Testlabor To Thee Moon

Veröffentlicht am 12. Oktober 2012 von Gero Galati

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To The Moon

To The Moon – so lautet der Titel eines Projektes von Freebird Games. Das Spiel erschien bereits letztes Jahr auf Englisch. Anfang dieses Jahres erschien es dann ebenfalls als deutscher Download und seit einigen Wochen steht es in den Regalen – dazu gibt’s sogar noch die geniale Soundtrack-CD. Das Spiel ist also schon längere Zeit im Handel erhältlich. Leider konnte ich das Spiel erst kürzlich durchspielen und war so begeistert davon, dass ich unbedingt noch ein Review dazu schreiben muss.

Zum Mond
Fragt ihr die kleinen jungen Buben und Mädchen nach ihrem Traumberuf, so findet man bestimmt immer jemanden der Feuerwehrmann, Polizist, Lokomotivführer oder eben Astronaut werden möchte. Denselben Traum vom Astronauten hat unser Patient „Johnny“. Johnny ist ein alter Mann, der nur noch wenige Tage zu leben hat. River war seine Frau, die leider verstorben ist, doch ihr Grab findet sich hinter dem Haus neben einem einsamen Leuchtturm. Da sich Johnnys Traum leider nie erfüllt hat, müssen wir dafür sorgen, dass er sich dies wenigstens einbildet, als hätte er es geschafft zum Mond zu fliegen.

Moderne Technik
Jetzt kommen wir ins Spiel. Dr. Eva Rosalene und Dr.Neil sind unsere steuerbaren Protagonisten. Beide sind Ärzte und arbeiten für die Sigmund Corporation. Sie besitzen eine Maschine, mit der sie die Erinnerungen von Patienten verändern können. Diese Erinnerungen werden so verändert, dass der Patient, wenn er danach aufwachen würde, wirklich glaubt, dass er sie erlebt hätte. Dies ist auch der Grund, weshalb diese Technik nur bei sterbenden Patienten verwendet wird.

Reise in die Vergangenheit

Damit unsere Ärzte die Erinnerungen verändern können, müssen sie zuerst einmal wissen, wie Johnny sein eigenes Leben in Erinnerung hat. So beginnen wir Johnnys Leben zurückzuverfolgen. Wir erleben also seine Geschichte nicht, wie sie sich wirklich abgespielt hat. Nicht, dass er mit sechs Jahren in die Schule ging, dann auf die High School kam etc., sondern rückwärts, angefangen mit seinen ca. 80 oder 90 Jahren. Dadurch wirkt die Geschichte sehr spannend. Manchmal erfahrt ihr Dinge, bei denen ihr nicht versteht, worum es geht und die einem seltsam vorkommen. Gelangt ihr dann aber immer tiefer in die Vergangenheit, hat alles einen logischen Sinn. Es gilt auch herauszufinden, weshalb unser Patient unbedingt zum Mond fliegen möchte, denn Johnny selbst weiss das selbst nicht so genau. Wir haben aber nicht lange Zeit, um dies herauszufinden, denn die Ärzte schätzen Johnnys restliche Lebenszeit auf gerade mal zwei Tage .

Memory Links
Um immer weiter in die Vergangenheit zu reisen, werden bestimmte Dinge gesucht, die Johnny besonders wichtig waren. Zum Beispiel kann das ein Fussball sein, den er mit 12 Jahren in seinem Zimmer hatte. Dieser Fussball wird nun sozusagen als Portal verwendet, um zwei Jahre zurückzureisen. Damals lag sein Fussball im Garten. Es wird also ein Gegenstand gebraucht, der mehrmals in seinen Erinnerungen vorkommt. Somit wären wir eigentlich auch beim Gameplay des „Spiels“ angekommen. Um eben ein solches „Portal“ aktivieren zu können, werden Memory Links, wichtige Dinge in seinem Leben,  benötigt. Hat man genügend davon gefunden, lässt sich das Portal öffnen und anschliessend gibt es ein mehr oder weniger einfaches Rätsel zu lösen. So geht es das ganze Spiel hindurch. Ihr befindet euch in einem Lebensabschnitt von Johnny, sucht wichtige Gegenstände und aktiviert das „Portal“. Somit gelangt ihr wieder in einen Lebensabschnitt, begebt euch wieder auf die Suche und so weiter. Einige wenige Minispiele lockern das Gameplay leicht auf.

Story
Mag dies nun für den einen oder anderen Gamer eintönig klingen, so muss gesagt werden, dass „To The Moon“ im eigentlichen Sinne auch gar kein Game sein soll. Denn das wichtige in diesem „Spiel“, wie man es auch immer betrachten will, ist nicht das Gameplay oder die Grafik (die sich übrigens in einem schönen 16-Bit Look hält) sondern die Geschichte an sich. Eine Geschichte die mit wunderschönen Szenen glänzt und mit passender, geschmacksvoller Musik untermalt wird. Die Geschichte handelt von: Liebe, Trauer, Glück, Freundschaft, unerfüllten Träumen, … und dies alles wird ausgelöst, weil ein Mann im Sterben liegt.
Ihr werdet immer wieder zum Nachdenken angeregt. Denn wenn wir die Arbeit von Dr. Neil und Dr. Eva Rosalene mal genauer betrachten, so ändern wir eigentlich nur Erinnerungen. Wir manipulieren für den Patienten die Vergangenheit und lassen ihn sein Leben so erleben, wie es gekommen wäre, wenn sich nur einige wenige Dinge geändert hätten. Aber es ist eben alles nur ein „Wenn“. Wenn sich dies geändert hätte, dann wäre es so gekommen, hätte sich dies geändert, dann wäre dies passiert. Doch Johnnys echtes Leben lässt sich eben nicht mehr ändern.

 

Fazit

To The Moon als Game zu bezeichnen ist eigentlich recht schwierig. Zwar besitzt ihr ein Inventar und Notizen, die gar nicht benötigt werden. Doch es ist auch nicht relevant, ob es nun ein Spiel ist oder nicht, es fesselt so oder so. Man kommt kaum mehr weg, wenn man einmal in den Bann der Geschichte eingesogen wurde. Als Bemerkung für die Leute, die nicht gerne viel lesen - auf eine Synchronisation wurde verzichtet. Ihr lest euch durch die ganze Geschichte. Ein Text folgt dem anderen. Doch die unterhaltsamen Gespräche zwischen Dr.Neil und Dr. Eva Rosalene sind sehr unterhaltsam und so schafft es das „Game“ trotz der ernsten Geschichte, immer wieder ein Schmunzeln aufs Gesicht zu zaubern. Bei der Umgebung wird sofort die Liebe zum Detail erkannt. Mag man besonders einfühlsame, emotionale Geschichten, hat nichts gegen viele Textzeilen und eine 16-Bit Grafik, dann liegt man mit diesem Spiel bestimmt richtig. Leider ist die Spielzeit von gerade einmal 4 -5 Stunden recht kurz. Doch für 25 Franken erhält man das Game plus Soundtrack-CD. Für alle Liebhaber dieses Spiels soll gesagt sein, dass eine Fortsetzung bestätigt wurde. Dann natürlich nicht mehr mit Johnny als Patienten. Doch auch alte Bekannte Personen sollen wieder auftauchen. Dr.Neil und Dr. Eva Rosalene sind dann wieder mit von der Partie. Somit schliesse ich dieses Review ab und freue mich schon sehr, wenn die Nachricht eintrudelt, dass der erste Trailer zum Nachfolger erschienen ist ;).

90%

Genial


Leserwertung: 4.6

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