Testlabor Kingdom Hearts Birth by Sleep

Veröffentlicht am 1. Oktober 2010 von Cornelia Zogg

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Kingdom Hearts: Birth by Sleep

Kingdom Hearts entwickelte sich über die Jahre zu einem riesigen Erfolg. Das Crossover zwischen Final Fantasy und Disney wuchs zu einem Komplex aus Hauptstories, Sidestories, Spin-offs, usw. an. Doch noch immer ist die grundlegende Story ein einziges grosses Fragezeichen. Nun, nicht ganz. Denn mit den Spin-offs für den Nintendo DS wurden viele Fragen beantwortet, die in Teil 1 und 2 für die PlayStation 2 aufgekommen sind. Nun bleibt grundlegend nur noch eine einzige Frage übrig: Wie um alles in der Welt fing die ganze Geschichte um die Schlüsselschwerter und die Herzlosen an? Die Antwort darauf liefert Kingdom Hearts Birth by Sleep.

Wie alles begann…

Schüsselschwert-Meister Eraqus hat drei Schüler. Die junge Aqua, den starken Terra und Ventus. Sie alle sind Anwärter darauf, selbst Meister zu werden, um die Geheimnisse der verschiedenen Welten und der Schlüsselschwerter zu erfahren. Während Ventus noch immer fleissig auf den grossen Tag trainiert, stehen sich Terra und Aqua bald gegenüber. Nur einer von ihnen kann Meister werden und so überschlagen sich die Ereignisse am Tag der Prüfung, als die Beiden gegeneinander antreten müssen. Ich spiele Ventus, der sich sofort um seinen besten Freund Terra sorgt und ihm folgt, als er sich nach dem Kampf gegen Aqua zurückzieht. Er verabschiedet sich von mir, dann nimmt er sein Schlüsselschwert und verschwindet. Kurz darauf beschliesse ich, ihm zu folgen und ihm – bei was auch immer er vorhat – beizustehen. Das ist der Beginn von Kingdom Hearts: Birth by Sleep… Aber halt! Was hat Terra eigentlich vor? Und was ist Aquas Aufgabe? Und woher kommen all diese Monster – genannt die Unversierten? Das verstehe ich während den ganzen etwa 14 Stunden Spielzeit mit Ventus nicht – oder nicht ganz. Dafür hat sich Square Enix was ausgedacht.

Alles x3

Birth by Sleep besteht nämlich aus drei verschiedenen Handlungssträngen. Jeder Charakter ist spielbar: Ventus, Aqua und Terra. Wen ihr steuern wollt, entscheidet ihr am Anfang des Spiels. Ihr erlebt dann die ganze Geschichte aus dem Blickwinkel des einzelnen. Das ganze Ausmass der Story erschliesst sich euch dann erst, wenn ihr euch die Mühe gemacht habt, das Spiel mit allen drei Charakteren zu beenden. Hier schlich sich bei mir die Befürchtung ein, dass es beim zweiten Durchspielen mit einem anderen Chara etwas langweilig werden dürfte. Doch weit gefehlt. Ich startete nach meinem Abenteuer mit Ventus die Storyline von Terra und werde positiv überrascht. SquareEnix hat die Sache mit dem „Geschichten erzählen“ nach wie vor drauf wie sonst fast niemand. Denn ihr besucht zwar dieselben Welten, doch erstens erledigt ihr dort andere Aufgaben, zweitens seht ihr dort andere Abschnitte des Levels und drittens trefft ihr auf andere Personen. Ausserdem spielt ihr die Welten nicht ganz in der gleichen Reihenfolge und erledigt je nach Zeitachse und Charakterwahl andere Dinge. Vielleicht war Terra vor Ventus im Nimmerland. Oder Aqua. Oder Ventus ist als erster dort und legt den Grundstein für eine Begebenheit, die Aqua erlebt, usw. Die Wege der drei kreuzen sich immer mal wieder und beim zweiten und dritten Durchspielen folgt ein Aha-Erlebnis auf das Nächste. Ein weiterer Pluspunkt dazu ist, dass ihr selten wirklich lange in einem Level bleibt. Kurz bevor ihr euch langweilt, seid ihr dort fertig und es geht auf zu neuen Welten. Somit wird Birth by Sleep auch beim dritten Mal durchspielen nicht langweilig. Im Gegenteil! Die Story ist packend und nach und nach erfahrt ihr, was eigentlich genau mit den Welten los ist und vor allem, was jeder der drei Protagonisten für eine Rolle in dem ganzen Geschehen hat.

Wie ein Familientreffen

Während eurer Reise trefft ihr zahlreiche alte Bekannte aus den Disneywelten, wie beispielsweise Herkules und Peter Pan. Aber auch neue Gesichter sind dabei. Das gilt nicht nur für Disneyfiguren. Kenner der Serie von Kingdom Hearts werden ab und zu die eine oder andere Figur bereits kennen, während sich Neueinsteiger einfach von den vielen Charakteren berieseln lassen dürfen. Was ich allerdings in diesem Teil vermisst habe, waren die Final Fantasy-Figuren. Es kommen praktisch keine vor! Das kann allerdings daran liegen, dass das Kingdom Hearts-Universum bereits so viele eigene Figuren hervorgebracht hat (Organisation XIII&Co.), dass hierbei die Verwendung von Final Fantasy Charakteren überflüssig geworden ist. Nichtsdestotrotz hielt jede der einzelnen Welten wieder eine Überraschung parat! Doch nicht nur die Nebenfiguren, auch die drei Protagonisten sind liebevoll gezeichnet. Sie treiben die Geschichte einerseits voran und geben ihr den nötigen Tiefgang. Freundschaft, Vertrauen, Stärke, all das sind Dinge, die in der Geschichte angesprochen werden. Die Figuren wachsen einem regelrecht ans Herz und genau das ist es, was bereits Kingdom Hearts 1 + 2 ausgemacht hat, und mir persönlich bei Chains of Memories und 358/2 Days gefehlt hat.

Ein Kampf will gelernt sein

Das Kampfsystem ist altbewährt. Ihr kämpft mit eurem Schlüsselschwert und habt nebenbei Spezialattacken und Magie zur Verfügung. Diese könnt ihr selbst in den Slots platzieren und während dem Kampf mit dem Steuerkreuz auswählen. Ausserdem verfügt ihr über eine Leiste, die sich mit jedem Schlag füllt. Ist sie voll, könnt ihr eine Art Limit-Move ausführen, was dem Gegner ziemlich zusetzt. Verwendet ihr für das Füllen dieser Kombo-Leiste ausserdem noch Spezialmoves und Magie, könnt ihr ganze Spezialserien auslösen, die je nach Charakter und Einstellungen variieren. Da ihr grundsätzlich immer alleine unterwegs seid, könnt ihr ausserdem via D-Link die Kräfte eurer Freunde abrufen. Wenn ihr mit Terra oder Ventus spielt, könnt ihr beispielsweise mit Aqua linken und ihre Magie verwenden. Das erweist sich ab und zu als ganz nützlich. Ausserdem gibt es dem Kampfsystem etwas mehr Komplexität, als wild auf die X-Taste zu hämmern.

Jetzt aber!!… nein doch nicht.

Aber bei Birth by Sleep ist nicht alles rosig. Ein kleines persönliches „no go“ erlebte ich beim Schwierigkeitsgrad. Ich spielte einerseits im Normal-Modus, aber auch auf Schwer. Bei beiden dasselbe Problem. Die Gegner in den Levels mähe ich mit meiner Keyblade locker vom Erdboden, ohne kaum einmal einen Heilzauber oder einen Trank zu benötigen. Ich levele auf, weiche keinem Kampf aus und trete voller Elan und Zuversicht dem Boss der Welt gegenüber. Und 30 Sekunden später noch mal. Und noch mal. Und noch mal. Oftmals ging es keine paar Sekunden und ich lag im Dreck! Die Endgegner sind teilweise brutal schwer. Wer hier nicht die richtige Taktik raus hat, kann einpacken. Einfaches Button-Mashing zieht meistens gar nicht. Meistens ist eine genaue Kombination aus Ausweichen, Zuschlagen, Magie- und Spezialfähigkeiten, D-Links und Limit-Moves nötig, um dem Boss beizukommen. Nichts gegen harte Endgegner, aber das Balancing ist dazu eher schlecht. Wenn die einfachen Gegner tatsächlich so einfach sind und dann plötzlich ein Gegner auf einem zutritt, der einem in 30 Sekunden plättet, ohne das man überhaupt die Chance hat, einen Heiltrank zu benutzen: Frustration pur!

Ebenfalls leicht frustrierend war die Tatsache, dass meine PSP alle fünf Sekunden am laden war. Wenn ich das Menü öffne. Wenn ich vom einen Abschnitt in den Nächsten laufe. Vor der Cutscene. Nach der Cutscene…. ZWISCHEN der Cutscene. Es wollte gar nicht mehr aufhören zu laden. Grundsätzlich habe ich nichts gegen Ladezeiten. Ich habe nur etwas gegen Ladezeiten, die ein gewisses Zeitlimit überschreiten. Und das hat Kingdom Hearts Birth by Sleep leider getan. Ein kleiner Hoffnungsschimmer eröffnete sich mir, als ich mich dazu entschloss, das Spiel zu installieren. Hat allerdings nicht wirklich viel geholfen. Aber auch ich habe mich daran gewöhnt und nutze die Ladezeiten jetzt produktiv um Mails zu checken, Cola nachzufüllen oder SMS zu schreiben.

Ich hab nur einen Daumen!!

Die Steuerung ist leider etwas holperig geraten. Die Steuerung mit dem Joystick funktioniert zwar wunderbar, doch die Navigation der Magie- und Schwertslots ist eher unhandlich. Vor allem mitten im Kampf. Es ist sehr schwer, mit dem Daumen den Joystick so zu steuern, dass ich nicht direkt in die Angriffe der Gegner laufe und gleichzeitig (ebenfalls mit dem Daumen) oberhalb das Steuerkreuz zu navigieren, bis endlich der Slot mit dem Heiltrank erscheint. Meistens ist eine solche Aktion mit einem Todesurteil gleichzusetzen. Ausserdem stockt die Kamera ab und zu, wenn das Gefecht zu hitzig wird und gleich mehrere Gegner auf einem losstürmen. So verlor ich regelmässig den Überblick und konnte mich nur mittels Anvisieren der Gegner einigermassen orientieren. Das Kampfgeschehen wird aber im späteren Verlauf oft durch kleine Quick-Time-Events aufgelockert, die wiederum funktionieren. Sofern man weiss, ob sich die O-Taste nun links oder rechts befindet…

Held macht Pause

Wer allerdings genug hat vom Schlüsselschwert-Schwingen, der hat verschiedene Möglichkeiten, wie er sich sonst noch mit Birth by Sleep vergnügen kann. Einerseits könnt ihr in der einen Welt in Arenen kämpfen (auch online), andererseits dürft ihr in Disney-Town beispielsweise Eiskrem stapeln, Rennen fahren oder Fruchtball spielen (ja, es heisst wirklich Fruchtball, das ist kein Schreibfehler). Witzig ist ebenfalls das Komandobrett. Das ist ein Würfelspiel, auf das ihr einfach via Menü im Spiel zugreifen könnt. Dort spielt ihr, je nach dem wer ihr seid, gegen die anderen zwei Charaktere (Ventus, Terra oder Aqua). Während dieses Spiels könnt ihr eure Magie oder eure Schwertattacken aufleveln und gleichzeitig Punkte sammeln und Items frei spielen. Eine wunderbare Abwechslung für zwischendurch, falls euch ein Endboss einmal wieder ein paar Mal hintereinander was auf die Mütze gegeben hat.

Bibedi babedi bu

Soundtechnisch und grafisch gibt es nichts zu mäkeln. Die Zwischensequenzen und Intros sehen grandios aus, die In-Game-Grafik ist leider teilweise etwas matschig geraten. Aber das fällt nicht gross auf. Viele Songs in den einzelnen Welten wurden von den Vorgängern (oder Nachfolgern??) übernommen und bringen so etwas Nostalgie mit sich. Die einen sind schön anzuhören, die anderen gehen einem mit der Zeit auf den Wecker. Aber: Ihr bleibt meistens keine Ewigkeit in den einzelnen Welten, somit erübrigt sich das Problem meist von selbst. Kingdom Hearts Birth by Sleep ist ein Kingdom Hearts, dass sich direkt mit Teil 1 und 2 vergleichen kann. Grafisch, wie auch vom Sound und der gesamten Atmosphäre her.

Fazit

Singleplayer
Gameplay
Motivation
Grafik
Audio

Endlich! Die epische Story von Kingdom Hearts erhält einen würdigen Prolog. Einen, der mich genauso ins Geschehen zieht und packt wie die beiden Teile auf der PlayStation 2. Schon lange nicht mehr habe ich meine Konsole bis vier Uhr morgens nicht mehr aus der Hand gelegt! Zwar sind die Ladezeiten schier unendlich, die Steuerung manchmal etwas ungeschickt und die Bossgegner manchmal eine Spur zu hart, aber dennoch: Birth by Sleep ist wunderbar erzählt. Die drei verschiedenen Stories ergänzen sich wunderbar und werden nicht langweilig. Die Charaktere besitzen Tiefe und lassen einem endlich wieder so richtig ins Universum von Kingdom Hearts eintauchen. Für alle Fans der beiden ersten Teile ein Must-have (nicht nur, um die Geschichte als Ganzes besser zu verstehen) und für Neulinge ein wunderbarer Einstieg. Thumbs up!

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Über den Autor

Hardcore-Zockerin und Sony/Nintendo Fangirl der ersten Stunde. Vorwiegend anzutreffen beim Zocken von RPGs und allem, was aus dem Reich der aufgehenden Sonne kommt. Gamerin seit 20 Jahren – Teil des GameCity Teams seit 3 Jahren. Häufigster Spruch: „Shit! Inventar voll…“



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