Testlabor Homefront

Veröffentlicht am 24. März 2011 von Federico Gagliano

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Homefront

Homefront soll das Shooter-Genre um einen weiteren Hit bereichern. Der Titel sorgte in den USA mit einer massiven Werbekampagne für einige Aufmerksamkeit: Sind es nur leere Versprechen?

Verkehrte Zukunft
Die Welt von Homefront sieht um einiges anders aus als heute. Nordkorea steigt durch Bündnisse mit Südkorea und Japan zur Supermacht auf, während die Vereinigten Staaten von der Finanzkrise und einer Epidemie am Rande des Abgrunds getragen werden. Kim Jong-un nutzt die Gunst der Stunde und startet einen massiven Angriff, nachdem zuvor ein Satellit alle Elektronik in Amerika lahm gelegt hat. Ohne funktionierende Armee ist der Widerstand gering: Amerika wird von Nordkorea überrannt und erobert.

Ihr übernehmt die Rolle des Helikopterpiloten Robert Jacobs, der einige Zeit nach dem Beginn der Eroberung von nordkoreanischen Truppen aufgesucht und verhaftet wird. Diese scheinen nichts Gutes mit ihm vorzuhaben, doch glücklicherweise wird sein Transport von Rebellen überfallen, die Jacobs um jeden Preis wollen. Die amerikanische Armee hat nämlich den Kampf noch nicht aufgegeben, benötigt aber dringend Treibstoff für ihre Jets. Die Rebellen wollen helfen, doch dazu brauchen sie einen Piloten.

So beginnt Jacobs seinen Kampf gegen die asiatischen Invasoren im verwüsteten Amerika. Auf dem Weg wird Jacobs einige Verbündete treffen und die Schrecken des Krieges hautnah miterleben. Der Spieler wird aber nur ein Gefühl verspüren: Enttäuschung. Das clevere Intro, das reale Ereignisse mit der fiktiven Handlung vermischt, bleibt das einzige Interessante an der Story. Es wird zwar versucht, durch Schockmomente Gefühle zu erwecken, doch diese können nicht ernst genommen werden. Dazu fehlt ein ernsthaftes Motiv, denn die Nordkoreaner besitzen überhaupt keinen Grund, solche Grausamkeiten auszuführen. Die grösste Schande ist aber eine andere: Die Handlung endet abrupt nach nur vier bis fünf Stunden, ohne das Gefühl zu geben, das Geringste erreicht zu haben.

Schrecken des Krieges
Die Behauptung, Homefront soll mit Titeln wie Battlefield und Call of Duty mithalten können, ist lachhaft. Zwar handelt es sich um einen linearen Shooter, der mit einigen Actionszenen zu überraschen weiss, aber dies und die vertraute Steuerung sind die einzigen Gemeinsamkeiten, die ihr finden werdet. Das Gameplay hingegen hinkt weit hinterher. Hauptprobleme sind die zahlreichen Glitches, die euch das Leben schwer machen. Diese beinhalten nicht nur Abstürze, sondern auch zahlreiche unfaire Tode, die der wahre Grund sind, wieso die Spielzeit nicht noch kürzer ausfällt. Die ansonsten dämliche K.I. schafft es zum Beispiel, euch von weiter Entfernung direkt in den Kopf zu treffen, obwohl ihr euch in Deckung befindet. Frust ist vorprogrammiert.

Damit nicht genug: Eure Verbündeten sind auch nicht gerade Genies. Im Kampf schiessen sie oft willkürlich durch die Gegend oder tun gar nichts. Glücklicherweise können sie nicht sterben. Vielmehr nervt es, dass ihr oft warten müsst, bis sie Türen öffnen oder Hindernisse beseitigen, um voranzukommen. Neben den häufigen Feuergefechten warten noch die inzwischen obligaten Fahrzeugsequenzen auf euch. Zusätzlich wird das Geschehen mit Schleich- und Sniperpassagen aufgelockert. Einzige Besonderheit: Zwischendurch darf Jacobs ein gepanzertes Fahrzeug namens Goliath steuern. Dazu muss er nur Ziele markieren, die das mechanische Biest daraufhin mit Raketenfeuer bedeckt.

Die andere Seite der Medaille
Neben der Singleplayerkampagne besitzt Homefront einen Multiplayerbereich, der euch wenigstens etwas für euer Geld bietet. Zwei Modi sind vorhanden, Team Deathmatch und Ground Control, bei dem Gebiete erobert werden müssen. Auf sieben grossen Maps wird mit zahlreichen Klassen gekämpft, die individuell durch freischaltbare Ausrüstung angepasst werden. An sich ist das nichts Neues, Homefront besitzt aber zwei Spielmechaniken, die dem Ganzen einen eigenen Twist geben.

Als erstes gibt es die Battle Points, die ihr neben der Erfahrung für jede Aktion im Spiel verdient. Diese sind nur während des Matches gültig und verfallen nach dem Ende. Ihr benutzt sie, indem ihr vorher zwei Objekte dem Steuerkreuz zuteilt. Zur Verfügung stehen beispielsweise Luftangriffe oder Schutzwesten. Mit den Battle Points könnt ihr nun jederzeit diese Objekte kaufen, um euch so einen Vorteil im Kampf zu beschaffen. Die Punkte dürfen aber auch ausgegeben werden, um direkt in einem Fahrzeug zu spawnen.

Die andere Neuheit ist der Battle Commande Modus, der die beiden anderen Modi leicht verändert. Spieler, die hohe Killstreaks erreichen, werden nämlich als Bedrohung markiert und ihr Aufenthaltsbereich erscheint auf dem gegnerischen Radar. Dafür steigt ihre Geschwindigkeit und Gesundheit. Wer eine potenzielle Bedrohung auslöscht, wird obendrein mit Bonuspunkten belohnt. Beide Neuheiten sind an sich nichts revolutionäres, bieten aber eine willkommene Abwechslung für Spieler, die sich von anderen Serien erholen wollen. Noch wird der Multiplayer-Bereich von Freezes und langen Wartezeiten geplagt, THQ hat aber bereits ein Update versprochen.

Krieg vor dem Haus
Obwohl Homefront in der Zukunft spielt, scheint die Engine aus dem letzen Jahrzehnt zu sein. Verwaschene Texturen, hölzerne Animationen und das Fehlen von zerstörbarer Umgebung hindern Homefront, auch nur in die Nähe der Konkurrenz zu kommen. Dafür stimmt die Atmosphäre: Ob Einkaufszentrum, Football-Stadium oder Burgerschuppen: Die Eroberung hat den amerikanischen Traum mit Schutt und Asche bedeckt. Durch bekannte Marken wird das Gefühl, in amerikanischen Vororten zu kämpfen, erfogreich erzeugt. Soundtrack und Synchro sind akzeptabel, die Geräuschkulisse hingegen ist nicht wirklich überzeugend.

Fazit

Singleplayer
Multiplayer
Gameplay
Motivation
Grafik
Audio

Insgesamt hält Homefront seine Versprechen nicht. Die Kampagne ist nicht nur unverschämt kurz, sondern die ganze Spielmechanik von Fehlern geplagt, die von anderen bereits seit einiger Zeit behoben wurden. Allgemein hat man das meiste bereits irgendwo besser ausgeführt gesehen. Einzig der Multiplayer bietet einige Stunden Unterhaltung, ist aber schlussendlich auch nicht auf dem Niveau der Konkurrenz. Für Fans des Shooter-Genres zum Ausleihen geeignet, alle anderen sollten lernen, dass Hype nicht immer Qualität bedeutet.

2.5


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Über den Autor

Nomadisch zog Federico von N64 zu PC, Xbox und Wii, bis er auf der PS3 seine Bestimmung fand: Das Sammeln von Trophäen. Je grösser die Challenge, desto besser.



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