Testlabor Tearaway

Veröffentlicht am 20. November 2013 von Michel Blind

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Tearaway

Spiele für die PlayStation Vita sind rar gesät und wenn dann endlich mal vielversprechende Titel für Sonys Handheld erscheinen, sind es meist nur lieblose Portierungen. Tearaway blüht dieses Schicksal wohl nicht, denn hinter diesem lebendigen Game stecken die Macher von Little Big Planet, die bereits mit ihrem Vita Ableger eines der kreativsten Jump’n'Run überhaupt ablieferten.

Aus Papier und stolz darauf
Darf ich vorstellen, der kleine Strahlemann hier heisst iota. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht mir einen Brief zu überreichen. Was darin steht? Das weiss ich auch nicht. Um sicher zu gehen, dass die Botschaft aber sicher bei mir ankommt, schaue ich von der Sonne auf iota herab und helfe ihm bei seiner schwierigen Mission. Der kleine Bote hat es nämlich nicht so einfach, denn er und die ganze Umgebung um ihn herum besteht ausschliesslich aus Papier. Wie ihr wisst, ist Papier nicht gerade das robusteste Material, dafür aber vielseitig einsetzbar und veränderbar. Genau das macht sich iota auch zu seinem Vorteil. Gut zu wissen: Wer zu Beginn die weibliche Figur auswählt, hat die Ehre mit atoi zu spielen.

Vom Zocker zum Designer
An Innovation fehlt es Tearaway ganz bestimmt nicht. Besonders die Steuerung wurde grossartig auf die Technik der PlayStation Vita ausgelegt, wodurch alle Möglichkeiten ausgeschöpft wurden. Sei es das Touchscreen, das hintere Touchpad, das eingebaute Mikrofon oder die Bewegungssensoren der Vita, das knuffige Jump’n'Run bietet in jedem Abschnitt etwas neues. Auch die zwei Kameras kommen tatkräftig zum Einsatz, so grinst der Spieler jederzeit von der Sonne auf iota herab. Da unsere Figur schon ziemlich früh eine Kamera überreicht bekommt, kann er im Spiel, aber auch in unserer Welt Bilder aufnehmen. Das Letztere eignet sich besonders dafür, um manchen Gegenständen oder Tieren ein individuelles Muster zu verleihen. Alle Fotos werden abgespeichert und stehen für die Hobbyfotografen jederzeit zur Ansicht bereit.

Bastelfreunde kommen nicht zu kurz, in Tearaway sollen nämlich auch eigene Kreationen erstellt werden. Dafür steht euch ein virtueller Werktisch zur Verfügung auf dem ihr aus Papier beliebige Dinge ausschneiden und verzieren könnt. So müsst ihr nicht nur gewissen Figuren etwas basteln um weiterzukommen, sondern könnt euren eigenen Charakter so gestalten, wie ihr das möchtet. Das klappt an sich wunderbar, einzig beim Vorzeichnen auf das Papier ist der Bildschirm der Vita etwas zu klein beziehungsweise manche Finger einfach zu gross. So kann es halt vorkommen, dass ein Stern eher einer verbogenen Sternschnuppe gleicht – aber was solls!

Natürlich ist in der virtuellen Welt nicht alles so fröhlich, wie es zunächst scheint. Da wir als Spieler ein Loch in diese Welt geöffnet haben, dringen unzählige Schnippsel in iotas Welt. Durch gekonnte Bewegungen sind diese aber nur selten ein Problem und sind schneller vernichtet, als sie aufgetaucht sind. Da sind die vielen Verstecke, in denen Geschenke auf uns warten, schon etwas schwieriger zu finden. Manchmal muss man einen Abschnitt mehrere Male durchspielen, bevor es bei uns Klick macht und uns den versteckten Weg vor die Augen führt. Für beides sammelt iota Papierschnippsel, die er für neue Kreationen tauschen kann.

Leider sind die Abschnitte für geübte Spieler ziemlich einfach und nicht sonderlich gross, so dass das Spiel schon nach kurzer Zeit durchgespielt ist. Wer allerdings alle Verstecke ohne Hilfe finden möchte, darf sich auf viele Spielstunden gefasst machen. Die Level können zwar einzeln ausgewählt werden, das Spiel büst beim erneuten Durchspielen aber etwas an Reiz ein, da sich manche Sequenzen oder Konversationen nochmals angeschaut werden müssen.

Bastelstunde
Nicht nur im Spiel kann der eigenen Kreativität freien Lauf gewährt werden, sondern auch im realen Leben. Wer in Tearaway die Augen offen hält und bestimmte farblose Dinge fotografiert, erhält genau dieses Objekt als Bastelobjekt zum Ausdrucken. Dazu zählen sich die knuffigen Eichhörnchen, Hirsche, Bäume, iota selbst und vieles mehr. Wer mag kann diese dann nach Lust und Laune selbst verzieren und auf seinem Schreibtisch (oder überall im Zimmer) aufstellen. Die freigeschalteten Vorlagen stehen automatisch in eurem Tearaway Profil im Internet zum Download bereit.


Geboren im Regenbogen
Die Optik von Tearaway lässt keine Wünsche offen und bietet dem Spieler ein herrlich inszeniertes Jump’n'Run Game, das wohl aus einer Farbenexplosion entsprungen ist. iota selbst kann zwar nicht sprechen, wächst aber dank seines knuffigen und veränderbaren Aussehens schnell ans Herz. Musikalisch hat mich Tearaway nicht überzeugen können, denn in manchen Abschnitten ging mir das pausenlose Getröte ziemlich auf den Senkel. Trotzdem zeigen die Jungs und Mädels von Media Molecule wieder mal, dass der Einsatz von Kreativität und Experimentierfreude kein Verbrechen ist, davon sollten sich so manche Entwicklerstudios (oder die auf Kommerz ausgelegten Publisher) eine Scheibe abschneiden!

 

Fazit

Trotz schwachem Schwierigkeitsgrad kann Tearaway sehr überzeugen. Die kreativen Levelabschnitte und die Verwendung von allen Features der PlayStation Vita machen das Spiel zu einem Must-Play für alle Jump'n'Run Liebhaber. Auch wenn manche versteckten Geschenke zum erneuten Spielen anregen, ist Tearaway leider viel zu kurz. Aber wie ich immer sage: Lieber ein spassiges kurzes Spiel, als ein langes, das einem den letzten Nerv raubt. Hier dürft ihr also zugreifen!

85%

Schöner Scherenschnitt


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Über den Autor

Besitzt fast jede gängige Konsole, verbringt aber die meiste Zeit vor seinen Nintendo-Geräten. Er sammelt Pokébälle und jeden Mist, den man in versteckten Truhen findet. In Racing-Games, besonders in Mario Kart, macht ihm keiner was vor. Deckt sich wie verrückt mit Figuren aus der Gamewelt ein, mit starker Auswirkung auf sein Portemonnaie. Motto: Still Alive! (PSN: Benjiix4 / WiiU: Benjiix)



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