Testlabor F1 2011

Veröffentlicht am 1. November 2010 von Adrian Dermon

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F1 2010

Vor einigen Jahren erschien das letzte Formel 1 Spiel exklusiv für die PS3, da Sony die offizielle Lizenz hatte. Seit 2008 haben die Jungs von Codemasters die offizielle F1-Lizenz und brachten schon letztes Jahr ein Formel 1 Titel für die Wii raus. Mit F1 2010 erschien nun die Version für PS3 und Xbox360. Da Codemaster ihr Talent mit Rennspielen schon oft mit Titeln wie Dirt 2 bewiesen, wusste man, dass sicher ein gutes Spiel auf uns zukommt. Doch reicht es auch für den ersten Platz?

Mittendrin
Schauen wir uns das Spiel doch näher an. Schon der Start des Spiels überrascht sofort. Statt nämlich ein schnödes Menü angezeigt zu erhalten, findet ihr euch mitten in einer Pressekonferenz wieder. Eine Reporterin stellt euch dann verschiedene Fragen, mit deren Beantwortung ihr euren Namen und den Schwierigkeitsgrad angebt. Dies ist eine sehr gute Idee und wurde auch sehr atmosphärisch umgesetzt. Nur die Frage nach dem Geschlecht, fand ich ein wenig komisch, da dies bei einer echten Konferenz wohl für Kopfschütteln sorgen würde. Habt ihr alle Fragen beantwortet geht es ab ins Menü. Wie schon bei Dirt 2 ist das Menü etwas Besonderes, denn auch in F1 2010 sind die Menüpunkte in die Spielwelt eingebettet. So tummeln sich im Hintergrund die Reporter und in eurem Wohnwagen startet ihr eine neue Session oder spricht mit eurer Agentin. Nette Idee: Nach jeder Rennsessions warten Reporter auf euch, denen ihr Rede und Antwort stehen dürft. Die Auswahl der Spielmöglichkeiten ist auf die wichtigsten Punkte begrenzt. Ihr wählt zwischen dem Karriere-, dem Grand Prix- und dem Multiplayermodus aus. Kernstück des Spiels ist der Karrieremodus.

Karrieremodus
Im Karrieremodus entscheidet ihr euch für ein Team und geht als Neuling im F1 Business an den Start. Am Anfang könnt ihr natürlich nur für eines der schwächeren Teams fahren. Im Gegensatz zur Realität habt ihr aber auch in einem Lotus Chancen auf einen Punkteplatz. Um auf zu steigen, müsst ihr bestimmte Ziele erfüllen, wie z.B. im Rennen besser als der 15. Platz zu sein. Umso besser ihr fahrt, desto mehr Aufmerksamkeit und neue Angebote bekommt ihr. Da die grösste Konkurrenz euer Teamkollege ist, müsst ihr nicht nur auf der Rennstrecke vorsichtig sein, sondern auch in den Interviews oder Pressekonferenzen. Diese können sich auf die Strecke auswirken. Leider wirken die meisten Interviews sehr langweilig und oft spürt ihr kaum einen Unterschied ob ihr jemandem dankt oder Schuld gebt. Da wäre mehr drin gewesen.

Auf der Rennstrecke
Das Wichtigste in einem Rennspiel sind natürlich die Rennen selbst. Hier kommt richtige Atmosphäre auf. So findet ihr euch vor dem Start in einem F1-Boliden in der Boxengasse und könnt die Daten der Rennstrecke und des Wetters anschauen. Danach bietet euch das Spiel verschiedene Möglichkeiten euer Fahrzeug anzupassen. So ist es natürlich ratsam bei Regen keine Trockenreifen zu verwenden. Die ganze Boxengasse ist animiert und zieht euch richtig rein. Bevor das Rennen los geht, gibt es nochmals einen coolen Kameraschwenk über die 24 Rennwagen. Nachdem die Lichter erloschen sind, drückt ihr aufs Gas und gebt Vollgas. Wer nun meint, dass er Arcademässig über die Piste fahren darf, der irrt sich. F1 2010 fängt die Steuerung der Wagen sehr gut ein. Ein später Bremser und man verpasst die Kurve oder fährt in einen anderen Wagen rein. Doch keine Angst, dank Fahrhilfen ist das Spiel für jeden schnell zugänglich. Dazu bietet es noch verschiedene Schwierigkeitsgrade. Diese unterscheiden sich jedoch nur von der Deaktivierung der Fahrhilfen sowie der Rückspulfunktion. Wie in Dirt2 habt ihr die Möglichkeit einen Fahrfehler oder einen Crash in der Wiederholung zurück zu spulen und es noch mal zu probieren. Je leichter die Schwierigkeitsstufe, desto mehr Versuche habt ihr. Das Spiel bietet zudem verschiedene Kameraperspektiven von der Heck- bis hin zur Cockpitansicht. Die Cockpitansicht ist wirklich gelungen und ihr habt echt das Gefühl in einem F1 Wagen zu sitzen. Wer längere Rennen fährt, muss auch in die Boxengasse, die sehr gut animiert wurde. Insgesamt fängt das Spiel das Rennfeeling sehr gut ein.

Einige Macken
Die Rennatmosphäre ist zwar gelungen, leider hat das Spiel auch einige Macken. So ist die Regelauswertung manchmal sehr komisch ausgelegt. Ein Beispiel: Der Fahrer vor euch bremst sehr früh und ihr berührt ihn nur ein wenig. In manchen Fällen sieht das Spiel dann schon eine Strafe vor. Fahrt ihr nun neben einem Gegner und drängt ihn ohne zu berühren von der Strecke und dieser fährt noch in eine Mauer bleibt dies ohne Strafe. Gelbe Flaggen für Unfälle gibt es zwar im Spiel, doch diese verschwinden innerhalb von Sekunden wieder. Eine Safety-Car Phase sucht ihr vergebens. Schnell bemerkt ihr aber auch, dass ihr nie alleine seid. Egal ob ihr eine perfekte Runde hinlegt oder sehr langsam fahrt, jemand ist immer knapp hinter oder vor euch. Wenn dann euer Boxensprecher euch mitteilt, dass der vor euch liegende 20 Sekunden Vorsprung hat, obwohl ihr gerade nur ein paar Meter hinter ihm fahrt, ist ein Schmunzeln kaum zurück zu halten. Auch die KI der Gegner ist nicht ohne Fehl und Tadel. Zwar fahren einige recht aggressiv und wiederum andere eher vorsichtig, doch auch sie haben Aussetzer. So überholt euch kaum ein Auto, wenn ihr mal in einer Kurve sehr langsam seid. Alle warten in einer Reihe bis ihr weiter fahrt um danach euch mit grösserem Tempo ein Kopf an Kopf Duell zu liefern. Da macht es natürlich schon mehr Spass gegen echten Kontrahenten zu fahren.

Nur Zwölf
Wie schon fast üblich gibt es auch bei F1 2010 nur einen Online-Multiplayermodus. Dieser bietet vier verschiedene Spielmodi an. Das Ganze macht natürlich mit echten Kontrahenten sehr viel mehr Spass. Leider nutzten die Entwickler nicht das volle Potential aus. Es dürfen nämlich nur zwölf Spieler gleichzeitig an einem Rennen teilnehmen. Die restlichen Fahrzeuge werden von der Computer KI gesteuert. Da ist für nächstes Jahr noch Luft nach oben.

Tolle Atmosphäre
F1 2010 hat zwar auch einige Schwächen, die Atmosphäre ist aber sicher keine davon. Das mittendrin Gefühl ist grossartig. Dazu kommt eine sehr gute Grafik und wunderschöne Boliden, die ihren realen Vorbildern sehr nahe kommen. Über alle Zweifel erhaben, sind die Regeneffekte. Die Regeneffekte gab es in dieser Qualität noch in keinem anderen Rennspiel. Doch auch hier gibt es ein Wehrmutstropfen. Das Schadensmodell ist leider nicht gerade toll. Die Boliden verlieren bei einem Aufprall schon mal den Frontflügel, es braucht dafür einen sehr starken Zusammenstoss. Und wenn auch einmal der Frontflügel weggeschlagen ist, macht das überhaupt nichts, denn ausser auf der höchsten Schwierigkeitsstufe fährt sich der Wagen dann immer noch ohne Probleme. Die Sounduntermalung ist ausser auf den Funksprecher sehr gut ausgefallen.

Fazit

Singleplayer
Multiplayer
Gameplay
Motivation
Grafik
Audio

F1 2010 ist wie erwartet ein wirklich gutes Rennspiel geworden. Es fängt das F1-Feeling fantastisch ein. Die Optik kann sich wirklich sehen lassen und man hat sofort das Gefühl mitten im Geschehen zu sein. Leider schafft es wegen einigen Macken nicht an die Spitze der Rennspiele. Grösstes Manko ist nämlich, dass es euch eigentlich nur vorspielt ein Rennen zu fahren. Denn die Rennergebnisse berechnet das Spiel am Ende des Rennens. Einem selbst lässt es die ganze Zeit dafür in actionreichen Kämpfen mit der Konkurrenz, was natürlich spassig ist. Somit gibt es noch genug Luft nach oben für das nächste Jahr. Trotzdem kann jeder Rennspielfan immer noch bedenkenlos zugreifen.

3.4


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Über den Autor

Als Kind süchtig, als Jugendlicher ein Nerd und jetzt nur noch ein Liebhaber der Kunst der Videospiele. Adrian machte in seinem Leben alle Zyklen eines Gamers durch und war immer der Nintendo und der Sony Konsolen treu. Seine Stärke sind Sportspiele. Aber einem guten Spiel aus anderen Genres ist er nie abgeneigt. Häufigster Spruch beim Spielen: Schleichen kann man, wenn man tot ist.



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