Testlabor Mario Party Island Tour

Veröffentlicht am 10. Februar 2014 von Michel Blind

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Mario Party: Island Tour

Der Nintendo 64 Controller musste während seiner besten Zeit bekanntlich so einiges durchmachen und spätestens als Mario Party im Jahr 1998 sein Debüt auf der Konsole feierte, musste Nintendo die Produktion wegen zu überstrapazierten Joysticks ganz sicher nach oben schrauben. Das interaktive Brettspiel mit den Mario All-Stars war geboren und fesselte vier Spieler gleichzeitig vor die Mattscheibe – einer Mario Party fern zu bleiben, neee, das kam nie in Frage!

Heute – rund 16 Jahre später – haben sich die Zeiten allerdings geändert. Mario Party ist und bleibt zwar weiterhin eines der beliebtesten Spiele, die man gemeinsam mit Freunden zockt, doch die ganze Entwicklung im Online-Bereich hat dem Offline-Splitscreen den Garaus gemacht. Nintendo handelt hier zwar sehr vorbildlich und hebt sich in diesem Bereich definitiv von seiner Konkurrenz ab, verlässt sich dabei aber zu sehr auf gewisse Spielmarken. Dazu zählt auch Mario Party, das, so leid es mir auch tut, schon länger mit Alterserscheinungen zu kämpfen hat. Mit Mario Party: Island Tour möchte Nintendo dies wohl ändern, denn dabei handelt es sich nicht nur um eine Version für den florierenden 3DS, sondern beinhaltet auch sieben neue Spielbretter – ob das ausreicht?

Ein Mario Party Game für den Nintendo 3DS lässt sich rechtfertigen, indem wir uns mal kurz die Verkaufszahlen des Vorgängers für den DS angucken. Rund 8.8 Millionen Mal ging die letzte Handheld-Version über den Ladentisch – Ein Rekord, der für die ganze Mario Party Serie gilt. Kein Wunder also lässt es sich Nintendo nicht zwei Mal sagen und setzt diesmal voll und ganz auf den 3DS. Mit dessen zahlreichen Buttons, 3D-Grafik sowie den Neigungssensoren bieten sich da eigentlich viele Möglichkeiten an.

Würfeln, würfeln und ganz viel Glück
Gehen wir nun etwas mehr auf das Gameplay ein. Als erstes werdet ihr gefragt, ob ihr alleine oder mit mehreren Teilnehmern zocken möchtet. Im Singleplayer könnt ihr entweder gleich im Party-Modus loslegen oder euch im Minispiel Bereich austoben, wobei die Minigames erst freigeschaltet werden müssen. Sieben Spielbretter stehen zur Auswahl, was sich zunächst doch sehr vielversprechend anhört. Ein genauer Blick auf die einzelnen Spiele zeigt, das sie sich besonders durch drei Kategorien unterscheiden. Geschick, Glück und der Einsatz von Minispielen fallen bei jedem Brett unterschiedlich ins Gewicht und prägen das Spielerlebnis erheblich. Während ihr in Kameks Budenzauber mit Köpfchen vorgehen müsst und im richtigen Moment eine passende Zahlenkarte vorweisen solltet, spielt in Riesen-Kugelwillis Revier vor allem das Glück eine grosse Rolle, um nicht vom Kugelwilli vom Brett gestossen zu werden. Das Item-Imperium bietet dagegen ein ausgewogenes Verhältnis und zielt mehr auf die Häufigkeit der Minispiele ab. Die Rundenanzahl lässt sich übrigens nicht mehr bestimmen, damit ihr über die Dauer eines Spiels eine Vorstellung bekommt, wird eine ungefähre Spielzeit bei jedem Brett genannt.

Die Minispiele sind recht simpel gehalten und fordern selten mehr als das Drücken von zwei Knöpfen gleichzeitig. Ab und zu sich mal was merken, hie und da ein gutes Reaktionsvermögen beweisen oder einfach als erster durchs Ziel steuern – Nintendo hat an dieser Stelle das Rad bestimmt nicht neu erfunden, hat aber dennoch von der Neigungssteuerung Gebrauch gemacht, immerhin etwas. Alles in allem bleibt die Minispielauswahl aber unter den Erwartungen.

Alleine doof, mit Freunden ok
Mario Party alleine zu spielen macht ungefähr so viel Sinn wie seine Zähne ohne Zahnpasta zu putzen. Die KI-Schwierigkeit lässt sich zwar regulieren, doch am Spielspass kann da nichts mehr gerüttelt werden. Ohne Freunde werdet ihr auch die 3DS-Version nicht länger als eine Stunde zocken, zu schnell nervt man sich über seine hirnlosen KI-Gegner. Für ein funktionierendes Teamwork und die lautstarke und traditionelle Mario-Flucherei braucht es eben reale Mitstreiter. Für Spielsessions mit weiteren Leuten benötigt es jedenfalls nur ein Spielmodul. Durch den Datentransfer werden die Spieldaten temporär auf alle teilnehmenden Geräten geladen – wirklich tolle Erfindung! Sehr schade ist hingegen, dass Nintendo die Online-Anbindung verschlafen hat und gänzlich auf den Multiplayer per Internet verzichtet hat. Hier hätte der japanische Konzern definitiv die grösste Neuerung der letzten zehn Mario Partys vorweisen können.

Ziemlich normal
Alle 30 Minuten werdet ihr gefragt, ob ein kurzes Päuschen nicht die bessere Entscheidung für euch wäre. Ja geht’s denn noch, früher haben wir Mario Party auch ohne Unterbrechung den ganzen Nachmittag gespielt und keiner hat bleibende Schäden davon getragen – zumindest wäre mir davon nichts bekannt. Weshalb uns Nintendo neuerdings ständig mit Samthandschuhen anfassen möchte, bleibt mir echt ein Rätsel und geht mir ordentlich auf die – ja sagen Nüsse. Davon abgesehen bietet das Spiel grafisch keine wirkliche Glanzleistung. Alles ist halt so wie es sein muss und wie wir es schon bei allen Vorgängern erlebt haben. Die 3D-Optik wird kaum ausgenutzt und kann getrost abgeschaltet werden. Selbst am Soundgedudel hat man schnell mal satt gehört. Wer’s mag, kann sich mit seinen verdienten Bonuspunkten in der Belohnungsecke die Ausrufe der Charaktere freischalten und in der Endlosschlaufe (!) anhören – it’sa meee Mario!

 

Fazit

An sich ist Mario Party: Island Tour kein schlechtes Game. Wer Mario Party will, wird es hier auch bekommen - einfach nicht mehr. Das angestaubte Gameplay, der fehlende Online-Modus sowie die zu simplen Minispiele helfen der Mario Party Serie allerdings zu keinem neuen Glanz, im Gegenteil, irgendwie wünscht man sich dadurch viel mehr die alten Zeiten zurück, in denen Mario Party noch DAS Partygame war.

65%

Hangover!


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Über den Autor

Besitzt fast jede gängige Konsole, verbringt aber die meiste Zeit vor seinen Nintendo-Geräten. Er sammelt Pokébälle und jeden Mist, den man in versteckten Truhen findet. In Racing-Games, besonders in Mario Kart, macht ihm keiner was vor. Deckt sich wie verrückt mit Figuren aus der Gamewelt ein, mit starker Auswirkung auf sein Portemonnaie. Motto: Still Alive! (PSN: Benjiix4 / WiiU: Benjiix)



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