Testlabor Medal Of Honor

Veröffentlicht am 19. Oktober 2010 von Federico Gagliano

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Medal Of Honor

Als die Rückkehr der Medal of Honor Reihe angekündigt wurde, war die Neugier gross. Die Entscheidung, einen noch laufenden Krieg als Vorlage zu benutzen, sorgte für Stirnrunzeln. Die Tatsache, dass man online in die Rolle der Taliban schlüpfen kann, erhitzte die Gemüter in den USA noch weiter. Aber am meisten interessierte, ob sich das Spiel gegen die beiden Spitzenreiter Call of Duty und Battlefield durchsetzen kann. Nun, kann es?

Der Hase, der Teufel und Dante

Obwohl die Geschichte in Medal of Honor vom realen Krieg in Afghanistan handelt, sind die Ereignisse und Personen reine Fiktion. In zehn Missionen übernehmt ihr die Rollen von drei verschiedenen Spezialisten. Am meisten werdet ihr in die Haut des Navy SEALs „Rabbit“ schlüpfen. Zwischendurch steuert ihr auch den Delta Force Sniper „Deuce“ und den Army Ranger Dante Adams. Alle drei bleiben während des ganzen Spiels stimm- und gesichtslos, deshalb fällt es nicht schwer, sich mit den Unbekannten zu identifizieren.

Die Story erzählt nur knapp verschiedene Szenen aus dem Alltag der Soldaten, die relativ lose aneinander gebunden sind. Es geht mehr darum, den Spieler in möglichst verschiedene Situationen zu bringen, als ihm eine tiefgründige Geschichte zu erzählen, geschweige denn eine Botschaft zu vermitteln. Medal of Honor versucht nicht, kritisch den Krieg zu hinterfragen, sondern verherrlicht die darin verwickelten Helden und deren Taten. Was man davon halten soll, müsst ihr selber entscheiden. Das einzige Problem ist, dass euch sehr viele Abkürzungen und militärische Begriffe an den Kopf geworfen werden. Dies ist zwar realistisch, dafür versteht ihr aber kaum, was gerade passiert. Wenigstens bleibt die Motivation bis zum Schluss erhalten.

Kurz, aber heftig

Action steht im Vordergrund. Hektisch geht es von einem Schusswechsel zum nächsten, egal ob in engen Gassen oder dunklen Höhlen. Die Waffenauswahl ist nicht riesig, bietet aber trotzdem genug, um nicht langweilig zu werden. Maschinengewehre, Schrotflinten und Pistolen bilden das Hauptarsenal, zwischendurch dürft ihr immer wieder neues Spielzeug ausprobieren. Mal müsst ihr Ziele für Jets markieren, mal aus gewaltigen Distanzen Gegner mittels Snipergewehr ausschalten. Dazu kommen noch Fahrzeugabschnitte mit Quads und Helikopter. Für Abwechslung ist also garantiert, obwohl ihr wahrscheinlich alles bereits irgendwo schon einmal gesehen, beziehungsweise gespielt habt. Leider fällt die Kampagne mit nur fünf bis sechs Stunden Spielzeit etwas kurz aus.

Vor allem Shooter Veteranen werden ohne grössere Probleme in Windeseile durch die Kampagne brausen. Die Steuerung ist identisch mit gängigen Shootern und funktioniert tadellos. Die K.I. ist hingegen nicht die Hellste und läuft nur allzu gerne freiwillig ins Fadenkreuz. Eine grosszügige Auto-Aim Funktion und die Möglichkeit, jederzeit Munition von euren Teamkollegen zu holen, machen das Ganze nur noch einfacher. Eure Partner sorgen zusätzlich für Frustmomente. Sie sind zwar im Kampf nützlich, hemmen aber euren Fortschritt, da ihr ständig warten müsst bis sie euch Türen oder sonstige Durchgänge öffnen.

Die Kürze und der leichte Schwierigkeitsgrad der Kampagne werden mit dem TIER 1 Modus wieder wettgemacht. Hier könnt ihr Levels unter Zeitdruck wiederholen. Der Haken: Es gibt keine Checkpoints und die Gegner sind härter im Nehmen. Eure Zeit sowie andere Statistiken wie Headshots werden gemessen und auf einem Leaderboard veröffentlicht. Markierungen innerhalb der Levels zeigen euch sogar, bis wo es eure Freunde geschafft haben. Der Modus bringt frischen Wind in das Genre und ist eine willkommene Abwechslung.

Kein Krieg ohne Online-Modus

Für viele misst sich der Wert eines solchen Shooters am dazugehörigen Online-Modus. Medal of Honor enttäuscht zwar nicht, bietet aber auch hier wenig Neues. Dies liegt daran, dass der Mehrspielerteil komplett von DICE, den Entwicklern von Battlefield, entwickelt wurde. Der Einfluss ist deutlich zu spüren, denn manche Anzeigen und Geräusche sind direkt aus Bad Company 2 kopiert. Trotzdem werden alle Grundlagen abgedeckt. Vier Modi stehen zur Verfügung, darunter Standard Team Deathmatch und unterschiedliche Missionen, bei denen ein Team verteidigt während die anderen angreifen. Drei Klassen stehen zur Verfügung, die separat aufgelevelt werden müssen. So könnt ihr euch stärker auf die Klasse konzentrieren, die euch besser liegt. Mit nur acht Maps ist die Abwechslung aber deutlich gering.

Genauso wie in der Einzelspielerkampagne geht es online heftig zu und her. Gefahr lauert praktisch überall. Wer aber möglichst lange am Leben bleibt und Punkte sammelt kann, ähnlich wie in CoD, offensive oder defensive Killstreaks auslösen. Offensive vernichten das gegnerische Team mit Raketengriffen und Bomben, Defensive boosten die Leistung eures Teams mit Schutzwesten oder zusätzlicher Munition. Geschickter Einsatz der Streaks kann im richtigen Moment durchaus für Wendungen im Spiel sorgen. Trotzdem kommt der Online-Modus nicht an die Vorlagen von CoD und Battlefield heran. Spass ist zwar auch hier garantiert, aber rein inhaltlich haben die anderen weit mehr zu bieten.

Reise nach Afghanistan

Graphisch hinterlässt Medal of Honor gemischte Gefühle. Unscharfe Texturen und Ladeschwierigkeiten trüben die sonst sehr schönen Levels. Besonders die Nachtsicht und andere Visiere sehen extrem realistisch aus. Die Explosionen wirken dagegen lächerlich mickrig und verpixelt. Online wird das Niveau tiefer, was aber im Chaos gar nicht gross auffällt. Die Sprachausgabe ist passabel, doch die Stimmung wird hauptsächlich vom grandiosen Soundtrack massiv beeinflusst.

Fazit

Singleplayer
Multiplayer
Gameplay
Motivation
Grafik
Audio

Medal of Honor erreicht zwar nicht das hohe Niveau von CoD oder Battlefield, bringt aber wenigstens die Serie wieder auf die Landkarte des Genres. Dabei erfüllt es strikt alle Vorgaben, ohne gross eigene Wege einzuschlagen. Das Resultat ist ein solides Spiel für Fans des Genres und Einsteiger, der die Zeit bis zum nächsten grossen Hit durchaus füllen sollte.

3.4


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Über den Autor

Nomadisch zog Federico von N64 zu PC, Xbox und Wii, bis er auf der PS3 seine Bestimmung fand: Das Sammeln von Trophäen. Je grösser die Challenge, desto besser.



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