Testlabor Uncharted 3: Drake's Deception

Veröffentlicht am 24. Oktober 2011 von Cornelia Zogg

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Uncharted 3: Drake’s Deception

Nathan Drake ist zurück. Und wie! Und noch immer versucht er, das Geheimnis seines Vorfahren zu ergründen und jagt dabei von einem Ort zum anderen – quer über den ganzen Erdball. Gross angekündigt soll Uncharted 3: Drake’s Deception ein absolutes Meisterwerk werden. Die bereits bekannten Szenen scheinen genau das zu versprechen. Aber kann Uncharted 3 auch über längere Spieldauer wirklich das Adrenalin durch euer Blut pumpen? Hat Nathan das Zeug dazu, den Entdeckergeist und die Neugier in euch zu wecken? Ein kleines Versprechen bereits am Anfang – an Action haben Naughty Dog nicht ansatzweise gespart. Gleich in den ersten Minuten gibts eine gross angelegte Massenschlägerei, gefolgt von einem Flashback in Nathans Kindheit. Wir erfahren mehr über die Herkunft des coolsten Abenteuerers nebst Lara Croft und damit auch die Story, wie Nathan seinen Mentor und besten Kumpel Sully kennengelernt hatte. Bereits dort sparen die Macher nicht mit Wahnsinnsaction und schon dort entlockt mir das Spiel einige euphorische “WOAAAH”s.

Meiiiin Schatzzzz…
Nathan ist nach wie vor auf der Suche nach dem grossen Schatz seines Vorfahren Francis Drake, der damals im Auftrag von Königin Elisabeth aussegelte. Mehr will ich euch über die Story nun auch nicht verraten – nur noch eines: Nathan ist einmal mehr nicht der einzige, der hinter dem grossen Schatz von Francis Drake her ist. Eine geheime Organisation ist euch auf den Fersen und es steckt mehr dahinter, als sich Drake und Sully zu Anfang vorstellen können. Grundsätzlich kann ich hier sagen – oder muss leider anmerken: Teil 3 ist nicht gross anders als Teil 1 und 2. Viel hat sich nicht verändert, abgsehen von der unglaublich gepimpten Action, die euch im Spiel erwartet. In den ersten paar Stunden in denen ihr spielt, werdet ihr aus der Anspannung und der Euphorie kaum mehr raus finden. Eine Actionszene jagt die nächste, ein einstürzendes Haus folgt auf das Brennende und eure Waffen werden heiss laufen. Naughty Dog haben hier ein wahrhaft talentiertes Händchen für Action bewiesen. Die Szenen sind atemberaubend, die Kulissen einfach der Oberwahnsinn und die Ideen scheinen den Leuten im Entwicklerstudio definitiv nicht ausgegangen zu sein. Aber ab und an kommt da der fahle Beigeschmack auf, dass es die Macher dann doch ein Spürchen übertrieben haben. Je mehr sie einen drauf setzen, desto buchstäblich aufgesetzter wirkt es. Actiongeladen sind die Szenen aber dennoch, wenn ich auch ab und an lieb gemeint den Kopf schütteln musste, ab der aberwitzigsten Hangeleien und abgefahrenen Ideen.

Ach kommt schon!!
Die Schiessereien sind identisch zu denen aus den Vorgängern. Verschiedene Waffen, Handgranaten und eure blossen Fäuste sind hier eure Helferchen. Das Zielen geht leicht von der Hand und das switchen zwischen euren beiden Waffen und der Einsatz der Handgranaten läuft genauso gut und flüssig wie in den bisherigen Teilen. Nun, in den früheren Teilen waren die Gegnerschwälle bereits ausgeprägt. Es schien ab und an keine Ende zu nehmen bei den Ballereien. In Teil 3 setzen die Macher auch hier noch einen drauf. Teilweise gehen die Gegner einfach nicht aus, sodass es hier einfach nur noch nervte! Ich spiele doch keinen Shooter? Oder doch? Nach 45 Minuten endloser Ballerei, mit weiss nicht wie vielen Snipern, gemeinsam mit irgendwelchen Supersoldaten und einem knackigen Raketenwerfer, fühlt ihr euch dann schon langsam etwas veräppelt vom Spiel und hier kam von mir dann irgendwann, nachdem nach den Snipern, den Granatwerfern und den Supergepanzerten Railgun-Kriegern noch krassere Gegnerkombos auf mich einstürmten, der Ausruf: “Wollt ihr mich eigentlich verarschen?! Jetzt reichts!” -  Es ist einfach too much! Und auch hier muss gesagt werden: Die Macher haben wirklich grundsätzlich nichts falsch gemacht. Die Gegner sind abwechslungsreich, die Kampflocations ebenso und die Action kommt bei weitem nicht zu kurz. Aber es ist auch hier einfach, wie teilweise bei den Actionszenen einfach wieder zu viel des Guten. Wie eine Schachtel Pralinen, von der ich die ersten paar Stück begeistert herunterschlinge aber nach der Hälfte der Packung einfach nicht mehr kann. Es ist also auch hier das Mass, das mit der Zeit einfach zu voll ist.

Und warum mach ich das nochmal?
Die Motivation, um weiter zu spielen, kommt dann aber hauptsächlich von der Action. Denn die Story an sich hat mich persönlich zwar fasziniert, aber nicht dazu angeregt, wirklich aus dessen Grund weiter zu spielen. Zu schwammig sind Nathan’s Absichten. Zu seltsam und unerklärt seine Obsession für den Schatz, dem er auch weiter nachjagt, auch wenn alles seine Bekannten und Freunde seinetwegen in Todesgefahr schweben. Das meinen auch seine Freunde dazu, die ihn immer wieder fragen, warum er eigentlich dem Schatz so wie verrückt nachjagt. Das weiss er selber nicht so ganz. Was dem Spieler wiederum keine gültige Vorlage liefert, warum er sich denn da anstrengen soll. Aber wie gesagt, die Action ist so grossartig angelegt, dass das als Grund eigentlich reicht. Nathan Drake ist kein blosser cooler Abenteurer mehr, der mit Charm und Grips sein Ziel erreicht – er ist zu einem Superhelden mutiert, der aus den aberwitzigsten Situationen fliehen kann, seien sie noch so unrealistisch. Er ist nicht länger ein Mensch wie du und ich, der zwar über erstaunliche Fähigkeiten verfügt, aber trotzdem immer noch als normaler Typ rüber kam. Er ist ein Held. Ein Übermensch. Und so gestalten sich auch die Situationen, in die er gerät. Aber wenn ein Dreikäsehoch wie Nathan mal locker flockig mit seinen Fäusten eine halbe Piratenmanschaft voller Typen wie Arnold Schwarzenegger niedermacht, dann ist das doch ziemlich übermenschlich! Aber auch hier gilt: Schliesslich soll Action her! Und die ist sicher zweifellos auch hier vorhanden. Aber nochmals kurz zur Geschichte. Es ist hier wie erwähnt weniger das Ziel, das euch vorantreibt. Trotzdem sind die Zwischensequenzen sehr schön gelungen. Die Dialoge sind gewohnt witzig aber ebenso tiefgründig, vor allem auf die Freundschaft von Nathan und Sully wird Gewicht gelegt, was beiden aber vor allem Nathan dann doch wieder etwas Menschlichkeit zurükgibt.

Etwas Abwechslung muss sein
Das Gameplay an sich ist durchaus solide gelungen. Abwechlsung kommt bei den Hangeleien und den kniffligen Rätseln auf, die an Anspruch doch im Vergleich zu den Vorgängern schon ziemlich zugenommen haben. Der Hirnschmalz wird dann ab und an schon ein bisschen gefordert, allerdings nicht zu übermässig, so ist des Rätsels Lösung dann doch immer recht schnell gefunden. Falls ihr bei einem Rätsel wirklich nicht weiter kommt, bietet euch das Spiel nach einer Weile netterweise die Lösung an, falls ihr sie denn wollt: Ihr werdet gefragt, ob ihr die Lösung sehen wollt – wer mit Ja antwortet, kriegt die dann auch ohne Abzüge oder Nebeneffekte serviert. Die Shootersequenzen sind wie erwähnt schon ziemlich lang geraten und können euch irgendwann auch gewaltig zum Hals raushängen. Das meint sogar einmal Nathan selbst während des Schiessens, wenn er laut ruft: “Jetzt habe ich dann aber die Schnautze voll!” Mein Kommentar dazu war dann bloss etwas nüchtern. “Ach, wirklich?” Weil mir ging’s schon da bisweilen zu weit mit dem Waffengebrauch. Aber vor allem spassig und nebenbei auch Kernstück der Franchise ist wohl das Klettern. Die halsbrecherischen Hangeleien an den unmöglichsten Orten und Stellen sind es, die dem ganzen SPiel den Charakter und die Würze verleien. Leider gibt es da einen kleinen Haken: Die Steuerung. Manchmal so ungeschickt ausbalanciert, dass ihr an einem Ort stecken bleibt oder einfach irgendwo ins Nirgendwo springt und dann das Zeitliche segnet. Vor allem in Hangeleien auf Zeit, bei denen euch etwas oder jemand dicht auf den Fersen ist, kann das oftmals zu kleinen Frustmomenten führen, wenn euch die Steuerung einmal mehr das Leben kostet. Mit den Analogsticks ist es einfach ab und an schwer, den richtigen Winkel für den Absprung zu finden oder zu treffen. Das ist dann ab und an doch sehr mühselig.

Zusammen machts NOCH mehr Spass
Der Multiplayermodus von Uncharted 3 ist bereits schon jetzt eine legende. Und wirklich. Der Multiplayermodus hat es in sich und bietet Spass pur. Sei es online, wie der eine oder andere bereits in der Beta testen konnte, aber auch offline als Kampagne zu Zweit gegen NPCs. Online stehen euch zahlreiche Maps und Modis zur Verfügung, ebenso im Splitscreen-Modus. Eines vorweg: Der Multiplayer macht gewaltig Spass. Detailierte Infos zum Multiplayer findet ihr in unserem Firstlook zur Multiplayer-Beta. Es gibt aber einige Möglichkeiten, euch online oder im Splitscreen ein schönes Weilchen zu unterhalten – wenn euch die Action aus dem Singleplayer doch noch nicht genug ist!

Der pure Wahnsinn fürs Auge und Ohr
Optisch ist Uncharted 3 einfach nur bombastisch. Die Umgebungen sind atemberaubend, die Locations bis ins kleinste Detail ausgearbeitet. Der Weitblick liess ab und an sogar zu, dass ich mal einfach schön an einer Wand hängen blieb und den Ausblick genoss. Aber auch in den Gebäuden oder wo auch immer ihr euch befindet sind wunderbar ausgearbeitet. Die Artists haben hier ganz Grosses geschaffen. Mir sind keine Fehler aufgefallen, nichts wurde dem Zufall überlassen. Die Effekte sind grandios! Das Spiel ist eine wahre Augenweide. Beim Sound verhält es sich genauso. Im selben Stil wie bereits bei den Vorgängern, aber keineswegs gleich. DIe Musik passt perfekt, Dramaturgie wird au.ch hierbei gross geschrieben. So nimmt die Musik in Kampfszenen passenderweise an Dramatik zu und flacht dann wieder ab, als Zeichen dafür, dass in diesem Abschnitt wohl keine Gegner mehr zu erwarten sind. Auch die Synchronisation der Charaktere ist Top. Die Stimmen sind dieselben geblieben und nach wie vor kommen die Emotionen dementsprechend gut rüber. Nathans Sprüche und seine Wortgefechte mit Sully sind einfach Unterhaltung pur.

Fazit

Singleplayer
Multiplayer
Gameplay
Motivation
Grafik
Audio

Uncharted 3: Drake's Deception ist ein Feuerwerk an Action. Selten war mein Adrenalinspiegel so hoch wie bei den atemberaubenden Actionszenen, mit denen Naughty Dog hier auffährt und unsere Nerven beglückt. Diese Szenen suchen seinesgleichen! Das Gameplay hat sich ansonsten aber nicht gross verändert, Rätsel wechseln sich mit Schiessereien und Hangeleien ab, wobei aber doch die Schiessereien doch ziemlich langatmig und endlos geworden sind. Oftmals fühlte ich mich wie in einem Shooter und weniger als Abenteurer. Die Kletterpartien sind aber nach wie vor grosse Klasse, bis auf das kleine Manko der Steuerung, die ab und an nicht so will, wie ich es gerne gehabt hätte. Die Story an sich ist auch eher 08/15 und bietet nur wenig Motivation - dafür sorgt aber die Action für den nötigen Ansporn, das Pad nicht wegzulegen. Uncharted 3 ist allerdings ganz grosses Kino und für alle Freunde von Nathan Drake ein absolutes Muss. Für Fans von Abenteuergames ebenfalls ein Muss! Good Job, Naughty Dog - oder um es mit den Worten eines neu gewonnen Freundes auszudrücken: "Shukran Naughty Dog".

4.5

Ausgezeichnet


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Über den Autor

Hardcore-Zockerin und Sony/Nintendo Fangirl der ersten Stunde. Vorwiegend anzutreffen beim Zocken von RPGs und allem, was aus dem Reich der aufgehenden Sonne kommt. Gamerin seit 20 Jahren – Teil des GameCity Teams seit 3 Jahren. Häufigster Spruch: „Shit! Inventar voll…“



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