Testlabor The Witcher 2 Assassins of Kings

Veröffentlicht am 24. Juni 2011 von Robin Schwarz

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The Witcher 2: Assassins of Kings

The Witcher 2 galt als eine der Rollenspielhoffnungen schlechthin. Besonders nach dem eher guten als genialen Dragon Age 2 schien irgendwie klar: The Witcher 2 wird’s richten, The Witcher 2 wird dem Rollenspielgenre wieder einen absoluten Hit schenken. Auch in unserem Preview hat vieles in diese Richtung gedeutet, doch gewisse Fragen sind auch dort noch offengeblieben, die man jetzt beantworten kann. Ist The Witcher 2 tatsächlich der Rollenspiel-Messias?

Quo vadis, Rollenspiel?
Geralt von Riva oder in Englisch Rivia ist gealtert. Nicht unbedingt äusserlich, sondern geistig. Seine Sprüche sind kerniger, bitterer – der Mann hat Dinge erlebt, die man sich selber ausserhalb des Computerspielhobbies nicht wirklich wünschen würde. Doch das ist halt das Los der Rollenspielhelden. Rollenspiel? Ein Begriff, der in der letzten Zeit immer öfter diskutiert, immer mehr gedehnt und strapaziert wurde. Auch The Witcher 2 wirft die Frage „Wie geht’s weiter mit diesem Genre?“ auf. Zwar hat sich das Spiel von CD Projekt ziemlich klar für eine Richtlinie entschieden, aber sagt mit dieser auch, dass The Witcher 2 nicht der Tokugawa Ieyasu ist, der zusammen mit den anderen Rollenspielen die Spielergemeinde eint.
The Witcher 2 spielt sich nicht frei – man ist die meiste Zeit an ein Skript, an eine Quest kurz an die Story gebunden, die einem mehr oder weniger vorgibt was man zu tun und wo man zu sein hat. Es gibt also keine offene Spielwelt wie in Oblivion oder Risen. Das macht aber gar nichts, da es einen in der Dichte der Story und Nebenaufträge nicht wirklich  ständig in weit entfernte Gestade ziehen würde. Es scheint logisch dort zu sein wo ihr euch befindet.
Und wo ihr euch befindet, gibt es meistens Ärger. Im Falle von The Witcher 2 droht wieder einmal Krieg. Ein drohender Krieg ist in der Fülle der Weltrettungsstoies, böser Übermagier und ringeschmiedenden Halbgöttern eine erfrischende Auflockerung. Schon im Preview hat sich abgezeichnet, dass sich das Spiel eher wie ein Historiendrama zockt. Und so sieht es auch in der fertigen Version aus. Auch wenn es für Einsteiger schwierig sein wird hinter die wahren Begebenheiten des politischen Ränkespiels zu gucken, macht es doch ungeheuer Spass so langsam durch die Wirrungen zu blicken. Auch Rassismus und soziale Ungerechigkeit spielen keine unerhebliche Rolle.
Die ganze Geschichte beginnt im Prolog mit einem kindischen Kleinkrieg, einem unnötigen Krieg. Geralt befindet sich kurz nach diesem Konflikt in einem Gefängnis wieder und wird von Vernon Roche befragt – und so beginnt ihr eure Erzählung und spielt die Rückblicke gleich selber. Wie in Dragon Age 2. Das ist aber nur zu Beginn so, später übernehmt ihr den Hexer aus der Gegenwart.

Mein Charakter
Auch schon nach dem Preview durfte man vermuten, dass The Witcher 2 nicht mit Statistiken und zahlen um sich werfen wird. Das heisst Old-School-Rollenspieler, die sich noch Zahlenwände und unzählige Stats gewohnt sind, werden hier nicht bedient. Das hat Vor- und Nachteile. Einerseits hält sich so das Interface angenehm schlank und unkompliziert, andererseits werden so auch die Spielmöglichkeiten eingeschränkt. So könnt ihr im Grunde genommen jede Türe öffnen und jede Truhe – damit einher geht auch das Fehlen von Reaktionen seitens der NPCs. Es kann gestohlen und eingebrochen werden wo man will, Konsequenzen gibt’s keine. Das ist aber eine Tugend, die viele Rollenspiele heutzutage ebenfalls vermissen lassen. Schade.

Die Charakterentwicklung ist eher simpel und wartet mit verschiedensten Fähigkeiten auf, die das Spielgeschehen aber nicht tiefgreifend verändern, sondern dezent beeinflussen. So etwas wie eine Verskillung ist also kaum möglich. Auch im späteren Spielverlauf hilft es euch zwar, wenn ihr euren Geralt richtig geskillt habt, aber dramatische Veränderungen muss man nicht erwarten. Das ist modern, unkompliziert und übersichtlich, wird aber den alten Hasen im RPG-Geschäft weniger gefallen. Allgemein spielt sich The Witcher 2 eher wie ein Action Adventure als ein Baldur’s Gate 2.

Kämpfe leicht gemacht?
Das Kampfsystem schwankt, wie schon im Preview angesprochen, zwischen Taktik und Arcade. Gerade gegen wenige und schwachgepanzerte Gegner kann man mit hektischem Dauergeklicke schnell zum Sieg kommen. Anders aber bei Schergen, die sich mit Turmschilden vor euch aufbauen und euch schnell zu Boden bringen, wenn ihr nicht aufpasst. Mit einigen Magiesprüchen könnt ihr aber ziemlich Schaden anrichten und Gegner aus dem Gleichgewicht bringen – Aber Achtung, diese Zauber wollen weise eingesetzt werden.
Blocken ist nun möglich – leider wird das noch etwas stiefmüttelrich behandelt und reagiert teilweise schlecht oder zu spät.

Schwertergeklirr und Gefluche
Dafür punktet The Witcher 2 aber in Sachen Dialoge und Lokalisierung. Zwar sind die Zwiegespräche lange nicht so detailliert und tiefgreifend wie bei der Konkurrenz von Bioware, dafür kurz, prägnant und (vor allem in der englischen Version) unheimlich gut vertont. Geralt bringt so manch bitteren und sarkastischen Spruch, die Soldaten sind etwas dümmlich, Bettler und Handwerker lästern und streuen Gerüchte, Hauptmänner beleidigen ihre Mannschaft und so weiter. Sehr schön, so muss das klingen! Auch Soundeffekte und besonders der wunderschöne Score wissen zu begeistern. Schon alleine wegen des Soundtracks lohnt es sich, eine Limited Edition zu kaufen.

Fazit

Singleplayer
Gameplay
Motivation
Grafik
Audio

The Witcher 2 ist das bisher grafisch schönste Rollenspiel auf dem Markt und überholt das mittelmässige Dragon Age 2 um Meilen. Es wartet mit einer faszinierenden Story auf, die nicht so monumental ausfällt, sondern eher an ein Drama im kleineren Rahmen erinnert und gerade darum so erfrischend ist. Mit 20-30 Stunden Spielzeit ist The Witcher 2 zwar nicht so ausschweifend ausgefallen wie andere aktuelle Rollenspiele, bietet dafür aber einen tollen Spannungsbogen (mit einem etwas enttäuschenden Ende) und viel Spass.

4.2


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