Testlabor Fable Anniversary

Veröffentlicht am 7. Februar 2014 von Cornelia Zogg

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Fable Anniversary

Albion hat mich wieder – nach geschlagenen zehn Jahren kehrt Microsoft mit dem ersten Ableger von Peter Molyneux’ RPG-Reihe zurück. Fable Anniversary lässt euch wieder in die Welt von Albion eintauchen und den Weg eines Helden einschlagen – oder eines Bösewichts. Fable legte damals den Grundstein für Rollenspiele, bei denen eure Entscheidungen relevant für den Spielverlauf sind. Zahlreiche Spiele folgten anschliessend dem Beispiel, darunter Dragon Age, Mass Effect oder Kingdoms of Amalur. Dieses Spielprinzip wird euch auch bei der aufgefrischten Version Fable Anniversary gleich von Beginn weg eingebläut. Eure erste Entscheidung ist es, ob ihr den betrügenden Ehemann hinter dem Häuschen im kleinen Dorf Oakvale bei der Ehefrau verpfeifen wollt, oder ob ihr das Schmiergeld annehmt und schweigt. Als Kind in eben diesem kleinen Dorf beginnt eure Reise. Während ihr erste Entscheidungen trefft, ist das Kampfsystem und das eigentliche Handling des Spiels weit weg – Priorität haben eure Entscheidungen. Erst etwas später werdet ihr im Kampf unterwiesen, als ihr der Heldengilde beitretet. Eure Ausbildung zieht sich dabei über mehrere Jahre hinweg, bis ihr schliesslich als stattlicher Jüngling im Auftrag der Heldengilde auf die Bewohner von Albion losgelassen werdet. Ab jetzt steht es euch frei, zu gehen, wohin euch euer gutes oder böses Herz trägt. Die Hauptstory ist dabei eher Nebensache. Denn das Wichtigste passiert zwischen den Zeilen – zwischen den Hauptquests. Wollt ihr den Menschen helfen? Euch bestechen lassen? Wollt ihr heiraten? Ein Vermögen anhäufen? In Immobilien investieren? Horrende Mieten von euren Mietern abziehen oder doch lieber der genossenschaftliche Ansatz mit Häusermieten zu Spottpreisen verfolgen? Seid ihr ein Player oder sucht ihr nach der grossen Liebe? Raubt ihr aus oder gebt ihr den Armen? Alles ist für euch offen und so macht es – nach einem etwas harzigen Einstieg bis es endlich los geht – unglaublich Spass, einfach in der Gegend euer “Unwesen” zu treiben. Ihr könnt euer Aussehen verändern, was wiederum Einfluss auf die Reaktionen der Menschen um euch hat. Ich bin meistens (zumindest im ersten Durchgang höhö) ein grosser Held, der jedem hilft, der darum bittet. Somit eigentlich ein strahlender Held. Aber meine Affinität zu nachtschwarzen Kapuzenrüstungen und Katana lassen diesen Eindruck manchmal nicht ganz so deutlich bei den Bewohnern ankommen. Wenn ihr euch also einschleimen wollt, greift doch auch einfach mal zur weissen Magierkutte!

Das alles dürfte aber für alteingesessene Albion-Helden alter Kaffee sein. Was hat sich also in den letzten zehn Jahren geändert? Optisch einiges. Das ganze Spiel erstrahlt nun in remastered Grafik und neuen Lichteffekten. Die Welt scheint allgemein irgendwie bunter, als ich sie in Erinnerung hatte. Soundtechnisch gibt es einige feinere Anpassungen und das Kampfsystem wurde überarbeitet und den Nachfolgern Fable 2 und 3 angepasst. Neu ist ebenfalls die Anbindung an SmartGlass – für alle, die ein dafür taugliches Smartphone oder Tablet verfügen. Darauf entdeckt ihr grössere Karten und versteckte Items. Achievements sind ebenfalls eingebaut und geben euch den nötigen “Anreiz”. Ich mag mich nicht mehr genau an die Menüstruktur der alten Version erinnern – Fakt ist aber: Sie ist komplex und verwirrend. Es dauerte ein bisschen, bis ich mich darin zurecht fand. Ebenfalls etwas unübersichtlich ist der Level-Bildschirm, bei dem ihr eure Skills verbessern könnt. Da stand zwar ein Preis für das nächste Level bei den verschiedenen Kategorien, aber irgendwie fand ich die Anzeige einfach nicht, wie viele Skillpoints ich denn eigentlich vergeben darf.

Albion selbst ist ein riesiges Gebiet. Gut gibt es da die Schnellreise. Ihr könnt einerseits alles zu Fuss erkunden und “ablaufen” oder eben später dann per Teleport von einer Ecke zur nächsten flitzen. Störfaktor bei der Reise: Die Ladezeiten! Es gibt viele einzelne kleinere Abschnitte bereits zu Beginn eurer Reise. Jedes mal wenn ihr einen neuen Abschnitt betretet, muss das Spiel laden. Und es lädt lange. Natürlich sind wir mittlerweile etwas verwöhnt, was die Ladezeiten im Allgemeinen betrifft, aber alle fünf Minuten warten ist schon etwas unangenehm. Ich bin da eher der Befürworter von lieber einmal lange laden und dann durchmarschieren als alle paar Minuten ein Zwangspäuschen aufgedrückt zu bekommen. Allerdings ist die Grösse der Welt durchaus beeindruckend. Damals und auch heute noch. Für damalige Verhältnisse ist Albion ein riesiges Gebiet, wie ich es zu der Zeit nur aus Japan-RPGs wie Final Fantasy gekannt hatte. So gibt es – wie bereits erwähnt – einiges zu entdecken und immer wieder Anreize, an frühere Orte zurück zu kehren.

Für Spieler mit Englischkenntnissen empfehle ich, das Spiel auf die englische Sprachversion umzuschalten. Deutsch ist zwar ganz nett, aber nur bei der englischen Version kommt ihr in den Genuss des für Fable üblichen britischen Humors und natürlich den zahlreichen Dialekten und Akzenten. In der Deutschen Version ist alles immer ein bisschen Einheitsbrei – gut gemacht zwar aber halt nicht ganz so mit dem nötigen Flair.

 

Fazit

Fable Anniversary lässt alte Erinnerungen bunter wieder aufleben. Die überarbeitete Version kann wirklich überzeugen und wird euch viele Stunden prächtig unterhalten. Ein kleines Muss für alle alteingesessenen Albioner und solche, die es noch werden wollen. Einzige Mankos: Das Handling des Inventars und Menüs ist etwas verwirrend und die Ladezeiten teilweise zu lange und vor allem - zu häufig. Trotz allem bietet Fable Anniversary gut bewährte Unterhaltung und lässt euch eure strahlende oder dunkle Seele vollends ausleben. Was steht euch besser? Teufelshörnchen oder Heiligenschein?

80%

Heiliger Balverine!


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Über den Autor

Hardcore-Zockerin und Sony/Nintendo Fangirl der ersten Stunde. Vorwiegend anzutreffen beim Zocken von RPGs und allem, was aus dem Reich der aufgehenden Sonne kommt. Gamerin seit 20 Jahren – Teil des GameCity Teams seit 3 Jahren. Häufigster Spruch: „Shit! Inventar voll…“



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