Testlabor Tony Hawk Shred

Veröffentlicht am 10. Januar 2011 von Nicole Schibli

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Tony Hawk: Shred

Mit Tony Hawk: Ride erschien zum ersten Mal ein Spiel, das einen neuen Gamecontroller in Form eines Skateboards unterstützte. Auch das neue Tony Hawk: Shred ist wieder mit diesem Skateboard Controller spielbar. Im Handel ist das Spiel nur verhaltend gestartet und auch jetzt mehren sich die Meldungen, dass es sich einfach nicht verkaufen lässt. Was ist bloss der Grund dafür? Oder stimmen diese Meldungen gar nicht?

Schmerzhafte Erinnerung
An und für sich fand ich die Idee des Skateboard Controllers gar nicht mal so übel. Allerdings hatte ich schon so meine Bedenken wenn es um das Testen ging. Spätestens nachdem ich bei einer Trockenübung einfach mal auf das Brett stand, war für mich klar, dass wird der reinste Balanceakt. Als nicht Skater stand ich schon seit ich klein war mit Rollbrettern auf Kriegsfuss. Nicht zuletzt auch deshalb, weil ich mehr als einmal gleich Sterne sah, als ich mich mit den echten Rollbrettern mal wieder auf den Asphalt legte. Nun gut, zum Glück hat das Tony Hawk: Shred Board ja keine Rollen dran und zieht mir somit auch nicht gleich die Beine unterm Po weg. Zuerst ging es gleich mal an die Installation des Ganzen. Bei der Wii Version erhaltet ihr ein kleines Adapterkästchen, das ihr über einen USB Anschluss an die Wii anschliessen könnt. Dieser Adapter empfängt die Signale des Boards und leitet sie an die Konsole weiter. Wer schon einen Wii-Gitarrenkontroller für Rock Band oder Guitar Hero besitzt, dem dürfte dieser Adapter bereits bekannt sein. Das Board selbst besitzt keinen Akku und funktioniert somit nur mit vier Batterien. Umständlicherweise muss das Batteriefach mit einem Kreuzschraubenzieher geöffnet werden. Eine einfach Steckverbindung lag wohl im Preis nicht mehr drin oder aber sie wäre zu unstabil gewesen. An den Seiten des Boards befinden sich alle notwendigen Knöpfe und Funktionien, die eine Wiimote sonst auch hat. Nach einer kurzen Synchronisation ist das Board dann auch schon einsatzbereit.

Durchs Menü gewackelt
Um überhaupt ins Spiel zu kommen benötigt ihr am Anfang noch eine Wiimote. Sobald das Spiel gestartet ist, lässt sich auch das komplette Menü über den Skateboardcontroller steuern. Durch Gewichtsverlagerung schaltet ihr zwischen den Menüpunkten durch und mit einem Ollie (die Nase des Boards hochklappen lassen) bestätigt ihr die Auswahl. Leider fehlt es dem Menü dennoch etwas an Übersichtlichkeit und für einen Laien ist es am Anfang schwierig die Menüpunkte zu unterscheiden. Zu einfach, zu simpel wäre doch die Betitelung “Einzelspieler”, “Mehrspieler” und “Trainingsmodus”. Nein da müssen schon schickere Namen in Skatersprache her. Zum Glück fragt das Spiel gleich zu Beginn ob ihr ins Tutorial wollt oder schon Erfahrung habt. So könnt ihr als Anfänger euch von Tony Hawk himself in einem RL-gedrehten Video erklären lassen, was ein Ollie ist und wie ihr mit dem Board steuern müsst. Hier dürft ihr euch auch schon entscheiden in welchem Schwierigkeitsgrad ihr spielen möchtet. Im einfachen Modus ist euer Fahrweg, wie eine Spur vorgegeben, das erleichtert es sich auf die Tricks zu konzentrieren, gerade wenn das Gleichgewicht noch nicht so da ist. Im normalen Modus seid ihr etwas freier und fährt auch etwas abseits der Spur. Verlasst ihr sie jedoch zu sehr, dann zieht euch das Spiel wieder zurück. Zudem könnt ihr an Verzweigungen entscheiden ob ihr links, rechts oder in der Mitte fortfahren wollt. In der schwierigsten Stufe ist dann nichts mehr vorgegeben. Es liegt an euch wo ihr entlang fahren wollt.

Nichts als Training?
Als blutiger Anfänger und mit einem komplett neuen Spielstand, bietet Shred herzlich wenig an. Ihr spielt entweder das Tutorial durcho begebt euch in den Einzelspielermodus. Dort lauert auch gleich die nächste Enttäuschung. Gerade mal eine einzige Strecke ist verfügbar und um weitere freizuschalten müsst ihr diese Eine etliche Male absolvieren. Einmal reicht da nicht. Ihr müsst verschiedene Zeit- und Trickaufgaben auf ein und der selben Strecke lösen und nur, wenn ihr diese auch schafft, kommt ihr weiter. Das macht leider schnell keinen Spass mehr, wenn man sich noch sehr wackelig auf dem Board hält. Dabei bietet das Spiel durchaus viele Strecken an und sogar auch einige Snowboard Etappen sind dabei. Nur was nutzt das, wenn sie gesperrt sind? Selbst im Trainingsmodus könnt ihr nur auf den Strecken fahren, die ihr schon freigespielt habt. Mit dieser “Sperrpolitik” schafft sich Tony Hawk: Shred, zumindest bei neuen Fans oder neuen Spielern, keine Freunde. Erfahrene Skater und Spieler, die sich schon mit Tony Hawk: Ride vergnügt haben, dürften hier weniger Probleme haben und auch nicht so schnell frustiert sein.

Wackel-Dackel
Die Erkennungsrate des Boards ist sehr gut, auch ob das Brett an irgend einer Seite berührt wird für Tricks funktioniert tadellos. Grundsätzlich kann man Shred auch in einem kleinen Wohnzimmer spielen. Man sollte jedoch alle störenden Gegenstände wegräumen und sicher gehen, dass man sich nicht verletzen kann, falls das Gleichgewicht verloren geht. Ansonsten sind böse Stürze und zerstörtes Mobiliar die Folge. Grade als Anfänger fühlt man sich all zu oft wie ein kleines Wackel-Dackel Hündchen, das auf einer Kofferraumablage herumgeschüttelt wird. Wer sich das nicht antun will, der steigt vom Board und manövriert den Controller entgegen dem Sinn mit den Händen. Hier lässt sich die Bewegungssteuerung sehr leicht austricksen.

Strecken K.I.
Wird mit einer Streckenhilfe gespielt (einfacher Modus) kann es bei einem Sturz dazu kommen, dass das Spiel einen Punkt auf der Strecke wählt, der gleich wieder zu einem Sturz führt. Hier mangelt es dem Spiel etwas an geschickt gesetzten “Resetpoints”. Es hilft nämlich niemandem, wenn das Spiel direkt vor einer Parkbank weitergeht oder sogleich ein Gehsteigrand im Weg ist.

Kein Ende in Sicht
Auch etwas unpraktisch ist das Wegräumen des Spiels. Egal ob ihr frustriert abschaltet oder nach stundenlangem Spielen müde aufhört, der Skateboardcontroller lässt sich nicht ausschalten. Es gibt zwar einen Powerschalter an der Seite des Controllers, der auch schon gute Dienste beim Einschalten geleistet hat, aber beim Ausschalten passiert schlichtweg gar nichts. Dabei ist es völlig egal ob ihr lange drauf drückt oder nur kurz. Die einzige Möglichkeit den Skateboardcontroller auszuschalten liegt darin, das Batteriefach wieder aufzuschrauben und selbige zu entfernen. Wer darauf nicht achtet oder es vergisst, dessen Batterien sind beim nächsten Mal spielen komplett entladen.

Fazit

Singleplayer
Gameplay
Motivation
Grafik
Audio

Es wundert mich gar nicht, dass sich dieses Spiel so überhaupt nicht verkaufen soll und in den Regalen verstaubt. Ich habe Ride zwar nicht getestet oder gespielt, aber wenn das Spielkonzept das Gleiche war, dann können mit Tony Hawk: Shred & Ride lediglich Skater etwas anfangen. Anfänger oder einfach Interessierte bestraft das Spiel damit immer die Selbe langweilige Strecke zu fahren und dabei immer wieder die gleichen Tricks auszuführen, nur um dann doch nochmal die gleiche Aufgabe machen zu müssen, weil irgendwo etwas kleines noch nicht gestimmt hat. Wirklich unpraktisch ist auch der Controller. Man braucht Batterien. Wie wärs mit einem Akku gewesen? Man muss das Fach aufschrauben? Wie wärs mit einem Klickverschluss gewesen. Man kann das Board nicht abstellen ohne die Batterien zu entfernen? Also schnell mal ne Runde "shredden", wie es in der Skatersprache heisst. Das Spiel kann zudem nicht mal mit einem Controller gespielt werden. Das Shred-Skateboard ist zwingend nötig. So etwas enttäuscht einfach nur, gerade wenn man bedenkt wie viel für Spiel inkl. Controller an Geld ausgegeben werden muss. Grafisch ist das Spiel auf der Wii natürlich auch keine Augenweide, aber was noch fast schlimmer ist, ist der fehlende Sound. Es gibt nicht einmal unterhaltsame Musik. Wenn ihr die gleiche Strecke X-mal fahren müsst, wäre das wenigstens ein kleiner Trost gewesen. So muss ich sagen, lasst bloss die Finger von diesem Spiel. Es ist überteuert, frustrierend und bietet für sein Geld viel zu wenig Inhalt. Hier wird mit eurem Geld nur die Marke "Tony Hawk" bezahlt.

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Über den Autor

Uncharted addicted =^.^=



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