Testlabor Grid 2

Veröffentlicht am 25. Juni 2013 von Michel Blind

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GRID 2

“Beim Beschleunigen müssen die Tränen der Ergriffenheit waagerecht zum Ohr hin abfliessen.”
W. Röhrl, deutscher Rallyefahrer

Rechtzeitig zum Sommer hat uns Codemasters wieder ein vielversprechendes Rennspiel geliefert. Keine Fortsetzung zu DiRT, sondern der zweite Teil von GRID soll uns diesmal an den schlechten Sommertagen (und davon gibt es bestimmt genug) unterhalten. Ob die Langzeitmotivation wohl bis zur Ende der warmen Saison ausreicht?

Fans statt Geld
Wer sich ein McLaren F1 GT oder ein Pagani Huayra leisten möchte, muss tief ins Portemonnaie greifen – auch in Rennspielen. Nun ja, das war einmal, denn Codemasters scheint das Zahlungssystem endgültig aus der Solokampagne ihrer Rennspielen gekickt zu haben und setzt neuerdings auf das Sammeln von Fans. Top-Positionen, Zeitrekorde und das Erfüllen von Sponsorenvorgaben bringen eine Menge davon und lassen euch Stück für Stück in den Racing-Himmel emporsteigen. Aber nicht so euphorisch, zuerst müsst ihr den Investoren beweisen, welches Talent in euch schlummert. Bluffen liegt nicht drin, gleich zu Beginn geht es auf einer Rennstrecke zur Sache und lässt euch sozusagen in das eiskalte Wasser fallen. Ist der Geldgeber zufrieden, sind es auch die Sponsoren und Rennveranstalter und eurer Motorsportkarriere steht nichts mehr im Weg.

Kluge Köpfchen unter den Rennhelmen
Die Garage, aus der ihr die Rennen koordiniert, neue Sponsorenverträge abschliesst oder Lackierungen am Fuhrpark vornimmt, ändert sich von Zeit zu Zeit. Wer ständig Autos als Gewinn mit nach Hause fährt oder gar geschenkt bekommt, braucht irgendwann mal eine grössere Werkstätte dafür. In GRID 2 muss trotzdem auf das Tuning verzichtet werden, bis auf das Felgenwechseln und das oben erwähnte, gibts da nicht viel zu tun.

Etwas enttäuschend sind auch die Rennsaisons aufgebaut, die zwar mit Zeit- und Driftrennen sowie Eliminator und Überholevents genug Ansporn bieten, allerdings mit den zu oft wiederholenden Strecken nicht gerade für viel Abwechslung sorgen.

Ziemlich erfreulich sind dagegen die ausgesprochen intelligenten Gegner, die alles daran setzen, dass ihr sie nicht einfach mal so schnell von links oder rechts überholen könnt. Sie schrecken ebenfalls nicht zurück, eure Karosserie genau an den empfindlichsten Stellen zu touchieren, um euch hinterlistig aus dem Rennen zu schmeissen. Rache bringt allerdings in den wenigsten Fällen etwas, denn rammt ihr die Gegner, geht nicht nur wertvolle Zeit verloren, sondern hat oftmals auch einen Crash an der Leitplanke zufolge. Nur zu gern setzt man an diesen Stellen die Rückspulfunktion ein, die ihr Debut übrigens in dem ersten Teil feierte und seit dem in fast allen Rennspielen anzutreffen ist. Fünf solcher Flashbacks sind pro Event möglich.

Cockpitsicht abgeschossen
Für Motorsportfans ist die fehlende Cockpitansicht bestimmt eine der bittersten Rückschläge im zweiten Teil von GRID. Was im Vorgänger noch zur Auswahl stand, wurde diesmal auf die Voll-, Heck und Rückperspektive beschränkt. Nach Codemasters Recherche zufolge, waren es gerade mal fünf Prozent, die genau diese Fahransicht regelmässig ausgewählt haben – wohl zu viel Aufwand für so einen kleinen Teil der Spieler.

Die Rennstrecke im Wandel
Eine grosse und ziemlich coole Neuerung in GRID 2 sind die Liferoutes. Fährt ihr auf einer solchen Strecke, gibt es weder eine Karte noch sagt euch der Kommentator, wo es entlang geht. Während dem Rennen kann sich die Route nach belieben ändern, ihr wisst also nie genau, wo die nächste Verzweigung oder Haarnadelkurve folgt – es ist alles möglich. Diese Rennevents sind zu den gewohnten Modi nicht nur eine frische Abwechslung, sie fordern auch volle Konzentration.

Gemeinsames Zocken ist doch am schönsten!
Es ist tatsächlich wahr: GRID 2 besitzt einen Splitscreen-Modus für zwei Spieler. Lustig, wie mich eine solche Neuigkeit fast aus dem Häuschen bringt, während dies vor ein paar Jahren noch zur gewohnter Ausstattung jedes Rennspiels gehörte – für mich also definitiv ein grosser Pluspunkt. Im online Multiplayer steht der GRID Nachfolger ebenfalls gut da und bietet Ranglisten für normale Rennen, Events, bei denen es nicht nur auf die Geschwindigkeit ankommt und als drittes eine Kategorie, die was aus allem zu bieten hat. Wer sich mit seinem Codemasters Racenet Account verbindet, erhält Zutritt auf die Racenet Global Challenge, die sich wöchentlich aktualisiert, sowie Rivals, die anhand den eigenen Settings ähnliche Gegner auswählt. Ach ja, online habt ihr dann doch noch die Chance eure Autos auf faire Weise mit Geld zu verdienen.

Achtung: Blech auf der Piste
Bei Massenrennevents mit bis zu zwölf Fahrern, lassen sich Crashs an manchen Stellen kaum vermeiden. Für den Augenschmaus sorgt hierbei ein tolles Schadensmodell der Flitzer, das ziemlich realitätsgetreu umgesetzt wurde. Ausserdem wirkt der Rauch echt und nebelt euch ab und zu die Sicht voll. Schade nur, kommt die Kulisse der Pisten dagegen etwas matt und farblos daher. Auch auf den Rennsoundtrack des Lebens müssen GRID 2 Spieler wohl verzichten, Musik gibt es nicht, dafür ohrenbetäubende, aber gut klingende Motorengeräusche.

 

Fazit

Um die Frage in der Einleitung zu beantworten: GRID 2 bietet definitiv Motivation, die trüben Sommertage zu überbrücken. Das Rennspiel bietet angenehmen Fahrkomfort und beinhaltet einige coole Rennmodi, alles verpackt in einer guten Grafik, auch wenn damit keine neuen Massstäbe gesetzt werden. Ich werde noch einige Wochen Spass daran haben, dann verschwindet das Spiel wohl wieder im Regal, bis Freunde mich besuchen kommen und wir wieder mal Lust auf ein gutes Rennspiel im Splitscreen-Modus haben!

80%

Volle Kraft aufs Gaspedal


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Über den Autor

Besitzt fast jede gängige Konsole, verbringt aber die meiste Zeit vor seinen Nintendo-Geräten. Er sammelt Pokébälle und jeden Mist, den man in versteckten Truhen findet. In Racing-Games, besonders in Mario Kart, macht ihm keiner was vor. Deckt sich wie verrückt mit Figuren aus der Gamewelt ein, mit starker Auswirkung auf sein Portemonnaie. Motto: Still Alive! (PSN: Benjiix4 / WiiU: Benjiix)



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