Testlabor Dragon Age: Origins

Veröffentlicht am 10. Dezember 2009 von Cornelia Zogg

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Dragon Age: Origins

Dragon Age: Origins ist nicht nur den PC-Spielern vorbehalten. BioWare veröffentlichte den Titel auch auf die Xbox360 und die PlayStation 3. Gleiches Spiel, andere Plattform könnte man meinen, doch stimmt das? Tastatur weg und ran an die Controller.

Gut gegen Böse

Ich gehöre zu den Guten. Selbstverständlich! Das Königreich von Ferelden wird von der Dunklen Brut heimgesucht und meine Aufgabe ist es, die Welt zu retten. Ziemlich 08/15 aber trotzdem hat das Spiel etwas, dass sich eindeutig von einem einfachen RPG abhebt. Eine Welt erwartet mich, mit verschiedenen Völkern, verschiedenen Ländereien und vor allem mit vielen verschiedenen Entscheidungsmöglichkeiten.

Denn die Entscheidungsfreiheit endet hier nicht nach der Charaktereinstellung. Ich bewege mich durch eine Welt voller Möglichkeiten. Jede meiner Entscheidungen – und sei sie auch noch so klein – birgt Konsequenzen, die sich manchmal sofort, manchmal erst viele Spielstunden später offenbaren. Aber anders als in Fable wird hier nicht mit dem Mahnfinger auf mich gezeigt, wenn ich statt den besessenen Adelssohn zu exorzieren die Entscheidung treffe, ihn zum Schutz aller einfach umzulegen.

Diebstahl? Egal.

Einzig und allein Ausrauben kann ich, ohne das es irgendwen zu stören scheint. Das erscheint in Anbetracht der Tatsache, dass ansonsten alles im Spiel in irgendeiner Form Auswirkungen hat, doch etwas befremdend. Hier haben die Entwickler von BioWare scheinbar etwas übersehen. Trotzdem überzeugt die Story. Nicht durch den mehr als deutlichen Herr der Ringe – Abklatsch, aber durch die zahlreichen Möglichkeiten die es schaffen, die Spannung von Anfang bis zum Schluss zu halten. Mitunter natürlich auch die Konsequenzen.

Kampfsystem etwas „gefährlicher“

Herzstück des Kampfsystems der PC-Version ist die aus Titeln wie Baldur’s Gate bekannte Pausen-Funktion mit der Möglichkeit, in die Vogelperspektive zu wechseln. Dies erlaubt mir, mit wunderbarer Übersicht, meinen Gefährten Befehle zu geben und sie unter anderem an einen gewissen Ort per Mausklick hinzudirigieren.

Die Pausenfunktion wurde auch in der Konsolen Variante beibehalten, doch leider die Vogelperspektive nicht. Man steuert also das komplette Kampfgeschehen aus der Schulterperspektive eines der 4 Party Teilnehmer (frei wechselbar).

Dies hat zur Folge, dass sich das Kampfgeschehen wesentlich weniger taktisch gestaltet, und eher Action-lastiger wirkt. Probleme entstehen v.a. in der mangelnden Übersicht, wie auch der sehr mühsamen Art Charaktere zu positionieren. Denn anstatt einfach per Maus zu sagen ‚du lauf dahin und du da’ muss ich nun um jemand zu platzieren diese Person selbst steuern und an den gewünschten Ort laufen – wohlgemerkt während der Kampf weiterläuft.

Praktisch ist, dass auch bei der Konsoleversion an einen Schnellzugriff gedacht wurde – beispielsweise auf Magieattacken. Während man in der PC-Version auf jeden Zauber mittels einer Taste zugreifen kann, stehen auch bei der Konsoleversion sechs Slots zur Verfügung. Diese können während des Kampfes mit einer Schnelltaste angewählt werden. Allerdings müssen alle weiteren Zaubersprüche / Tränke / etc., die nicht in den Slots platziert sind, mühsam während des Kampfes im Menü herausgesucht werden.

KI: Ihr Freund und Helfer – meistens

Die KI’s handeln selbstständig und meistens auch ziemlich klug. Aber manchmal muss man eingreifen. Beispielsweise wenn meine Bogenschützin plötzlich auf die Idee kommt, in den Nahkampf über zu gehen. Mit dem Bogen versteht sich! Dann muss ich ihre Steuerung kurz übernehmen. Aber: Das tut dem Spielspass keinen Abbruch. Die Kämpfe wirken so etwas actionreicher, aber im selben Atemzug weniger strategisch, als bei der PC-Version. Allerdings besteht die Möglichkeit, die verschiedenen Charas wie in Final Fantasy XII einzeln zu programmieren.

Gespräche sind erwünscht

Witzig an den einzelnen Gruppenmitgliedern sind sicher die spontanen Dialoge. Da sogar die Interaktionen und Beziehungen untereinander beeinflusst werden können, kann es vorkommen, dass sich zwei Gefährten aufs Blut nicht ausstehen können. Das war bei mir der Fall und die Beiden haben sich während meiner Reise ständig Beleidigungen und Sticheleien an den Kopf geworfen. Oder umgekehrt: Auch Liebschaften liegen durchaus im Bereich des Möglichen.

Die Synchronisation – wie auch der Soundtrack – sind einfach perfekt gelungen. Hier hat man tatsächlich das Gefühl, dass richtige Schauspieler für die zahlreichen Sprechrollen engagiert worden sind, was natürlich noch mehr zum Game-Feeling beiträgt. Jede Antwort auf jede meiner Fragen (oder Antworten) ist gesprochen und vorbereitet. Wenn man bemerkt, wie viele Antwortmöglichkeiten bei jedem noch so unwichtigen Dorfbewohner bereit stehen, eine beachtliche Leistung.

Auf der Suche nach der Schadensleiste

Beim Kampf ist die Steuerung in einem Punkt etwas unlogisch. Ich kann mit meinem Zauber direkt auf einen riesigen Gegner (Grösse Bildschirm) zwei Meter vor mir zielen und loslegen, aber es geht trotzdem daneben. Warum? Die Schadensleiste ist nicht angezeigt worden was soviel heisst wie: Leider nein! Also drehe und wende ich den Joystick so lange, bis irgendwo ganz klein die Schadensleiste ersichtlich ist. Das Spiel wird zwar automatisch während dem auswählen gestoppt, aber der Spielfluss leidet etwas unter der Sucherei.

Pop-ups und wenig Freiheit

Wie auch in der PC-Version ist die Welt in der Konsoleausgabe nicht frei begehbar. Die einzelnen Abschnitte sind vorgegeben, die Wiesen und Wälder durch unsichtbare Grenzen eingeschränkt. Trotzdem. Die Welt ist riesig und dass man nicht zu Fuss von einer Stadt zur anderen latschen muss, kann manchmal auch ganz bequem sein. Vor allem da die einzelnen Abschnitte an sich bereits riesengross sind.

Bei der Grafik müssen bei der Konsoleversion einige Abstriche gemacht werden. Dazu gehören matschigere Texturen, weniger Details, aber auch die Pop-ups. Während ich einen Waldrand entlang schlendere ploppen die Bäume am Horizont förmlich in die Landschaft. Genauso in Städten. Da kann der Dorfplatz wie leergefegt sein und kaum gehe ich einen Meter weiter tummeln sich dort Orks im Überfluss. Trotzdem sind auch hier die einzelnen Gebiete detailliert ausgearbeitet und es macht Spass, sich in dieser Welt zu bewegen.

Fazit

Singleplayer
Gameplay
Motivation
Grafik
Audio

Dragon Age: Origins überzeugt auf der ganzen Linie. Die Story mag zwar etwas 08/15 geraten sein, doch die zahlreichen Entscheidungsmöglichkeiten machen jedes Spiel zu etwas einzigartigem. Man spielt die Story und schaut nicht nur zu! Das Kampfsystem ist bei der Konsoleversion etwas komplizierter geraten, da das Platzieren der Charaktere in der Vogelperspektive wegfällt. Die Charaktere müssen während des Kampfes nacheinander platziert werden, was diese Manöver etwas gefährlicher gestaltet. Die Grafik kann leider mit der PC-Version nicht mithalten. Vor allem die Pop-ups wirken irritierend. Aber auch das etwas andere Kampfsystem und die kleinen Abstriche in der Grafik stören nicht im Geringsten. Das Spiel ist ein absoluter Toptitel und garantiert viele Stunden epischen Spielspass!

3.8

Sehr gut


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Über den Autor

Hardcore-Zockerin und Sony/Nintendo Fangirl der ersten Stunde. Vorwiegend anzutreffen beim Zocken von RPGs und allem, was aus dem Reich der aufgehenden Sonne kommt. Gamerin seit 20 Jahren – Teil des GameCity Teams seit 3 Jahren. Häufigster Spruch: „Shit! Inventar voll…“



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