Testlabor Final Fantasy XIV Online

Veröffentlicht am 12. November 2010 von Cornelia Zogg

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Final Fantasy XIV Online

Ich war sehr gespannt und kribbelig auf den zweiten Online-Abstecher der Final Fantasy-Reihe. Nachdem das Spiel (endlich!) installiert und ich meinen Account erstellt hatte, startete ich in mein Abenteuer. Die Charaktererstellung ist sehr detailliert. Hier könnt ihr euch so richtig austoben und genau den Charakter erstellen, den ihr euch vorstellt. Von den Gesichtszügen über Augen- und Haarfarbe bis zur Grösse steht es euch frei, euren Avatar zu gestalten. Als Selen Moonflower – von der Rasse der Elezen und dem Volk der Dunkelalben – beginnt meine Geschichte an einem der drei frei wählbaren Orte. Ich wähle die Stadt Gridania. Umgeben von einem mysteriösen Wald ist die ruhige Stadt ein sehr friedliches Pflaster. Wer sich aber ohne die Erlaubnis oder die Gunst des Waldes in die Umgebung wagt, der landet früher oder später in ziemlichen Schwierigkeiten. So war es zumindest bis anhin. Denn neuerdings gehen seltsame Dinge im Wald von Gridania vor. Falls ihr es mehr mit Wüsten, anstatt mit düsteren Wäldern habt, so startet ihr ganz einfach eure Geschichte in Ul’dah, der Wüstenstadt, oder – wer etwas mehr Meer will – in Limsa Lominsa. Dort werdet ihr dann auch dementsprechend mit einer anderen Hauptstory konfrontiert.

Handarbeit! Nur wie?

Doch zurück nach Gridania. Nach der Einführung ging es los. Ich, als abenteuerlustige Kriegern, will mich natürlich sofort ins Getümmel werfen. Einfacher gesagt, als getan, denn der Weg dazu ist weit. Und steinig. Und irgendwie…  langweilig! In meinen ersten paar Stunden Final Fantasy 14 habe ich nichts anderes gekillt als Pilze und Erdhörnchen. Immer und immer wieder. Klar, ich starte mit gar nichts, aber dass es eine ganze Weile bei gar nichts bleibt, damit hatte ich nicht gerechnet. Auch wird man als Neueinsteiger ziemlich brutal und unwissend ins Geschehen geworfen. Während rund um mich alle mit stylischen Rüstungen, Klamotten und Waffen umher rennen, trage ich noch immer meinen Startlumpen. Warum? Weil es nirgends Waffen und Klamotten zu kaufen gibt. Aber es gibt die Marktstände der Gilden. Dort kann ich beispielsweise Nadel und Faden kaufen. Oder bei der Schmiedegilde erstehe ich einen Amboss und ein paar Metalle. Bei der Plattnergilde ebenfalls. Dann wäre da noch die Gourmetgilde, die Alchemistengilde… und und und! Und ich merke schnell: Hier gibt es nichts umsonst. Und einfach Kaufen geht schon mal gar nicht. Selber machen ist hier die Devise. Nur wie? Mit meinen anfangs arg beschränkten finanziellen Mitteln kann ich mir nicht einmal eine Sicherheitsnadel oder Faden kaufen. Also wende ich mich zuallererst den Quests zu. Auch hier unterscheiden sie sich je nach Klasse. Habt ihr eine Angelrute erstanden, seid ihr in der Lage, die Fischer-Quests zu absolvieren. Mit einer Pfanne im Arsenal könnt ihr kochen, ein Beil in der Ausrüstungsliste und ihr werdet zum Gärtner. Je nach dem, welchen Gegenstand ihr in der Hand ausrüstet, dementsprechend wechselt ihr in diese Klasse, die ihr dann einzeln mit Hilfe von Quests weiter entwickeln könnt. Ich finde, Gärtnern klingt nicht schlecht, also auf geht’s mit Schwert und Beil zum Ausgangspunkt jeder Quests: Dem Ätherythen!

Das nennt sich Abenteuer?

Bei der Abenteurergilde in Gridania hole ich zuallererst meine Questkarten ab. Dies sind Freibriefe, die von den Gilden ausgestellt werden und aus denen ihr eure Quests wählen könnt. Da ich anfangs nur über meine Waffe verfüge, hole ich mir einige Krieger-Karten. Die Quests gestalten sich dann relativ simpel. Sobald ihr beim Ätherythen den Freibrief einlöst, geht es los. Meistens besteht die Aufgabe dann darin, einen bestimmten Gegner (oder eine Gegnergruppe) zu finden und zu töten. Der Standort eurer Zielmonster wird euch dann auch bequem auf der Karte angezeigt. Also: Freibrief einlösen, loslaufen, loshauen und wieder zurück beamen. Meine ersten Gil sammelte ich jedenfalls durch das brutale Niedermetzeln von Erdhörnchen und Pilzen. Jeah. Anschliessend sah ich mich um. Als sich mein Geldbeutel etwas gefüllt hatte, erstand ich schliesslich noch ein Beil, eine Angelrute und eine verschlissene Pfanne. So startete ich auch meine Gärtnerkarriere. Bei meinem ersten Gärtnerquest hackte ich sage und schreibe 20 Minuten lang an einem Baum herum, um einen gewissen Rohstoff zu erlangen. Ich kann allerdings noch bestimmen, wo ich die Kerbe ins Gehölz schlagen will, doch das Ganze läuft ziemlich schleppend und nach dem ersten Baum ist es einfach nur noch mühsam. Um ehrlich zu sein: Es war todlangweilig! Aber ich gab noch nicht auf. Schnell startete ich auch den nächsten Gärtner-Quest, bei dem es darum ging – genau – ein gewisses Material aus Bäumen zu gewinnen. Und ich latsche wieder los und hacke auf Bäumen herum. Da erlebe ich mehr Abenteuer, wenn ich mir ne Pizza nach Hause bestelle! Ihr habt allerdings die Wahl, ob ihr Quests ausserhalb der Stadt durchführen wollt, oder ob ihr Standort-Quests erledigen möchtet. Der einzige Unterschied: In der Stadt müsst ihr meistes etwas bestimmtes Herstellen. Sei es ein bestimmtes Menü, ein Rüstungsteil oder was auch immer. Was daran Abenteuer sein soll, ist mir allerdings noch schleierhaft.

Und was jetzt?

Der Einstieg gestaltet sich dann auch extrem harzig. Vor allem für Neueinsteiger in die Welt des MMORPGs ist es gerade zu unmöglich, sich unter all den vielen Möglichkeiten zurecht zu finden. Vor allem, da Vieles gar nicht erklärt wird. Beispielsweise dauerte es auch für mich eine Weile, bis mir klar wurde, dass ich Gärtner-Quests nur erledigen kann, wenn ich über ein Beil verfüge. Ich startete den Quest, lief zum angezeigten Baum, aber dort ging gar nichts. Keine Erklärung warum das alles nun gerade nicht funktionierte! Ich wanderte also zur Gärtnergilde und kaufte mir auf gut Glück ein Beil. Ausserdem werde ich regelmässig gekillt – Ja, auch von Pilzen! Warum? Ich habe bis jetzt noch nicht herausgefunden, wo ich eine einfache Potion herbekomme. Vieles bleibt ohne Einführung oder Erklärung, die zahlreichen Klassen, in die ihr mit den verschiedenen Utensilien wechseln könnt, sind ebenso rätselhaft wie die Frage, mit welchem Rezept ich mir eine Rüstung schmieden kann. Die Synthese von Items funktioniert nämlich nur dann, wenn ihr wisst, welche Items ihr miteinander verbinden müsst. Wo ich diese Rezepte herbekomme? Keine Ahnung. Aber vielleicht bin ich auch einfach viel zu ungeduldig und möchte das alles bereits machen, ohne die geeigneten Voraussetzungen? Es mag vermutlich einen Grund haben, warum Square Enix die Gratis-Testphase von 30 auf 60 Tage verlängert hat. Mancher mag jetzt sagen: Lies doch im Internet nach, irgendwo wird’s schon stehen. Aber für mich gehört Learning-by-Doing einfach zu einem guten Spiel. Man sollte ins Spiel hineinwachsen, mit Erklärungen und kleinen Hilfen. Nichts gegen ein bisschen selber nachdenken, aber so ganz ins kalte Wasser geworfen zu werden kann auch ziemlich überfordern. Was wiederum den Spielspass arg schmälert. Zumindest meinen.

Ihr wollt nicht mit mir spielen? Dann eben nicht!

Doch kommen wir zum wichtigsten Teil des MMORPG’s, dem Multiplayer. Leider scheinen die Einwohner von Gridania wenig an Multiplayer interessiert zu sein. Das allgemeine Chatfenster bleibt grundsätzlich unangetastet. Meine Begrüssungsworte verklingen irgendwo in der Dunkelheit der Wälder und keiner der etwa fünfzig Online-Player sieht sich gezwungen, auf meine versuchte Kommunikation zu reagieren. Was interessant ist: Ich sehe keine Gruppen miteinander umher ziehen. Nur Einzelkämpfer die sich alleine durch das Dickicht kämpfen und alleine ihre Missionen antreten. Ich weiss ehrlich gesagt nicht, woran das liegen könnte. Vielleicht weil der klassische Final Fantasy-Spieler ein Solokünstler ist? Mir ist es auf alle Fälle rätselhaft, warum in diesem Mass Multiplayer Action-Spiel anscheinend das Mass Multiplayer und manchmal auch die Action irgendwo einfach fehlen. Besser bedient ist natürlich der Kämpfer, dessen Freunde ebenfalls Final Fantasy zocken. Sich mit Freunden online zu verabreden und einige Missionen gemeinsam zu bestehen, kann nämlich durchaus Spass machen. Alle Freibriefe sind nämlich stufenweise anpassbar. Der Schwierigkeitsgrad ändert sich, je nach dem wie viele Personen ihr seid. Das macht das Spiel dann natürlich auch dementsprechend spannender. Wer allerdings keine Freunde hat (oder zumindest keine FF-Online-Zocker) der ist teilweise ziemlich aufgeschmissen. Denn die, denen ich in Gridania begegnet bin, scheinen allesamt Singles zu sein und auch bleiben zu wollen. Da kann Sqare Enix natürlich nichts dafür, trotzdem verfehlt es natürlich ein bisschen den Sinn des Spiels. Vielleicht wirkt mein Charakter auch einfach unsympathisch? Ich habe es leider noch nicht heraus gefunden…

Mal dies, mal das

Der Storymodus ist vielleicht ein Grund dafür. Aber sollte eigentlich kein Hindernis sein. Es liegt allerdings durchaus im Bereich des Möglichen, denn die Story funktioniert nur im Single-Modus. Während der laufenden Geschichte wechselt ihr ab und zu in sogenannte Instanzen, bei denen alle weiteren Online-Spieler ausgeblendet werden und ihr alleine auf euch gestellt seid. Also: Eure Kumpel müssen leider draussen bleiben. Es scheint auch so, dass Final Fantasy ein bisschen von allem aber nichts wirklich richtig sein will. Zwar ist die Idee der Story nicht schlecht, trotzdem unterbricht sie manchmal euren Freigeist abrupt. Anders wiederum bleibt dieses Gefühl von uneingeschränkter Freiheit eines MMORPG etwas weg, da ihr euch trotzdem immer gezwungen fühlt, irgendwie an der Story weiter zu spielen und in die Instanzen zu wechseln. Und wenn ihr dann mal die Story weiterspielen wollt, seid ihr ständig daran euch zu überlegen, ob ihr nicht lieber ein bisschen auf eigene Faust was herstellen, synthetisieren oder entdecken wollt. Oder ob ihr ein bisschen Bäumchen hauen möchtet… Auch die zahlreichen Gilden und Klassen wirken zwar auf den ersten Blick grossartig, doch auch hier trügt das Bild. Sie sind einfach noch zu wenig ausgereift und schränken euch teilweise sogar ein. Ich hatte den Fall, dass ich mit meiner Pfanne einmal wild drauf los experimentieren wollte. Ich warf ein bisschen Ahornsirup mit einem Erdhörnchenfilet in die Pfanne und die Antwort des Spiels war: Das Rezept ist nicht korrekt. Sehr schade, denn auch hier werde ich einfach ausgebremst. So frei ist man dann eben doch wieder nicht. Was allerdings hierbei positiv ist: Während ihr anfangs eure Rasse sowie eure Hauptklasse wählt, steht es euch im späteren Spielverlauf frei, eure Skills selbst anzupassen. Wer zu Beginn Krieger wählt, muss nicht sakrosankt Krieger bleiben.

Geduld ist eine Tugend

Auch die Synthesefunktion an sich ist gut gelungen. Sofern ihr dann die Rezepte kennt und das ganze System verstanden habt. Sie eröffnet euch zahlreiche Möglichkeiten und kann durchaus witzig sein. Vor allem das Ausprobieren mit verschiedenen Materialien sowie die Standort-Quests geben euch mit der Zeit einen guten Einblick. Und im weiteren Spielverlauf ist es nötig, dass ihr mit den Mitspielern kooperiert. Es kann sein, dass ihr eine Waffe flicken müsst, aber noch nicht gut genug in eurer Schmied-Klasse seid. Stattdessen seid ihr ein hervorragender Alchemist. Also müsst ihr jemanden finden, der genügend Skills als Schmied besitzt und euch eure Waffe wieder instand setzen kann. Anderweitig werdet ihr vielleicht als Alchemist von jemandem um Hilfe angefragt. So entwickelt sich Final Fantasy ganz langsam und mit viel Geduld zu einem soliden Online-Game. Wer sich also die Mühe macht, anfangs etwas auf die Zähne zu beissen und die paar Bäume brav nieder zu hauen und die zahlreichen Pilze über den Jordan zu befördern, sich auch die Mühe macht und die Zeit nimmt, sich mit der Synthese und den Gilden vertraut zu machen, der wird mit Sicherheit belohnt werden.

Solide – nicht mehr und nicht weniger

Grafisch ist Final Fantasy gut gelungen, aber leider kein grosser Wurf. Die Render-Sequenzen sind gewohnt schön, allerdings nur im Storymodus zu bewundern. Die einzelnen Charaktere mit ihren eigenen Vorzügen kommen zur Geltung und sind so abwechslungsreich, wie wir es uns von Final Fantasy bereits gewohnt sind. Ebenso der Sound. Er ist zwar nicht überragend, aber doch angenehm und nicht zu übertrieben. Leider sind die wenigsten Szenen in der Story synchronisiert, die Sprachausgabe lässt also etwas Grund zum mäkeln. Ansonsten aber gut gelungen. Einige Lags sind allerdings doch noch vorhanden und ruckeln ab und zu etwas vor sich hin. Das kann vor allem im Kampf stören, kommt aber sehr selten vor. Bei mir ruckelte es meistens bei meinen Wanderungen durch Eorzea und nicht während der Kämpfe. Somit kann man Final Fantasy durchaus als solides MMORPG bezeichnen, mehr leider – zurzeit – noch nicht. Square Enix ist allerdings fleissig am patchen, um hier und da bereits einige Dinge anzupassen. Es ist aber nicht zu übersehen, dass Final Fantasy 14 noch lange kein ausgereiftes und voll funktionstüchtiges Spiel ist.

Fazit

Singleplayer
Multiplayer
Gameplay
Motivation
Grafik
Audio

Final Fantasy 14 hat durchaus etwas zu bieten. Der Einstieg gestaltet sich leider sehr harzig und Einsteiger-Unfreundlich. Es ist zu Beginn einfach viel zu lange etwas zu langweilig. Vor allem die Quests sind eher nervig, als herausfordernd. Aber es liegt mir fern, das Spiel als misslungen zu bezeichnen. Wer sich die Mühe macht, etwas länger zu spielen und sich mit allem Schritt für Schritt vertraut zu machen, dem hat Final Fantasy 14 einiges zu bieten und offenbart noch zahlreichere Möglichkeiten. Anfangs werdet ihr hauptsächlich alleine umher ziehen und das interagieren mit Online-Spielern wird erst im späteren Spielverlauf wichtig. Allerdings muss gesagt werden, dass Final Fantasy Online noch lange nicht ausgereift und fertig ist. Square Enix hat bereits angekündigt, einige Patches vorzuziehen. Somit ist das Spiel sozusagen noch immer in Entwicklung. Wer jetzt schon einsteigen will, kann das sicherlich tun und wird bereits viel erleben können. Wer aber ein fertiges und perfekt laufendes Spiel erwartet, dem ist anzuraten, mit dem Kauf und dem Einstieg noch einige Zeit zu abzuwarten.

2.4


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Über den Autor

Hardcore-Zockerin und Sony/Nintendo Fangirl der ersten Stunde. Vorwiegend anzutreffen beim Zocken von RPGs und allem, was aus dem Reich der aufgehenden Sonne kommt. Gamerin seit 20 Jahren – Teil des GameCity Teams seit 3 Jahren. Häufigster Spruch: „Shit! Inventar voll…“



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