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Veröffentlicht am 27. Oktober 2014 von William Eichele

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Sunset Overdrive

Mit Sunset Overdrive wagt Microsoft zusammen mit Insomniac Games ein gewisses Risiko einzugehen, denn nicht immer starten neue IP’s voll durch. Das mag mit Watch Dogs & Destiny zwar anders ausschauen, doch liefen bei diesen neuen Marken die Marketingmaschinerie einiges länger als es bei Sunset Overdrive der Fall ist. Doch bewundere ich, persönlich, den Schritt von Microsoft. Viel zu viele Spieleserien stützen sich mittlerweile auf die Zahl 4 oder 5. Manche ändern gar dieses Verhalten aufgrund solch hoher Zahlen und nehmen von nun an nur noch Namen. Ich will aber solchen Spielen gar nicht ihre Kreativität und Qualität absprechen, so bin ich selbst ein grosser Fan der Assassin’s Creed Reihe.

Doch nun zum Spiel selbst. In Sunset City brachte ein renommierter Getränkehersteller ein Energie Drink, namens Overcharge, auf den Markt. Folge, Massenmutationen und eine stadtweite Quarantäne. Und selbstverständlich seid ihr einer derjenigen die noch nicht von diesem Gesöff gekostet habt und werdet erst einmal von der gesamten Situation überrascht. Doch bevor Ihr in die verrückte Aktion startet dürft Ihr euch in einem umfassenden Editor aus 2 Geschlechtern,  je 2 Staturtypen und 18 Gesichter verschiedenster Ethnie einen Charakter erstellen. Dazu kommen noch verrückte Kleidung, Haarschnitte und Linsen. Doch was nun? In kurzem Tutorial flüchtet ihr von einer brennenden Zugstation über Sonnenschirme, Auto’s und Hotdogstände hüpfend an Gebäuden hoch oder entlang um danach diese wieder hinunter zustürzen. Landen könnt Ihr nebst dem üblichen und langweiligen Betonboden auch auf Stromleitungen, Zuggleisen oder einfach Kanten aller Art um auf Ihnen in bester Skatermanie zu grinden… ohne Skateboard versteht sich. Ihm Spiel dreht sich ein Grossteil um die schnelle Fortbewegung auf verschiedenster und verrückter Art, welche nach kurzer Eingewöhnphase auch sehr gut klappt. Seit ihr in eurem Appartement angekommen trefft Ihr am nächsten Morgen auf Walter, seines Zeichens Badass vom Dienst und eure erste Kontaktperson nach den Geschehnissen voriger Nacht.  Zusammen mit ihm lernt ihr den Rest eurer neuen Postap0kalyptischen Familie kennen.

Weapons, Amps und Schwachsinn * 3

Da wären Flyod, der Mann für Verbesserungen eurer Waffen und Charakterfähigkeiten sowie Two-Hat Jack, der Waffennarr. Bei letzterem kriegt ihr eines der Markenzeichen des Spiels in die Hände gedrückt, die Waffen. Ein Bowlingkugelwerfer, TNTeddybären oder fliegende Selbstschussanlagen, um einige Beispiele zu nennen. Dazu kommen die sogenannten Amps, Verbesserungen die bei Flyod hergestellt werden können um euren Waffen zusätzliche Effekte zu geben. Sollen Schallplatten zusätzlich Gegner einfrieren? Das einem Phallus ähnelden Gewehr mehr Schaden beim grinden anrichten? Oder sollen gleich ganze Raketen aus erledigten Gegner hevorschiessen? Was ihr wollt, alles kein Thema, den bei Flyod kriegt ihr’s. Zusätzlich können weitere Fähigkeiten für euren Charakter freigeschalten werden. Diese wären zum Beispiel Tornados für die Nahkampfwaffe, eine Schockwelle bei der Ladung auf dem Beton oder flammen spuckende Grindmöglichkeiten. Dies wird zusammengehalten vom sogenannten Style. Dieser belohnt euch nicht nur für Variation im Waffenarsenal, sondern füllt sich auch desto kreativer ihr mit der Umgebung umgeht. Die Belohnung dafür, sind eben diese vorhin beschrieben Fähigkeiten, die Charakteramplifier. Doch dass ist noch nicht das Ende der Fahnenstange, die Flagge kommt erst noch. Je nachdem wie Ihr spielt, sei es das Grinden, dass es euch angetan hat, eine Einzelschusswaffe oder lieber die automatische Waffen. In Overdrives könnt ihr euch selbst für euren Spielstil belohnen. Mehr Munition, mehr Schaden oder mehr Stylebonus. Wie ihr’s mögt belohnt ihr es euch auch.

Doch um diese Amps überhaupt herzustellen müsst ihr in Nachtmissionen Maschinen, auf dem Bild zwischen den zwei pinken Sonnenschirmen, die diese Verbesserungen für euch “kochen”, beschützen. Auf jeweils festgelegten Orten müsst ihr die verschiedenen Zugänge zu eben diesen Maschinen mit Fallen sichern und mit euren Waffen und Leben verteidigen. Die Fallen schenken sich natürlich in Punkto Kreativität nichts und sind vom gleichen Schlag wie Waffen & Co. Ist vor Ablauf der Zeit die Maschine ihrer Ampullen entledigt worden, habt ihr verloren. Schafft ihr es, erwartet euch Flyod freudig mit einer neuen Ladung an abgefahrenen Amps. Jede Kombination bring euch so eine veränderte Spielweise.

Scheiss auf die vierte Wand!

Egal wie Ihr es wollt, alles geht dabei in wunderschönen Effekten und Explosionen auf, dass selbst bei Massen an Gegner. Hier merkt man definitiv, dass wir in der nächsten Konsolengeneration angekommen sind. Doch ist die Präsentation des Spiel nicht einfach nur bunt, effektgeladen und mit einer grossen Priese, positiv, übertriebenem Hollywood gesegnet. Ein sehr unterhaltsames und kreatives Element der Entwickler, ist das regelmässige brechen der vierten Wand, sprich das Bewusstsein des Hauptcharakters das er gerade in einem Spiel ist. Sogar das offensive Ansprechen und Zeigen, dass es Ihr und auch er weiss, ist keine Seltenheit. Dies kann auf subtile Art passieren, in dem der Protagonist nach einem neu erlernten Move meint :” Hey und dafür musste ich nicht einmal bei GameFAQ nachschauen” oder sehr aktiv in dem er einem Gegner das Waffenrad, aus welchem ihr eure Waffen wählt, ins Gesicht drückt um Ihn zu bedrohen. Egal wie dieses Element zum Einsatz kommt es ist beinahe immer überraschend, kreativ und sehr witzig verbaut. Generell ist der Humor eines der tragenden Säulen des Spiels, an jeder Ecke lässt der Protagonist des Spiels einen sarkatischen, ironischen oder die vierte Wand ignorierenden Spruch ab. Dabei schenken Sie sich selbst nicht und das Spiel nimmt sich selbst nicht Ernst, was das ganze sehr charmant macht. Dazu kommt dass es die Entwickler schaffen, selbst unscheinbarste Elemente für einen Witz einzuspannen, was die Sache oftmals herrlich abstrus und witzig macht.  Es spielt mit den Erwartungen des Spieler, sich gängiger Konventionen von Gameplay zu beugen, Konzepten und Regeln zu folgen auf welche es aber in herrliche Art und Weise pfeifft.  Selbst unsere schnelllebige Popkultur ist davon nicht gefeit. Bald findet Ihr Kommentare zu Internet, Serien oder Filme in manch simpler oder witziger Form wieder, die ich euch selbstverständlich an dieser Stelle nicht spoilen will. Selbstredend ist der Humor sehr subjektiv, und wer Sarkasmus und Neunmalkluge Sprüche nicht leiden kann, wird ab und zu die Augen verdrehen. Doch versäumt es auf keinen Fall die Brüche der vierten Wand zu begutachten!

Das bringt mich zu den anderen Überlebenden der Apokalypse. Nebst Überlebenden die leider des öfteren repetitive Nebenmissionen für Geld, Kleidung, Overcharge für Waffen und neue Fallen anbieten, gibt es noch verschiedene Fraktionen. Da wären die Pfadfinder, die verwöhnten Collegestundenten oder die LARP’er (Live Action Roleplay) etc. Die Personalitäten der jeweiligen Gruppenmitglieder entspringen oft dem einen oder anderem Klischee. Der Muskelprotz ohne Hirn, der clevere Asiate ihr wisst schon. Doch sind diese, obschon der nicht gerade besonderen hübschen Gesichtsanimationen, meist charmant und gewinnen euch ab und an auch ein Lächeln ab. Mit diesem schrägen Gespann an Charaktere spinnt sich eine durchgeknallte und witzige Story, die besonders durch die abwechslungsreichen und irrsinnige Hauptmissionen besticht. Kaum ist der eine Wahnsinn beendet, freut man sich schon wieder auf den nächsten Trip und sieht freudig dem nächsten Schwachsinn entgegen. Schade nur, das nach absolut jeder Tätigkeit das Briefing für die nächste Mission einem von neuem vorgetragen wird. Wer sich also gerne Nebenmissionen fröhnt, muss sich an gewisse Sätze wohl gewöhnen. Apropos Nebenbeschäftigungen. Diese gibt es in Sunset City reichlich. Sammeln von Objekten für Hintergrundinformationen oder neue Amps, Challenges und die erwähnten Nebenmissionen. Vom letzteren gibt’s viele und auch dort werdet ihr von dem einen oder andere schrägen Vogel erwartet. Des Öfteren erhaltet ihr aber leider nur einfache Sammel- und Tötungsaufgaben. Einzelne Perlen finden sich aber dennoch darunter. In den Herausforderungen gilt es gewisse Wege entlang zu grinden, Bomben in einer festgelegten Zeit zu platzieren, auf vielfältige Art zu töten oder nochmals eine Verteidigungsmission in der Nacht zu wiederholen um möglichst viele Punkte zu sammeln. Ärgerlich ist nur, dass keine direkte Anzeige dem Spieler Auskunft über schon erledigte Challenges auf der Map gibt. Dafür muss man bei jedem Punkt einzeln “X” drücken oder  in ein Untermenü nachsehen. Von diesem aus dürft ihr aber die Herausforderung  direkt starten. Alle Missionen greifen auf das sehr gut funktioniereden Fortbewegungssystem zurück, welches zwar zu Anfang etwas gewöhnungsbedürftig erscheinen mag. Ein Stunde sowie ein paar Fähigkeiten später gleitet, grindet und hüpft ihr wie ein Profi durch die Strassen von Sunset City während Massen von Overcharge Trinker links und rechts von euch in den Beton beissen.  

Multiplayerchaos pur

Im einem sogenannten Chaos Squad dürft ihr sobald ihr eine Fotoautomaten aufgesucht habt mit bis zu 8 Spieler die Stadt gleichzeitig unsicher machen. Nach 5 demokratisch gewähl- und absolvierten Missionen, welche allesamt unterschiedlichste Aktivitäten bieten, dürft ihr gemeinsam in der Nacht eine Basis verteidigen. Auf dem Weg dahin solltet ihr aber sorgfältig die Missionen wählen, denn jede erledigte Mission gibt euch gewisse Vorteile in der Nacht. Stärkere Fallen, mehr Schaden gegenüber einem bestimmten Gegner etc. Zusammen bestimmt ihr über die Boni. Doch eines ist von Anfang an sicher, der Name Chaos Squad, trifft den Multiplayer auf den Punkt genau. Explosionen, Effekte, Blut und Munition schiessen euch an allen Ecken und Enden entgegen und das in flüssigen 30 frames per second. Seid ihr erstmals in einer Nachtmission unterwegs gewesen, werdet ihr staunen was diese Spielengine so alles aushalten kann ohne den geringsten Ruckler. Es ist ein wahres Fest!

Leider aber ist ohne Vorwissen und denn entsprechend motivierten, sowie ausgerüsteten Teammitglieder, nicht wirklich gut Kirschen essen.  Falls ihr es doch schaffen solltet, winken nebst Geld und Klamotten, sogar Waffen. Dieses lassen sich dann wiederum mit in den Singleplayer nehmen, nett. Das Ganze wird mit einem Punktezähler entschieden. Frei nach “ein armigen Banditen” dürft ihr mit einer gewissen Punktezahl 1-5 mal das Zufallsrad drehen. Die optionalen Nebenziele der vorher gegangenen Missionen entscheiden über die Multiplikatoren. Doch so schön und belohnend dass alles sein kann, wenn man den Modus erst einmal abschliessen kann. So ist es doch ein grosser Wermutstropfen, das die Schwierigkeit des Multiplayermodus leider nicht angepasst werden kann. Ähnlich einem Raid aus World of Warcraft oder Destiny, werdet ihr laut Entwickler den Modus kaum alleine oder zu zweit abschliessen. Wobei auch schon bei Destiny, dass gegenteilige bewiesen wurde. Doch für den Otto Normalspieler wird dies kaum eine Option sein, schade!

Fazit

Sunset Overdrive ist schnell, chaotisch und voller Humor. Die effektgeladene und flüssige Grafik zeigt in mitten der Gegnerhorden was Next-Gen bedeutet, dass selbst bei bis zu 8 Spielern. Das Spiel bietet abwechslungsreiche Missionen und eine irrwitzige Story. Die Nebenmissionen können, mit Ausnahmen, oft aber etwas monoton wirken. Die Kreativität, die die Entwickler bei dem Humor zeigen, spricht für sich und ist auf jeden Fall mal eine Probe wert. Zudem funktioniert die Fortbewegung 1A und animiert einem noch verrücktere Kombo's und Kill's zu versuchen. Der Multiplayermodus ist, sofern man mit 8 gut ausgerüsteten Spielern unterwegs ist, ein Fest und strotzt nur so vor Chaos und Wahnsinn. Respekt an die Engine Entwickler, die es bei diesem Effekte Feuerwerk geschafft haben, das Ganze flüssig zu halten.

90%

Humor, Chaos und Explosion


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Über den Autor

Hat mit 6 Jahren seine erste Konsole vom grossen Bruder geschenkt bekommen womit sein Schicksal besiegelt wurde. Mag ausser Sportspielen eigentlich alles unter der Sonne, solang es einen packt. Am liebsten aber nicht all zu rohe Rollenspielkost sowie Action-Adventures und definitiv Halo. Hasst auf Touchscreen emulierte Joysticks/Tasten und schwört auf den Controller...bis jetzt.



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