Testlabor Megamind: Kampf der Rivalen

Veröffentlicht am 14. Januar 2011 von Cornelia Zogg

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Megamind: Kampf der Rivalen

Ein Superschurke, der den Schutz der Stadt in die eigenen Hände nimmt, das gibt’s selten zu sehen. Ausser im Film Megamind und – genau – im gleichnamigen Game für die PlayStation 3. Die Story ist schnell erzählt: Megamind’s Geheimkammer wird vom Doom Syndikat überfallen und eine wertvolle Maschine gestohlen. So macht sich Megamind auf, einerseits für den Frieden in der Stadt zu sorgen und seine Maschine zurück zu holen. Dabei wählt ihr in eurer Geheimkammer jeweils auf eurer Karte den nächsten Level an, den euch eurer Minion (für alle die den Film kennen, kennen auch den Fisch mit Roboterkörper) jeweils gerade empfiehlt.

No Brain required
Leider braucht es für dieses Spiel kein „Megamind“ um es durchzuspielen. Es ist absolut simpel! Ihr rennt und hüpft durch die Levels und smasht euren PS-Button, um zu schiessen. Und das nicht aus der Egoperspektive, sondern aus der Vogelperspektive. Mehr als dabei noch rumzurennen braucht ihr nicht, denn alles funktioniert automatisch. Megamind zielt automatisch auf Gegner in der Nähe, wechselt, wenn ihr ihnen ganz nah seid automatisch auf Prügelmodus und anspruchsvoll sind die „Rätsel“ gerade mal gar nicht. Zuerst aber zu den Waffen: Ihr habt im Verlauf des Spiels andere Waffen, z.B. eine die Stromschläge verpasst, eine die die Gegner wegweht oder schrumpft. Diese Waffen benötigt ihr jeweils auch, um im Level vorwärts zu kommen ABER: Die passende Waffe könnt ihr nicht aus dem Inventar wählen, sondern sie liegt jeweils auf dem Boden herum und ihr könnt sie gegen die gerade Angelegte wechseln. Netterweise liegt die passende Pistole für das Rätsel jeweils gleich davor und kleine Megaminds werden daraus sofort schliessen – ah, so komme ich weiter. Thanks! So ist es dann auch. Das heisst also: Ihr rennt völlig hirnlos durch die Levels, ballert alles auf dem Weg ein bisschen kurz und klein. Ab und zu hier mal einen Schalter drücken oder da mal was aus dem Weg wehen, dann seid ihr locker bald durch. Denn netterweise könnt ihr auch nicht wirklich sterben – zumindest fand ich bis jetzt keinerlei Konsequenzen. Ihr werdet nämlich an Ort und Stelle wieder abgeladen und könnt nahtlos weiterspielen, wenn eure Energieanzeige leer ist, oder ihr in einen Abgrund gesegelt seid. Das Tüpfchen auf dem i ist dabei noch: Eure Energieanzeige ist wieder komplett gefüllt! Dafür habt ihr aber keine Möglichkeit, eure Energieanzeige während des Spielens zu füllen. So trainiert ihr euch bereits im zweiten Level eine Art Rambo-Methode an: Einfach rennen und ballern – es kann euch ja schliesslich nichts passieren!

Ou bitte! Ich hab’s verstanden…
Während des Spiels sammelt ihr sogenannte B.I.N.K.E.Y-Punkte. Kleine Energiezellen, mit denen ihr eure Waffenhandschuhe upgraden könnt. Und ihr werdet Tonnen davon sammeln, sie liegen nämlich überall herum und erscheinen auch überall, wenn ihr die Umgebung zerballert. Sie werden euch fast nachgeworfen und somit könnt ich problemlos eure Waffen upgraden wie verrückt. Die Gegner sind dann auch immer nach demselben Muster gestaltet. Ein kleiner schmächtiger schwacher Typ und so ein Typ Bodyguard, der etwas mehr Schüsse braucht, bis er umkippt. Deren Optik wechselt jeweils auch nur in den Hauptlevels. Das Spiel ist nämlich so gestaltet, dass ihr jeweils drei Levels pro Abschnitt lösen müsst, um am Ende dem Zwischenboss gegenüberzutreten. Denn die führen euch zum Chefbösewicht des Doom Syndikates. Zuerst kämpft ihr euch durch die Baustellen der Stadt. In den drei Stadtlevels sehen die Gegner immer gleich aus – mit den beiden Varianten. Dann, im nächsten Abschnitt à drei Levels gibt es wieder andere zwei Varianten und im dritten Abschnitt natürlich auch. Und dann – kommt schon Blue Tighten, euer Endboss! Bis auf die Optik bei den Gegnern in den Abschnitten und die Umgebung der Abschnitte, bietet das Spiel nicht die geringste Abwechslung. Es ist wirklich langweilig, bietet euch keine Herausforderung und ist an einigen Stellen einfach nur mühsam. Warum? Aus mehreren Gründen. Einerseits kommentiert euer Minion das Ganze ständig und überall mit den gleichen Sätzen. Er sagt euch, dass da Gegner kommen, bevor ihr sie selbst überhaupt seht. Und er gibt euch quasi immer direkt vor, was ihr gerade tun müsst. Oftmals kam ich mir vor, als würde ich für ziemlich blöd gehalten. Beim Betreten eines Levelabschnittes fährt die Kamera zum Schalter, den ich betätigen muss, dann zur Waffe, die ich holen muss, um den Schalter zu betätigen. Gut. Alles klar. Dann spiele ich los und mein Minion sagt mir, ich könne den Schalter nicht betätigen, da mir die richtige Waffe fehlt. Danke! Dann hole ich mir die Waffe und mein Minion sagt mir: „Hey, jetzt müsstest du den Schalter betätigen können!“… Ja. Noch mal danke! Ich betätige den Schalter und sehe, wie ein grosses Tor aufgeht und meinem Minion fällt nichts Besseres ein, als zu sagen: „Jetzt kannst du dort weiter!“ Jetzt stellt euch das vor, während der ganzen Zeit, bei jedem Schalter und jedem Gegner. Ihr werdet durchdrehen…

Pi mal Daumen-Gehüpfe
Das andere mühsame Problem ist die Steuerung. Sie ist teilweise sehr schwerfällig, aber dann wiederum sehr ungenau. Vor allem die Hüpfpassagen sind mehr als frustrierend. Die Steuerung und Kameraführung ist so dermassen ungenau, dass ihr etwa zehnmal im Sumpf landet, wenn ihr über einige Kisten ans andere Ufer springen wollt. Aber ihr könnt nicht einmal etwas dafür, weil ihr erstens gar nicht wirklich einschätzen könnt, wie weit ihr springen müsst und zweitens gar nicht wirklich genau beeinflussen könnt, wie weit ihr denn springen wollt. Vor allem in Levels, die aus solchen Passagen bestehen, kann das Spiel sehr frustrierend werden – oder Moment – nicht einmal frustrierend, sondern wirklich einfach nur mühsam. Weil einen Anreiz, das Spiel fertig zu spielen habt ihr sowieso nicht. Mich hat es überhaupt nicht gepackt. Einzig die Trophäen sind ein Anreiz, die sind nämlich fast geschenkt! Nur die Trophäen, die Endgegner ohne zu sterben zu schaffen, können ein bisschen knifflig sein, aber die restlichen werden euch praktisch hinterher geworfen. So ist es einfach ein Spiel, dass sich diejenigen kaufen können, die auf Trophäen aus sind.

Mein armer Mitspieler!
Megamind verfügt zwar über einen Multiplayer, bei dem ihr zu zweit rumballern dürft, der ist aber ebenso mühsam. Euer Zweitspieler kann nämlich weder hüpfen noch verbreitert sich der Bildschirm, wenn ihr euch trennt. So verschwindet er einfach aus dem Bildschirm, wenn ich davon laufe und mich um einen Gegner etwas weiter hinten kümmern will, während er noch mit dem anderen beschäftigt ist. Ausserdem kann er euch bei Hüpfpassagen nicht folgen und muss immer warten, bis das Spiel ihn automatisch zu mir teleportiert. Bis das jeweils geschieht, habe ich bereits alle Gegner geplättet. Die Minispiele, die ihr freispielen düft, sind dann etwas witziger, aber reissen das Ganze leider auch nicht mehr raus. Etwas muss ich Megamind allerdings doch noch zu Gute halten. Die Synchro ist sehr gut geworden und wenn ich mich nicht irrte, sind es sogar die Originalsprecher aus dem Film. Der Sound ist recht spritzig und witzig gemacht, halt wirklich passend zum Film Megamind. Auch optisch ist das Spiel ziemlich gut gelungen. Leider gibt es keine Zwischensequenzen oder ähnliches, ihr rennt einfach eurem Ziel hinterher.
sehr langatmig trotz kurzer Spielzeit

Fazit

Singleplayer
Multiplayer
Gameplay
Motivation
Grafik
Audio

Megamind ist leider nur mit einem Wort beschreibbar: Mühsam. Es bietet weder Herausforderung, noch Action, noch Rätsel, die einigermassen anspruchsvoll wären. Normalerweise könnte ich solche in Spiel der jüngeren Generation empfehlen, aber sogar für diese gibt es weitaus bessere und sinnvollere Spiele als Megamind. Nebenbei ist Megamind erst ab zwölf Jahren freigegeben. Von daher haben die Entwickler hier eindeutig die Zielgruppe verfehlt. Alles was ihr tun müsst, ist herumrennen und schiessen, alles andere erledigt sich quasi von selbst. Einzig die Synchro ist gut gelungen und die verschiedenen Waffen bringen noch so etwas Dezentes wie Abwechslung. Allerdings auch nur bedingt. Also lieber den Film schauen und sich dabei zwei Stunden amüsieren, als Geld für dieses Spiel ausgeben.

1.2


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Über den Autor

Hardcore-Zockerin und Sony/Nintendo Fangirl der ersten Stunde. Vorwiegend anzutreffen beim Zocken von RPGs und allem, was aus dem Reich der aufgehenden Sonne kommt. Gamerin seit 20 Jahren – Teil des GameCity Teams seit 3 Jahren. Häufigster Spruch: „Shit! Inventar voll…“



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