Testlabor DriveClub

Veröffentlicht am 18. Oktober 2014 von Michel Blind

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Driveclub – Das Desaster auf der Strasse

Driveclub hätte DAS Rennspiel für die PlayStation 4 werden sollen und hätte vor allem mit den Social Features gepunktet. Zwei Releaseverschiebungen später, stellt man fest, dass wohl beides davon in die Hose ging. Anstatt wie erwartet auf ein lebhaftes und motivierendes Rennspiel zu treffen, findet sich Driveclub in der Sparte Einheitsbrei wieder. Der Aufbau ist wie von gestern, von Event zu Event ist es eure Aufgabe Rennziele zu erfüllen, um dadurch neue Veranstaltungen freizuschalten. Gelegentlich trifft ihr auf Turniere, die allerdings kein Zack innovativer sind. Kein bisschen Herzrasen, wie ich das schon bei so manch anderen Rennspielen erleben durfte – meine Gesundheit dankt! Bevor ihr überhaupt so weit kommt, muss der eigene Fahrer personalisiert werden, wobei personalisiert hier ziemlich weit hergeholt ist. Mann oder Frau, ein paar Köpfe zur Auswahl, wenige Kleiderstile und das war’s auch schon. Okay wir sind hier nicht bei Die Sims, aber weshalb überhaupt ein Charakter erstellt werden muss, ist mir bis jetzt ein Rätsel, denn abgesehen von den kurzen Einblendungen vor dem Rennen hat er für das ganze Spiel keine Bedeutung. Mit mehr als 50 Strecken und fünf verschiedenen Locations fällt der Umfang gerade noch passabel aus, bei den Autos hätten die Entwickler aber gerne ein bisschen aufstocken dürfen, unter den rund 50 Autos ist kein einziges aus Japan zu finden.

Viele Mercedes-Benz Flitzer, ganz im Gegensatz zu Autos von anderen Marken…

Rennspielsimulation oder Arcade?
Diese Frage stelle ich mir ständig und finde einfach keine Antwort darauf. Irgendwie trifft beides zu und doch nicht wirklich. Für ein Arcaderennspiel ist Driveclub viel zu trocken und bietet zu wenig Freiheiten. Damit beziehe ich mich auf die nicht existierende Open-World sowie die Möglichkeit zu tunen. Darüber hinaus gibt es keine Takedowns und ein fetziger Soundtrack während den Rennen sucht man ebenfalls vergeblich. Es wäre allerdings auch eine Frechheit zu behaupten, Driveclub sei eine Rennsimulation, denn was diese aggressiven Gegner an einem auslassen, ist unter aller Sau und trägt dazu bei, dass der Spieler erst gar nicht versucht korrekt und schön zu fahren. Spätestens zu diesem Zeitpunkt nimmt man die idiotischen Strafsekunden wahr, die bei unschönem Fahren ausgesprochen werden. Für alle, die sich mittlerweile an die etablierten Rückblenden in Rennspielen gewöhnt haben, kommts hier hart auf hart. Zurückspulen könnt ihr jedenfalls nicht, im schlimmsten Fall wird euer Auto nach drei Sekunden zurück auf die Strasse gesetzt und der Albtraum beginnt von vorne.

Getäuscht! Bislang gibt es kein Regen in Driveclub…

Ach es gibt einen Online-Modus?
Ein Jahr mehr hatten die Entwickler zur Verfügung, um stabile Server auf die Beine zu stellen. Haben sie geschlafen? Ich weiss es auch nicht, jedenfalls war der Release von Driveclub, was die Server betrifft, eine absolute Katastrophe. So schlimm, dass sich Sony und die Entwickler dazu entschieden haben, die PlayStation Plus Edition von Driveclub auf unbestimmte Zeit zu verschieben. Für jene, die das Spiel zum Vollpreis gekauft haben, ist dies allerdings nur ein schwacher Trost. Während des Tests war es mir nur einmal möglich, mich mit den Servern zu verbinden und einen Club zu erstellen. Stimmt ja, ursprünglich war genau dieses Feature der “Kaufgrund” von Driveclub. Es ist jammerschade, dass ein interessantes Spielprinzip, dass voll und ganz auf die Konnektivität zwischen Spielern abzielt, so zu nichte gemacht wird. Würde das ganze nämlich funktionieren, können sich maximal sechs Spieler in einen Club zusammen tun und gemeinsam an ihrem Club-Auftritt als auch am Club-Levelaufstieg arbeiten. Selbsterstellte Lackierungen können den Clubmitgliedern zur Verfügung gestellt werden und das individuell gestaltbare Wappen ist das Aushängeschild jeder Crew. Mit einem höheren Clublevel lassen sich weitere Symbole freischalten. Die Punkte sammelt ihr auch während den Einzelspielerrennen, somit ist also jeder im Team gefragt – vorausgesetzt die Serververbindung kommt zustande.

Tag, Nacht und bislang kein Regen
Eigentlich dachte ich, dass sobald wir in der Next-Generation angekommen sind, ein wechselndes Wettersystem ein normaler Bestandteil von Rennspielen sein wird. Denkste, denn in Driveclub fällt zu keiner Zeit ein Tropfen vom Himmel – das spart sich Petrus dann doch lieber für unsere Sommer auf. Gemäss den Entwicklern soll sich aber bei dem Wettersystem mit Updates noch einiges tun, warten wir’s mal ab! Findet ein Rennen gegen Abendämmerung statt, gehört ein ordentlicher Sonnenuntergang selbstverständlich dazu, was mit der späten Abendsonne auch ziemlich schön aussieht. Allerdings geht der Wechsel in die Dunkelheit teilweise in wenigen Sekunden von statten, dass man aufpassen muss, nicht die Orientierung zu verlieren. Trotz gelungener Cockpitansicht, wirkt die Grafik gesamthaft betrachtet steril, glanzlos und hinterlässt irgendwie auch kein ganz zufriedenes Gefühl. 

Fazit

Leute, spart euch das Geld. Driveclub ist keinen Rappen wert gespielt zu werden. Selbst wenn die Server im Test nicht ständig abgeschmiert wären, hätte das Rennspiel keine gute Note verdient. Der Aufbau ist so staubtrocken, dass einem wortwörtlich die Spucke wegbleibt. Rennen für Rennen die gleichen nervtötenden KI, die man wohl besser nochmals die Fahrschule absolvieren lassen sollte, bevor man sie auf die Strasse rumkurven lässt. Neben der netten, wenn auch nicht herausragenden, Idee Clubs zu gründen, ist die Grafik wohl das einzige, was man an dem Spiel wirklich loben kann. Aber auch in diesem Aspekt werden keine neuen Massstäbe gesetzt, also erwartet nicht zu viel. Noch besser, ihr habt überhaupt keine Erwartungen an Driveclub, falls ihr euch das Spiel trotzdem zulegen möchtet.

50%

Rennspiel ohne Spass und Glanz


Leserwertung: 2.2

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Über den Autor

Besitzt fast jede gängige Konsole, verbringt aber die meiste Zeit vor seinen Nintendo-Geräten. Er sammelt Pokébälle und jeden Mist, den man in versteckten Truhen findet. In Racing-Games, besonders in Mario Kart, macht ihm keiner was vor. Deckt sich wie verrückt mit Figuren aus der Gamewelt ein, mit starker Auswirkung auf sein Portemonnaie. Motto: Still Alive! (PSN: Benjiix4 / WiiU: Benjiix)



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