Testlabor Magna Carta 2

Veröffentlicht am 15. Dezember 2009 von Cornelia Zogg

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Magna Carta 2

Die meisten Rollenspiele, die es hierzulande auf den Markt schaffen, stammen aus Japan. Magna Carta 2 hingegen aus Korea. Ob die Koreaner mit der Innovation, den Details und der Story mit den Japanern wohl mithalten können?

Die Schlacht um den Thron

In Lanzheim herrscht Bürgerkrieg. Der machtgierige Schuenzeit hat die Königin des Landes ermordet und den Thron bestiegen. Nur die junge Prinzessin Rzephillda konnte entkommen. Gemeinsam mit einem Adligen namens Alex gründete sie die Südarmee, die von nun an gegen die Nordarmee Schuenzeits kämpft, um dem Land wieder Frieden zu bringen und dem willkürlichen Morden und der brutalen Herrschaft von Schuenzeit Einhalt zu gebieten.

Vom Looser zum Helden

Davon weiss der junge Juto überhaupt nichts. Er nämlich ist auf den Sturmwindinseln gestrandet: Ohne Gedächtnis und ohne Erinnerungen! Mit ihm beginnt die Story. Auf der Insel soll sich ein sogenannter Hüter befinden, der in der Lage sein soll, die Superwaffen der Nordarmee – die Sentinel – zu besiegen. Natürlich sind beide Armeen scharf auf die Technik dieses Hüters und so kommt es, wie es kommen muss.

Die Schutzwache der Sturmwindinsel, angeführt von Jutos bester Freundin Melissa, finden  den Hüter und Prinzessin Rzephillda – von allen nur Zephie genannt, landet auf der Insel, um ihn zu sichern. Beim Kampf stellt sich heraus, dass in Juto wohl mehr steckt, als es anfänglich den Anschein hat. Beim anschliessenden Sturm der Nordarmee auf die Insel ist er der einzige der überlebt und er schwört Rache! Er schliesst sich Zephies Counter-Sentinel-Einheit an und dient von nun an der Südarmee.

Kleine Anlaufsschwierigkeiten

Die Story mag klischeehaft anmuten, was sie auch ist. Aber trotzdem erzeugten bereits die Ereignisse der ersten paar Minuten Spannung und vor allem Neugier. Was ist das für eine seltsame Kraft, die Juto besitzt und die ihn sogar für seine Gefährten gefährlich macht? Was plant Alex, Kommandant der Südarmee? Was hat es mit der alten Legende um ein Raumschiff namens La Strada und den alten Helden Strass auf sich? Und kämpfe ich überhaupt für die richtigen Seite? Voller Elan stürze ich mich ins Abenteuer.

Allerdings gestalten sich die nächsten paar Stunden weniger spannend. Ich diene in der Counter-Sentinel-Einheit und werfe mich ins „alltägliche“ Kriegsgeschehen. Botengänge erledigen, Stützpunkte einnehmen, Pfade sichern, ab und zu einige Sentinels um die Ecke bringen. Die Story will einfach nicht dort weitermachen, wo sie eigentlich Angefangen – bzw. ziemlich rasch wieder aufgehört hat. Aber: Hat man sich quasi vom Laufburschen mal zum echten Helden gemausert, geht’s auch mit der Story richtig los!

Ein Klischee jagt das nächste

Zugegeben, die Koreaner lassen kein RPG-Klischee aus. Der junge Anfänger, der sich zum Helden mausert, eine Prinzessin, die ein schweres Päckchen zu tragen hat, ein Bösewicht auf der Jagd nach Macht und eine alte Legende, die irgendwie auch irgendwas damit zu tun hat. Aber ein wirklicher RPG-Fan hat damit sicher kein Problem. Ich hatte jedenfalls keines. Denn auch diese Story vermag zu fesseln, Klischees hin oder her! Jeder einzelne Charakter hat seine eigene Geschichte und es erwarten einem einige überraschende Storywendungen.

Schon gut, ich mach’s alleine!

So zieht man also gemeinsam mit seiner Gruppe durch die Lande. Und man kämpft auch gemeinsam. Zumindest ab und zu, wenn die KI’s sich dann dazu herablassen.

Ich renne gerade mit Kriegsgeschrei auf einen Boss, prügle drauf los und irgendwann frage ich mich: Hallo? Wo ist der Rest? Ich sehe mich um, keine Menschenseele ist da. Ich steck die Waffe weg, nehme die Füsse in die Hand und renne zurück. Und siehe da, meine beiden Gefährten rennen gerade mit demselben Elan in eine Wand.

Das die Charas hängen bleiben passiert relativ selten und man kann – wenn man will – darüber hinwegsehen. Das Mühsame sind eher die Aussetzer während des Kampfes. Leider können die einzelnen Gruppenmitglieder nicht detailliert programmiert werden. Einzig und allein drei Möglichkeiten stehen zur Verfügung, die zu allem Übel dann meistens sowieso nicht eingehalten werden. Programmieren ist möglich, ob es funktioniert ist Glückssache. Grundsätzlich machen die KI’s was sie wollen, was ab und zu ziemlich frustrierend sein kann.

Verschiedene Skills

Allerdings können die drei Charaktere im Kampf beliebig übernommen und gesteuert werden, falls einer einmal wirklich gar nicht gehorchen will. Jeder Charakter hat eigene Stärken, eigene Schwächen und eigene Kampfstile, die sogenannten Skills. Zum Ausführen von Skills ist KAN notwendig, vergleichbar mit Mana. Allerdings wird dieses KAN bei Kriegern mit dem Zuschlagen erworben, bei Magiern aus der Umgebung gezogen. Das heisst, mein Feuermagier hat in einer „feurigen“ Umgebung mehr KAN zur Verfügung, als meine Wassermagierin.

Ohne Kondition geht gar nichts

Während des Kampfes geht einem ab und zu richtig die Puste aus. Auf einer Leiste am unteren Bildschirmrand wird die Ausdauer angezeigt, die mit jedem Schlag weiter steigt. Ist sie voll, gelangt man in den Status des Overdrive. Im Overdrive sind die Schläge stärker, doch sobald man aufhört, sich zu bewegen, folgt der nächste Status. Der Overheat! Totale Überhitzung. Das führt dazu, dass sich mein Charakter einige Sekunden nicht bewegen und dann noch einige weitere Sekunden nicht kämpfen kann.

Dieses Problem ist allerdings zu umgehen. Der sogenannte Chaindrive setzt voraus, dass ich mit der Anwendung eines Skills in den Overdrive gelange, dann den Charakter sofort wechsle und mit dem neuen Charakter ebenfalls sofort die Skills ausführe. Das wiederum geht natürlich nur, wenn genügend KAN für einen Skill vorhanden ist. Klingt ziemlich kompliziert, ist es am Anfang auch, aber wenn man es erst einmal intus hat, macht das richtig viel Spass. Der Kampf läuft zudem in Echtzeit ab, was das Ganze noch etwas flüssiger und actionreicher gestaltet.

DAS ist ein Boss!

Ein ganz besonderes Plus bekommen von mir die Bosskämpfe. Während die Gegner anfangs eher einfach – später dann auch etwas schwieriger werden, haben es die Endgegner jeweils gewaltig in sich. Ihre Energieleiste will und will nicht schrumpfen oder sie füllen sie einfach wieder auf. Meistens sind die Gegner auch nicht gerade winzig, da man es zu oft mit den Sentinels zu tun hat. Auch hier nützen die Chaindrive’s nicht mehr wahnsinnig viel. Massig Geduld und Ausdauer sind gefragt, um diese wirklich fiesen Monster jeweils in die Knie zu zwingen.

Ein Held hat massig Arbeit

Wie in RPGs üblich geizt Magna Carta 2 auch nicht mit Sidequests. Von Botengängen über Rettungsmissionen bis zu kleineren Jagdaufgaben ist alles dabei. Und das im Überfluss. Wer also keine Lust auf Story hat, der kann sich stundenlang mit anderen Missionen die Zeit vertreiben. Schade ist nur, dass beim Verlassen eines Gebietes meistens auch die Nebenmissionen verfallen. Das heisst, auch wenn ich irgendwann an diesen Ort zurückkehre, habe ich keine Möglichkeit mehr, diese Missionen nachzuholen.

Das ist auch eines der Probleme des Spiels. Die Welt ist einerseits nicht offen, andererseits kann ich auch nicht auswählen, in welche Gebiete ich denn reisen will. Während in Lost Odyssey die Spielwelt ebenfalls nicht frei war, ich aber die einzelnen Gebiete frei wählen konnte, fällt das hier ganz weg. Mein Weg ist absolut linear und ich kann auch nicht in ein anderes Gebiet zurück. Das ist sehr schade, da vor allem in einigen Gebieten die Heilkräuter knapp werden. Befindet sich dort kein Händler oder Savepoint, ist man ziemlich aufgeschmissen.

Kleine Welt, viele Völker

Lanzheim ist allgemein ein sehr überschaubares Land. Trotzdem finden dort verschiedene Völker, Städte und Orte Platz. Vom Canyon, über Sümpfe, Wälder und Wüsten. Man hat hier auch auf Herr der Ringe-Völker verzichtet sondern hat, wie in östlichen RPGs üblich, eigene kreiert. Da wären die stolzen Trewa, das Katzenvolk der Nekoneko oder die Mare. Alle in eigenen Gebieten, mit eigenen Gesetzen und Einstellungen den Menschen oder der Counter-Sentinel-Einheit gegenüber.

2D Bäume und detaillierte Welt

Leider kann die Grafik nicht mit anderen bekannten RPGs mithalten. Zwar ist die Umgebung detailliert gestaltet, vor allem die Städte und Dörfer sind schön. Die Bäume und Büsche hingegen sind es leider weniger. Irgendwie wirken sie flach, im wahrsten Sinne des Wortes. Sie sehen aus, als wären 2D Modelle in die Umgebung gepflanzt worden. Grafisch ist Magna Carta 2 daher sicher kein Höhenflug. Aber: Die Charaktere und Gegner sind liebevoll kreiert worden und die Städte der verschiedenen Völker abwechslungsreich gestaltet.

Steifes Gesicht – überzeugende Stimme

Die Charaktere wirken in ihren Interaktionen untereinander sehr steif. Die wenigen Cutscenes sind zwar schön in Szene gesetzt, ansonsten agieren die Personen vis-à-vis vor einem stehenden Hintergrund. Die Synchronisation ist allerdings so gut und überzeugend, dass man über diese eher emotionslose Mimik und die fehlende Gesichtsausdrücke hinwegsehen kann. Magna Carta 2 ist ausserdem nur in englischer Synchronfassung zu haben und die Stimmen sind – bis auf die Quietschstimme der Counter-Sentinel Kämpferin Celestine – sehr angenehm.

Stimmige Musik passend zur Gelegenheit

Nicht nur die Synchro überzeugt. Auch der Sound ist passend gewählt. Vor allem Kampfsoundtracks haben die Angewohnheit, mit der Zeit penetrant und nervig zu werden. In Magna Carta 2 ist das jedenfalls nicht der Fall. Zwar ist es bei normalen Gegnern stets die Gleiche, aber sie geht einem auch nach zehn Stunden noch nicht auf den Wecker. Allgemein ist die Hintergrundmusik sehr dezent und wenn sie mir einmal wirklich aufgefallen ist, dann gefiel sie mir jeweils sehr gut.

Fazit

Singleplayer
Gameplay
Motivation
Garfik
Audio

Magna Carta 2 ist ein solides Rollenspiel mit einer spannenden aber klischeelastigen Story. Trotzdem birgt es einiges an Spannung und weckt die Neugier. Das Kampfsystem ist sehr innovativ, vor allem das Konzept mit der Ausdauer macht das Kämpfen nicht nur eine Prügelei, sondern bringt eine taktische Komponente mit ein. Die Bosskämpfe sind genial. Da trifft meine Crew regelmässig auf mühsame, langwierige, Nerven strapazierende Endgegner. Leider ist in punkto Grafik etwas an Elan gespart worden. Die Büsche und Bäume scheinen wie Pappschilder aufgestellt und die Mimik der Charaktere ist emotionslos und kalt. Dafür ist die Synchronisation allerdings top und vermag diese Emotionen zu transportieren. Die KI’s sind ganz ok, aber vor allem ihre Unfähigkeit, Anweisungen bzw. Programmierungen auszuführen ist echt nervig. Aber für Japan-RPG Fans lohnt sich ein Kauf sicherlich.

3.4

Gut


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Über den Autor

Hardcore-Zockerin und Sony/Nintendo Fangirl der ersten Stunde. Vorwiegend anzutreffen beim Zocken von RPGs und allem, was aus dem Reich der aufgehenden Sonne kommt. Gamerin seit 20 Jahren – Teil des GameCity Teams seit 3 Jahren. Häufigster Spruch: „Shit! Inventar voll…“



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