Testlabor Journey

Veröffentlicht am 7. März 2012 von Federico Gagliano

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Journey

Ich erwache in der Wüste. Endloser Sand erstreckt sich auf allen Seiten, keine Menschenseele weit und breit. Ich stehe auf und erklimme langsam den nächsten Hügel. Dann sehe ich es: Ein kolossaler Berg in der Ferne, in der Mitte geteilt. Ein heller Lichtstrahl strömt aus dem Zentrum. Und plötzlich weiss ich: Da muss ich hin.

Es handelt sich hierbei um keinen Traum, sondern um eine Erinnerung an Journey, die neueste Schöpfung des Entwicklerstudios thatgamecompany. Bereits mit flOw und Flower hatten sie bewiesen, dass Videospiele weit mehr als blosse Unterhaltung sein können. Journey ist genau das, was der Titel verspricht: Eine unvergessliche Reise in einer Welt voller Schönheit und Mysterium.

Mehr zur Story soll nicht gesagt werden, denn Unwissenheit ist genau das, was Journey so fesselnd macht. Ihr seid genauso verloren wie die Spielfigur: Ihr wisst nicht wo, wann und wieso ihr dort seid. Nur eines ist klar: Der Berg ist das Ziel. Und so schreitet ihr neugierig und unwissend durch eine bizarre Welt.

Lebewesen und selbst Pflanzen bestehen nämlich aus Tuch. Selbst eure Figur ist umhüllt in einem Gewand mit Schal, der durch Stoffetzen aufgeladen wird. Dies erlaubt euch kurzzeitig zu schweben, abhängig von der Länge eures Schals. Überall sind Symbole versteckt, die eure Flugkraft verstärken. Ansonsten kann der namenlose Pilger nur einen undeutlichen Ton von sich geben, der Steine aktiviert, die das Ende eines Abschnitts markieren. Diese simplen Elemente reichen jedoch dank cleverem Levelaufbau, um euch die ganze zwei- bis dreistündige Reise lang zu fesseln. Dies mag kurz anmuten, doch ist die Länge genau richtig. Wiederspielwert ist allemal da: Wer Journey einmal erlebt, sehnt sich schon nach dem nächsten Mal.

Ganz einsam ist die Reise jedoch nicht: Ein stiller Begleiter kann sich zu euch gesellen. Wer ist diese Person? Ihr werdet es vielleicht nie erfahren. Kommunikation ist nämlich nicht möglich, und der Spielername erscheint nirgends. Was tut sie hier? Eigentlich nichts: Journey ist ein Kooperations-Spiel, in dem nicht kooperiert wird. Der andere Spieler erfüllt keinen Zweck: Er ist einfach nur da. Und doch hat seine Präsenz etwas Beruhigendes. Verliert ihr ihn aus den Augen, macht sich Unbehagen breit.

Das ist die Stärke von Journey: Wer sich mitreissen lässt, erlebt eine Achterbahn der Gefühle, wie sie selten in Videospielen zu spüren sind. Dies wird verstärkt von einer nahezu perfekten Darbietung, sowohl in Klang als auch in Bild. Wunderschöne Bilder erstrecken sich auf eurem Bildschirm. Jeder Moment ist ein unvergesslicher Schnappschuss, untermalt von stimmungsvoller, himmlischer Musik. Goldene Sandmeere, düstere Unterwasserwelten oder verschneite Berge – Journey ist eines der schönsten Spiele der letzten Jahre.

Fazit

Singleplayer
Gameplay
Motivation
Grafik
Audio

Einmalig, wunderschön, bewegend – Journey ist ein Spiel wie kein anderes. Ist es kurz? Durchaus. Aber was Journey in nur wenigen Stunden bietet, ist anregender als jeder Blockbuster. Jeder Spieler wird ein eigenes Abenteuer erleben. Diese rare Perle erinnert uns, dass wir noch lange nicht alles gesehen haben.

4.7

Ausgezeichnet


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Über den Autor

Nomadisch zog Federico von N64 zu PC, Xbox und Wii, bis er auf der PS3 seine Bestimmung fand: Das Sammeln von Trophäen. Je grösser die Challenge, desto besser.



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