mit Disney Infinity bestimmt ihren Spass haben. Die Herausforderungen der einzelnen Figuren sind für diese zwar etwas langweilig, dafür können die sich auf der grossen Spielwiese so richtig austoben und ihr eigenes Spiel kreieren.

Grafisch sieht Disney Infinity wirklich schön aus und kann überzeugen. Wie detailliert die einzelnen Level sind, liegt schlussendlich beim Gestalter. Auch die akustische Begleitung muss niemand runter drehen, da auch die Synchronisation gar nicht einmal so schlecht ist. Und wer auch über das nötige Kleingeld verfügt wird es nicht bereuen, da die Figuren überaus schön sind und sich auch in der Sammlung im Regal nicht schlecht machen.

Fazit

Die ersten zehn Minuten und die Einführung ins Spiel sind gigantisch und sorgen dafür, dass man unbedingt weiterspielen und seine Kreativität freien Lauf lassen möchte. Leider werden diejenigen etwas enttäuscht, welche auf ein spannendes Abenteuer mit seinen Lieblingscharakteren aus dem Hause Disney hoffen, denn Disney Infinity ist kein Adventure, sondern ein grosser Baukasten. Die Zielgruppe, die Disney mit dem Spiel anspricht, ist eindeutig zu klein, um mit den vielen Möglichkeiten zurecht zu kommen. Selbst erfahrene Spieler müssen sich zuerst etwas einarbeiten, da nicht wirklich viel erklärt wird. Etwas enttäuschend ist zudem der offline Multiplayer, da bei diesem zusätzliche Figuren nötig sind, die dann doch sehr teuer sind. Die Spieler dürfen Disney Infinity nicht mit Skylanders vergleichen, da diese beiden bis auf das Sammeln unterschiedlicher Figuren, nichts miteinander gemeinsam haben. Wer seine Fantasie und Kreativität bereits bei Minecraft ausgelebt hat und nun eine neue Herausforderung sucht, der sollte einmal einen Blick auf Disney Infinity werfen. Nun müssten nur endlich neue Figuren erscheinen.

75%

LEGO für Fortgeschrittene


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Über den Autor

Zockt seit der Kindheit auf allem, was ein paar Knöpfe und ein Steuerkreuz hat. Besondere Vorlieben ist alles was Spass macht. Von der Plastikgitarre bis zum coolsten Shooter wird dabei nichts ausgelassen. Alles wird probiert. Gamet seit der GameBoy auf den Markt gekommen ist und ist seit 2006 Mitglied des GameCity Teams. Gaming Motto: Erst zocken, dann urteilen!



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