Testlabor R.U.S.E

Veröffentlicht am 12. Oktober 2010 von Adrian Dermon

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R.U.S.E

Es war einmal

An der Gamescom 2009 zeigte uns Ubisoft ein Echtzeitstrategiespiel, das auch wieder einmal für die Konsolen erscheinen sollte. damals durften wir ausführlich mit einem Entwickler eine Multiplayersession spielen, die bei uns einen guten Eindruck hinterliess. Nach dem Spielen haben wir natürlich gefragt, wann das Spiel erscheinen wird. Die Entwickler sprachen dann schon vom Dezember 2009. Doch dieser Releasetermin konnte, wie so oft in dieser Branche, nicht eingehalten werden. Viele Monate und einige Verschiebungen später, klappte es nun doch noch mit dem Spiel. Nun waren wir natürlich gespannt, ob die Entwickler die Zusatzzeit auch sinnvoll genutzt haben.

Wieder einmal der 2. Weltkrieg

In R.U.S.E. werdet ihr wieder einmal in die verschiedenen Schlachten des 2. Weltkrieg versetzt. Das Spiel bietet nebst dem Multiplayer natürlich eine ausführliche Kampagne an. Insgesamt 23 Missionen müsst ihr im Einzelspielermodus bewältigen. Ihr schlüpft in die Rolle eines Kommandanten der alliierten Truppen und versucht, in verschiedenen Kämpfen die Deutsche Wehrmacht zu besiegen. Die Geschichte selbst wird in gut gemachten Videosequenzen erzählt. Bei jeder Schlacht wird euer Vorgehen bewertet und eure Figur steigt im Rang auf. Dabei müsst ihr verschiedene Missionsziele erreichen. Müsst ihr am Anfang nur einen Konvoi sicher durch Feindesland bringen, werden die Schlachten mit der Zeit immer grösser. Der Krieg findet dann auch schon an mehreren Fronten statt. Am Ende erstellt ihr Basen, holt Öl, um Geld zu verdienen und neue Einheiten zu erhalten und versucht, den Gegner zu zerstören. Die Geschichte selbst ist spannend, fesselt aber nicht auf längere Dauer. Die Einzelspielerkampagne ist dafür der perfekte Einstieg um alle Feinheiten von R.U.S.E. zu erlernen. Denn das Spiel bietet sehr viele Möglichkeiten sowie Einheiten. Ihr befehligt am Ende von einfacher Infanterie, bis zu schweren Panzern oder Flugzeugen. Insgesamt sollen über 200 Einheiten spielbar sein.

Alles auf einem Tisch

Wie in Echtzeitstrategiespielen üblich, seht ihr die Schlachten aus der Vogelperspektive. Statt nun nur einen kleinen Ausschnitt weiter hinaus zu zoomen, wie es bei anderen Spielen der Fall ist, geht es im Fall von R.U.S.E. noch ein bisschen weiter. So habt ihr die Möglichkeit, den Ausschnitt soweit zu vergrössern, dass ihr die gesamte Karte seht. Bei der der weit entferntesten Kameraansicht, wird euch plötzlich bewusst, dass die gesamte Schlacht auf einem Tisch abläuft. Hier ist eine weitere Besonderheit von R.U.S.E., denn euer Charakter ist nicht in der Schlacht selbst, sondern sicher in einem Besprechungsraum und überblickt das Geschehen auf einer Karte. So fühlt sich das Ganze an, als würde man ein Brettspiel spielen. Wer es lieber näher an der Front mag, kann natürlich wieder an das Geschehen heranzoomen. Dies alles geschieht stufenlos und ohne nervige Ruckler. Schnell werdet ihr merken, dass eine Mittellösung die beste Variante ist. Wenn ihr weiter hinauszoomt, dann werden einzelne Gruppen für eine bessere Übersicht zu einer ganzen Einheit zusammengefasst. So verschiebt und befehligt ihr mehrere Einheiten sehr einfach über das Spiel- resp. Schlachtfeld. Im späteren Spielverlauf werden die Schlachten immer grösser, so dass dieses Feature euch das Leben sehr erleichtert. Von weiter oben seht ihr aber nicht nur alle eure Einheiten, sondern auch die des Gegners. Jedoch sind am Anfang nur die Positionen der Kontrahenten bekannt, um was es sich für Einheiten handelt, wisst ihr aber zuerst nicht. Damit kommen wir zum wichtigsten und titelgebenden Aspekt des Spiels, Ruse heisst übersetzt List, nämlich dem Austricksen des Gegners.

Reingelegt

Die grösseren Hauptschlachten, egal ob im Einzelspieler- oder Multiplayermodus, fangen mit dem Aufbau eurer eigenen Basis an. In dieser errichtet ihr Kasernen für Infanterie oder Fabriken für mechanische Einheiten. Als Währung dienen euch Ölfelder, zu denen das Spiel Lastwagen hinschickt. Da diese sehr leicht zu zerstören sind, müsst ihr natürlich aufpassen, dass die Route nicht vom Gegner entdeckt wird. Habt ihr genug Geld, dürft ihr nach Herzenslust neue Einheiten bauen. In vielen anderen Echtzeitspielen genügt es schon, seine eigene Basis zu beschützen und danach mit einer riesigen Streitmacht, die des Gegners zu zerstören. In R.U.S.E. führt dies aber in wenigen Fällen zum Erfolg. Denn jedem Spieler stehen nämlich noch insgesamt zehn Kriegslisten zur Verfügung. Die sogenannten Kriegslisten könnte man auch als Spezialfähigkeiten bezeichnen. Mit diesen kann man den Feind täuschen, ihn ausspionieren oder sogar kurz zu einem Rückzug zwingen. Natürlich hat der Gegenspieler genau die gleichen Fähigkeiten. Jedoch darf jeder Spieler nur zwei Kriegslisten auf einmal einsetzen, die oftmals zeitbegrenzt sind. Machen wir ein Beispiel: Ihr baut eine Basis auf und seht den Gegner auf der Karte. Ihr fahrt mit eurer Streitmacht dem Feind entgegen, nur um herauszufinden, dass der Kontrahent Scheineinheiten auf das Feld gesetzt hat. In Wirklichkeit versteckte er seine Einheiten mit der Kriegslist Tarnnetze und kann eure Basis unbemerkt angreifen. Dies ist nur ein kleiner Ausschnitt aus den trickreichen Schlachten von R.U.S.E. Nur mit der richtigen Strategie und dem intelligenten Einsatz der Kriegslisten besiegt ihr eure Gegenspieler. Schade, dass alle Kriegslisten erst im Laufe der Kampagne freigeschaltet werden. Auch gab es manchmal K.I. Aussetzer. Hier empfehle ich euch den Multiplayer-Modus, in dem ihr Online gegen bis zu drei Spieler  auf riesigen Karten antreten dürft. Stellt euch aber auf lange Schlachten ein, denn die verschiedene Einheiten bewegen sich realitätsnah sehr träge durchs Spiel, so dass eine Schlacht eine Weile dauern kann. Trotzdem macht es viel Spass.

Tolle Umsetzung

Grafisch ist das Spiel sehr gelungen. Die Videosequenzen sind auf hohem Niveau. Am meisten beeindruckt aber die stufenlose Zoomfunktion des Spiel, mit der ihr sehr nah an die Kämpfe heranzoomen könnt. Die verschiedenen Einheiten sind detailliert und mit der richtigen Balance zueinander gemacht worden. Alles läuft sehr ruckelfrei über den Bildschirm. Einziges Manko sind die Umgebungslandschaften. Es gibt leider oft Pop-Ups der Landschaften im Spiel und diese sind dann auch nicht immer sehr hübsch anzusehen. Viele Texturen sehen nämlich verwaschen aus. Trotzdem ist und bleibt es ein kleiner Makel. Dafür gibt es wieder was auf die Ohren, der Soundtrack für das Spiel passt perfekt. Sogar die deutschen Sprecher machen ihre Sache nicht mal so schlecht. Echtzeitstrategiespiele kommen leider sehr wenig auf Konsolen vor, da die Steuerung auf den Controller schwer umsetzbar ist. Diese Hürde meistert das Spiel ohne Probleme. Mit einfachen Tastenfunktionen wählt ihr verschieden Einheiten aus und verschiebt sie auf dem Spielfeld zum gewünschten Ort. Hinzu unterstützt R.U.S.E. als eines der ersten Spiele den Move-Controller der PS3. Mit einfachen Schwenken des Move-Controllers könnt ihr hinein oder aus dem Spielgeschehen herauszoomen. Um etwas zu markieren, zeigt ihr einfach mit dem Move-Controller auf die gewünschten Einheiten. Klingt zwar alles so einfach wie mit einer Maus, ist es aber leider nicht. Oftmals zoomt ihr aus versehen weg von den Schlachten oder markiert die falsche Einheit. Mit dem normalen Controller geht es dagegen viel leichter. Trotzdem zeigt R.U.S.E. schon einmal, dass der Move-Controller auch für Core-Games tauglich wäre.

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Über den Autor

Als Kind süchtig, als Jugendlicher ein Nerd und jetzt nur noch ein Liebhaber der Kunst der Videospiele. Adrian machte in seinem Leben alle Zyklen eines Gamers durch und war immer der Nintendo und der Sony Konsolen treu. Seine Stärke sind Sportspiele. Aber einem guten Spiel aus anderen Genres ist er nie abgeneigt. Häufigster Spruch beim Spielen: Schleichen kann man, wenn man tot ist.



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