Testlabor Saints Row 4

Veröffentlicht am 12. September 2013 von Corina Ulmann

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Saints Row 4

Saints Row begann als mittelmässiger Abklatsch von Grand Theft Auto und entwickelte sich im Verlaufe von drei Spielen zu einer eigenständigen Reihe, welche ihren Platz auf dem Spielemarkt gefunden hat. Bereits der dritte Teil war so abgedreht und genial, dass es schwer war dies noch zu toppen, dabei übertrifft Saints Row 4 selbst dies bei weitem noch einmal. Während GTA die Spur des ernstzunehmenden Spiel eingeschlagen hat, geht Volition genau die andere Richtung.

Bereits in den ersten Spielminuten schlüpft ihr in die Rolle der Heldenfigur und springt auf eine Atombombe, um diese zu entschärfen. Dabei ertönt der Sound von Aerosmiths “I Don’t Want To Miss A Thing” und nach getaner Entschärfung werdet ihr zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika ernannt. Dabei könnt ihr über die Heilung von Krebs oder dem Besiegen des Welthungers entscheiden. Gerade als alles so schön an Fahrt gewinnt, passiert es…

Aliens greifen die Welt an und entführen euch und eure Crew. Ihr selber werdet in eine virtuelle Version von Steelport (eurer Heimat) eingesperrt. Nun gilt es natürlich aus dieser Welt zu entkommen und den Aliens in den Arsch zu treten. Wer dabei jetzt an Matrix denkt, der wird sich freuen. Während dem Spielverlauf gibt es herrliche Anspielungen und diese sorgen immer wieder für einen gehörigen Lacher. Wie eben schon gesagt, der Entwickler Volition bleibt nicht auf dem ernstzunehmenden Weg. Dieser Entscheid erlaubt nun Saints Row sich von allem Realistischen zu lösen, welcher am Ende des dritten Teils noch vorhanden war. Gerade einmal knapp eine Spielstunde lässt das Spiel einen glauben, dass es noch den alten Regeln folgt, welche sich dann allerdings in Luft auflösen. Wie in Matrix, ist nun auch in der virtuellen Welt von Steelport alles möglich. Dabei bleibt der vierte Teil von Saints Row seinen Urinstinkten treu. Deshalb klaut ihr Autos, überfährt Passanten, legt euch mit der Polizei beziehungsweise Aliens an und sorgt einfach mal wieder für massenweise Chaos in der Stadt.

Die Aliens sind aber nicht die einzigen Neuerungen. Steelport ist gross und selbst mit dem Auto braucht der Spieler einige Zeit, um mal schnell von A nach B zu gelangen. Gäbe es doch nur eine Möglichkeit sich schneller als die Fahrzeuge zu bewegen oder ein Hochhaus leichter zu erklimmen. Da ja einem in der virtuellen Welt keine Grenzen gesetzt sind, dürfen wir unserem Helden gleich noch ein paar Superkräfte verpassen. In Saints Row IV beinhalten diese unter anderem schnelles Sprinten, sehr hohes Springen und Kräfte wie Telekinese, Eisblitz oder Feuerbälle werfen. Die Fähigkeiten nehmen im Laufe des Spiels zu und werden durch Updates verbessert. Nach ein paar Spielstunden ist ein Haus kein Hindernis mehr, sondern die perfekte Sprungschanze, um schnell die Spielkarte zu überqueren. Ein Fahrzeug funktioniert nun neu als Waffe, anstelle als Fortbewegungsmittel, da ihr zu Fuss wesentlich schneller seid.

Natürlich darf in Saints Row eines nicht fehlen: Ein riesiges Arsenal an Waffen. Die Waffenvielfalt ist wieder sehr beachtlich und kann neben den üblichen Verbesserungen auch im Aussehen verändert werden. Die Kombination aus Waffen und den Superkräften sorgen dafür, dass jeder Kampf und jede Minute in Saints Row zum absoluten Spass wird.

Die Story hält dabei wirklich vieles bereit. Von einer TRON-artigen Battlezone bis zum einfachen Gekloppe auf der offenen Strasse ist alles vorhanden und sorgt für eine gehörige Portion Abwechslung. Neben der Hauptmission gibt’s natürlich massig Nebenmissionen, die durch die einseitige Wiederholung dann aber eher eintönig und langweilig wirken. Ganz nach dem Vorbild: “Geh nach A und tu das“. Aber selbst die trägen Nebenmissionen machen mit den aufgepimpten Superkräften ordentlich Spass. Da es in der ganzen Stadt noch versteckte Gegenstände zu finden gibt, hat der Spieler vor allem auf dem Weg zu einer Mission Zeit, alles um sich herum ein zu sammeln.

Leider hat aller Spass seine Grenzen und dies wird besonders bei der Framerate ersichtlich. Bei einem Überschalllauf kann es schnell mal vorkommen, dass all die Autos, Menschen und die schnelle Bewegungen die Framerate zum einknicken bringt. Schlussendlich trübt dies euren Spielspass nur bedingt. Das Wechseln des Settings und die vielen Anspielungen auf diverse Games und Filmen sorgen immer für Lacher. Neben Matrix, das ich bereits angesprochen haben, werden zu einem die Anspielungen auf Crackdown, inFamous, Prototype und Mass Effect bekannt vorkommen und machen das Saints Row 4 richtig amüsant. Entgegen, dass die Entwickler manchmal eine Szene 1:1 übernommen haben, steckt viel Eigenkreation dahinter und dies ziehen sie auch durch. Es ist schlichtweg herrlich all dies mit zu erleben und das Gefühl von einem billigen Abklatsch ist nie vorhanden.

Eines ist aber unverkennbar, das Zeitalter der jetzigen Konsole neigt sich dem Ende zu und es wird Zeit den Platz den neuen und besseren Konsolen zu überlassen. Mehr geht leider nicht und dennoch wurde so viel in den vierten Teil reingesteckt, dass gewisse Patzer einfach vorprogrammiert waren. Nun gerade weil das Spiel nicht perfekt ist, macht es so enorm viel Spass, da die wichtigsten Schwerpunkte, wie Steuerung und Story, überaus gelungen sind und wunderbar funktionieren.

Fazit

Saints Row 4 sorgt wieder einmal mehr für Chaos auf den Strassen von Steelport. Trotz der sehr gewagten Story und die sehr offensichtlichen Anspielungen auf gewisse Spieltitel, kann keiner sagen, dass alles nur geklaut ist. Volition inszeniert die Szenen so, dass es nicht als billiger Abklatsch sondern als geniales Recycling angesehen werden kann und verarscht sich dabei immer wieder selber. Ein paar Schwachstellen weist auch Saints Row 4 auf, allerdings dämmen diese den Spass am Zocken überhaupt nicht ein. Dank den Superkräften und den Aliens ist Saints Row IV nicht einfach eine einfache Fortsetzung des Vorgängers, sondern nimmt das Beste aus dem dritten Teil raus und setzt eine weitere Ladung oben drauf. Es enstand ein Spiel, bei dem man einfach nur breit grinsen kann. Wer wirklich noch einmal Spass mit seiner Xbox 360 oder PlayStation 3 haben möchte, bevor diese dann abgelöst werden, macht mit Saints Row 4 sicherlich nichts falsch.

85%

Abgedreht genial


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Über den Autor

Zockt seit der Kindheit auf allem, was ein paar Knöpfe und ein Steuerkreuz hat. Besondere Vorlieben ist alles was Spass macht. Von der Plastikgitarre bis zum coolsten Shooter wird dabei nichts ausgelassen. Alles wird probiert. Gamet seit der GameBoy auf den Markt gekommen ist und ist seit 2006 Mitglied des GameCity Teams. Gaming Motto: Erst zocken, dann urteilen!



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