Testlabor Dr. Kawashimas Körper- und Gehirnübungen

Veröffentlicht am 4. März 2011 von Michel Blind

0

Dr. Kawashimas Körper- und Gehirnübungen

Als vor fast fünf Jahren Dr. Kawashimas Gehirn-Jogging für den Nintendo DS auf den Markt kam, hätte wohl kaum jemand mit so einem grossen Erfolg gerechnet. Das Spiel, das unser geistiges Alter anhand von Übungen und Rätseln ausrechnet, verkaufte sich millionenfach auf der ganzen Welt und ist bis heute sogar eines der meistverkauftesten Spiele für den Nintendo DS überhaupt. Logisch also, dass auch ein zweiter Teil nicht lange auf sich warten liess. Nun feiert der berühmte Neurologiewissenschaftler sein Debüt aber auf der Xbox 360 und soll uns dank der Unterstützung von Kinect noch besser Auskunft geben, wie es gerade so um unser Gedächtnis und unsere Reaktionsfähigkeit steht. Entspricht der Titel aber auch den Erwartungen und kann er in die Fussstapfen der Vorgänger treten?

Ihr Alter beträgt…
Obwohl die beiden DS Versionen durch Nintendo entwickelt und herausgebracht worden sind, hat sich der Publisher Namco Bandai für die Konsolenvariante die Rechte sichern lassen. Bereits der erste Blick auf Dr. Kawashima verrät, dass er sich einem Facelifting unterzogen hat und nun eher den Xbox Avataren gleicht, die übrigens auch in diesem Spiel zum Einsatz kommen. Wie zu erwarten, müssen wir als aller Erstes den offiziellen Gehirnfitnesstest absolvieren, indem wir drei zufällig ausgewählte Aufgaben so gut, und vor allem so schnell wie möglich erfüllen. Haben wir die erschreckende (oder sogar positive) Auswertung vorliegen, geht es ans Training. Das Ziel ist dabei dasselbe wie in den Handheld-Versionen: Jeden Tag ein wenig besser werden.

Gastrolle der gelben Kugel
Eins steht fest, ein gesundes Alter im Gehirnfitnesstest muss sich erst hart erkämpft werden. Vor allem zu Beginn ist es gut möglich, dass uns Kawashima ein Alter von gut einem halben Jahrhundert mitteilt. Das können wir so nicht auf uns sitzen lassen, wer bitteschön möchte jetzt schon zum alten Eisen gehören? Zum Glück listet das Spiel in einem separaten Menüpunkt alle Übungen einzeln auf, wobei die Fortgeschrittenen- und Profilevel erst durch gute Leistung freigeschaltet werden müssen. Die insgesamt 20 Minispielübungen verteilen sich auf die Kategorien Reflexe, Logik, Gedächtnis, Motorik, sowie Mathematik. Der gute Mix aus Spass, Denken und Bewegung sorgt für viel Abwechslung und lassen auch gleich erste Suchterscheinungen aufleuchten. So müssen wir mit Händen und Füssen die Mäuse, die aus den Röhren schauen, schlagen, aber dürfen unter keinen Umständen die mit den fiesen Stacheln berühren. Bei einem Mathespiel müssen wir früh erkennen, welche der vier Bomben zu erst abläuft und diese durch Berühren entschärfen. Natürlich liess es sich Namco Bandai nicht nehmen, seine gelbe gefrässige Kugel namens Pac-Man ins Spiel zu bringen. Während wir auf der rechten Seite Pac-Man mit unserer Hand vor den Geistern wegbewegen, müssen wir zu unserer Linken mit unserer anderen Hand die Frucht permanent berühren. Um das zu meistern, braucht es jedenfalls viel Konzentration und eine ruhige Hand. Bei allen Übungen kommt Kinect wunderbar zum Einsatz und funktioniert auch so. Bei einer blöden Bewegung kann es natürlich schon mal sein, dass es eine falsche Antwort auswählt, aber mit etwas Übung legt sich das mit der Zeit.

Der Statistikwahnsinn
Bei erfolgreich absolvierten Übungen freut sich dieser nette Dr. Kawashima mit uns oder gibt uns aufmunternde Worte bei einer miserablen Leistung. In Petto hat er auch dieses Mal wieder viele seiner Erklärungen zu unseren Gehirnfunktionen. Leider wiederholt er diese so oft, dass wir ihn früher oder später kaum noch wahrnehmen. Bei den Statistiken sieht das allerdings anders aus. Hierfür gibt es eine eigene Rubrik, in der wir alle Infos zu unseren Leistungen erhalten, die uns interessieren könnten. Sei es die Verbesserungsgrafik, Highscores oder in welchen Bereichen wir noch die grössten Schwächen haben.

Gruppentraining
Ein Mehrspielermodus in dem man Rechnen, Denken und sich dazu Bewegen muss? Nicht gerade eine grosse Hilfe seine Freunde vom Sofa wegzulocken und sie dafür zu begeistern. Zum guten Glück machen bei Dr. Kawashima die meisten eine Ausnahme und so können bis zu vier Spieler an einem kurzen Turnier teilnehmen. Gespielt wird prinzipiell nacheinander, wobei manchmal auch zwei Spieler gleichzeitig um ihr junges Alter antreten dürfen. Da die Arme öfters ruckartig ausgestreckt werden müssen, empfiehlt es sich genügend Platz im Wohnzimmer freizumachen, damit auch wirklich niemand beim Grübeln gestört wird. Aufgebaut ist das Turnier wie eine TV-Show, die allerdings recht unspektakulär wirkt und mit zu wenig Minispielen daherkommt. Verstecken muss sich der Mehrspielerteil wegen dem aber trotzdem nicht, mit Freunden wird es immer was zu Lachen geben und der Drang besser als seine Freunde zu sein ist gut spürbar.

Absolut schwache Präsentation
Seien wir mal ehrlich, bisher konnten Dr. Kawashimas Spiele nicht gerade durch schöne Effekte glänzen. Die Präsentation war stets zweckgemäss und wurde auf dem Nintendo DS so hingenommen. Bei der Umsetzung für die Xbox 360 hätte man aber gewiss mehr daraus machen können und das Ganze mit schönen Animationen oder Effekten unterbinden. Was uns hier erwartet, wäre gerade mal für einen Arcade Titel akzeptabel. Die Xbox Avatare sind eigentlich der grafische Höhepunkt und sogar diese nerven mit ihrem Dauergrinsen im Gesicht. Das gleiche gilt für die Soundkulisse, die mehr als schlecht ist. Dr. Kawashima bekommt nicht mehr als ein „Okay“ oder „Mal sehen“ aus seinem Mund, der Rest muss selbst nachgelesen werden. Ausserdem können die Tutorials nicht ausgeschaltet werden und müssen somit jedes Mal erneut durchgegangen werden. Für einen Vollpreistitel, Kinect hin oder her, erwarten wir auch ein Game mit einer anständigen und zeitgemässen Optik, bei dem wir uns nicht schämen müssen es unseren Freunden zu zeigen.

Fazit

Singleplayer
Multiplayer
Gameplay
Motivation
Grafik
Audio

Natürlich erinnere ich mich noch an den Klassiker auf dem DS. Zu Beginn habe ich es noch täglich gespielt, mit der Zeit liess es dann aber nach und heute liegt das Spiel irgendwo in einer Aufbewahrungsbox in meinem Regal. Zeit also für neue und knifflige Übungen, die hoffentlich mein (junges) Gehirn wieder in die Gänge bringen werden. Enttäuscht wurde ich definitiv nicht, das Spiel bietet die gewohnten Funktionen und die Minispiele konnten wirklich überzeugen. Abstriche müssen allerdings bei der Grafik und dem Sound gemacht werden, hier befindet sich das Spiel auf den untersten Rängen was derzeit so für Kinect erhältlich ist. Wer über dies hinwegsehen kann, sollte hier getrost zugreifen und seinem Gehirn etwas Gutes tun.

1.9


Weitere Beiträge zum Thema: , ,


Über den Autor

Besitzt fast jede gängige Konsole, verbringt aber die meiste Zeit vor seinen Nintendo-Geräten. Er sammelt Pokébälle und jeden Mist, den man in versteckten Truhen findet. In Racing-Games, besonders in Mario Kart, macht ihm keiner was vor. Deckt sich wie verrückt mit Figuren aus der Gamewelt ein, mit starker Auswirkung auf sein Portemonnaie. Motto: Still Alive! (PSN: Benjiix4 / WiiU: Benjiix)



Back to Top ↑