Testlabor Uncharted Vita

Veröffentlicht am 13. Januar 2012 von William Eichele

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Uncharted: Golden Abyss

Nun lang ist’s nicht her, da durften die PS3 Besitzer unter euch mit Uncharted 3 das vorerst letzte Abenteuer mit Weiberheld und Indiana Jones Verschnitt Nathan Drake geniessen. Eine riesige Werbekampagne mit echter Wüsten-Schnitzeljagd, Plakatwald in Zürich, Bern, Basel und wahrscheinlich jeder anderen Stadt auf dem Globus waren die Folge.  Dass nun so schnell ein weiterer Ableger erschien, ist angesichts der sonst so langen Entwicklungszeit von Naughty Dog sehr verwunderlich. Doch des Rätsels Lösung ist ganz einfach, denn Uncharted: Golden Abyss wurde nicht von Naughty Dog entwickelt!
Bend Studios heisst nämlich das amerikanische Entwicklerteam, welches sich vorallem durch seine Syphon Filter Teile und des 2009 erschienenen, portablen Ablegers von Resistance auf der PSP bekannt gemacht haben dürfte. Ob das Vertrauen, das Sony mit der Übergabe ihres PS3-Flagschiffs, an Bend Studios bewährt oder ob mit Golden Abyss der erste schlechte Teil von Uncharted geboren ist… lest ihr auf folgenden Zeilen.

Im Land der tausend Götter

Nun der Anfang ist Uncharted typisch. In einer von der Flora und Fauna zurück eroberten, verwucherten Ruine tief im Süden Amerikas stapft Nathan Drake, schnaufend hinter einem Pfeiler alten, bröckelnden Steines hervor. “Dante!…” murmelt er überrascht, bevor er schlagartig wieder hinter demselbigen verschwindet.  Auf der gegenüberliegenden Terasse zwischen Scheinwerfern, haushohen Bäumen und Steingötzen alter Götter deren Namen kaum auszusprechen sind, befindet sich jener antagonistisch beglaubter Bösewicht. Seine Bodyguard-Gorillas melden, dass Schüsse gemeldet worden seien, dass Sie aber alles unter Kontrolle hätten. Tja, da kennt jemand den charismatischen Drake nicht. Dante verneint dies, wahrscheinlich in der Vergangenheit eines besseren belehrt, natürlich vehement, “It’s Drake, god damnit! Go find and kill him already!” Hier sei angemerkt, dass die japanische Version die Sprachen Englisch und Japanisch unterstützt, samt Sprachausgabe versteht sich. Dies ist aber leider auch das einzige 100% Englisch Spiel im Japanischen Start Up. Im späteren Verlauf dreht sich alles um/mit eben diesem Dante, eines Archäologen namens Vincent Perez und dessen Tocher…. und Sully natürlich!

Im nun folgenden Tutorial, alias Prolog,  erhält der Spieler sämtliche Infos anhand von beschrifteten Screenshots im Moment des ersten Gebrauchs. In alter Manier klettert ihr also, durch die zwei Joysticks steuernd,  wie in älteren Tagen ganz einfach eine Backsteinwand hinauf…. oder Ihr zeichnet euch den Weg. Auf dem Touchscreen kann der zu erklimmende Weg auch vorgezeichnet werden und Nathan setzt sich dann in Windeseile ganz von selbst in Bewegung. Praktisch wie ich faulerweise gestehen muss. Ist danach die erste Hürde bzw. Wand einmal genommen, steht ihr auch schon vor einem Schergen Dantes. Glücklicherweise hat dieser euch sogar den Rücken zugewandt, an welchem ihr dann sogleich das nächste Feature ausprobieren dürft. Sämtliche Nahkampfaktionen können nämlich am Touchscreen vorgenommen werden. Nun wirklich innovativ ist dies zwar nicht, dafür gut durchdacht. Wieso? Nun vom rechten Stick ausgesehen liegt der Bildschirm einfach näher als der Vierecksknopf. Doch das ein Söldner selten allein kommt, dürfte jedem Knopfenthusiast bekannt sein. Und so könnt ihr euch schleichend oder feuernd fünf weiteren annehmen. Entscheidet ihr euch für zweiteres, habt ihr die Möglichkeit mit  Zufall und einer etwas unruhigen Hand, ein weiteres Feature zu bemerken. Diese umfasst sämtliches Zielen komplett bewegungsgesteuert. Viele von euch werden dies jetzt wahrscheinlich als unnütze und aufgedrängte Neuerung betrachten, ähnlich dem Granaten werfen aus Teil 1, doch tatsächlich hilft es einem bei der Feinabstimmung von Fadenkreuz und Kopf.

Nathan Drake stirbt….

Nun ein bisschen gemein war vorheriger Satz natürlich schon, ist aber natürlich nur Spass. Die Überschrift eignet sich dennoch ganz gut als Begründung, um von nun an losgelöst der Story weiterzuberichten. Nun, das Erfolgsrezept der Unchartedserie besteht wie jeder aufmerksame Verfolger der Serie bis gemerkt haben dürfte aus drei Teilen. Schiessen, knobeln und bildhübschen, realistisch inszenierte Adrenalinstössen.  So, das Schiessen hätten wir, kommen wir zum Knobeln. Dass die neuen Eingabemethoden der PS Vita entsprechend den Rätsel entworfen worden sind, spürt man deutlich. Dies soll jetzt aber nicht gleich negativ aufgefasst werden, nun ja nicht ganz. Viele Rätsel verwenden den Touchscreen und leider nur eines die Kamera. Nehmen wir als Beispiel das Durchpausen von Symbolen und das Zusammensetzen von Bilderfetzen. Dies wird durch euren Finger auf den Touchscreen erledigt und ist an und für sich keine schlechte Idee, wenn auch ein bisschen altbacken und ausgelutscht. Doch dass man dies während des Spiel gefühlte  1000mal machen muss, grenzt fast schon an erzwungene Fantasielosigkeit. Hier ist dann wiederum die Idee die Kamera als Kerzenersatz bzw. Lichtquelle fungieren zu lassen ein Geniestreich sondergleichen. Da wird man aber fast schon wieder traurig wenn man bedenkt was den Rest der “Rätsel” anbelangt. Denn dieser besteht aus einem nicht enden wollenden Sammelwahn an Artefakten und Fotos ganz im Geiste der Nintendo 64 Ära. Mal ein Foto hier, mal eine aztekische Götze da und dazwischen ein paar Chohlepausen zusammengesetzt, das wars. Die Kameraeinlagen werden durch den Motionsensor sowie dem hinteren Touchscreen gestützt. Der Sensor zum ausrichten der Linse und der Touchscreen um zu zoomen. Einzig die paar Schlossknacker und “Schach”-Akte lockern das Ganze auf. Schaffen dies aber nicht in einem sinnvollen Rahmen, welcher das eine Eck des heiligen Gameplay-Triforces sonderlich spannend oder hervorhebend machen würde.

Oh Drake, du siehst aber wieder “gut” aus!

Da gefällt die spitzen Präsentation schon mehr… und wie. Die Grafik sieht nämlich fantastisch aus. Giftig grüne Lianen schlängeln sich von Baum zu Baum während ein kleines, glitzerndes Bächlein sich langsam seinen Weg durch den grasgrünen Boden bahnt und in der Ferne exotische Vögel in eine Symphony der harmonischen Urwaldklänge einstimmen.  Hier hat es Bend Studio, abgesehen von einigen kleineren Macken, geschafft seiner Bürde in Sachen Grafik Naughty Dog nachzukommen. Schade ist da nur, dass solch Bilderbuchszenen wie das Schiff auf Teil 3 oder der Zug aus Among Thieves sehr karg gesäht waren. Ein Woweffekt der aber definitiv aufkommen wird, ist die Kanufahrt kilometer tief unter der Erde. Die Umgebung sieht aber abgesehen vom schwachen Anti-Aliasing sehr lebendig und hübsch aus, wohin die weiterentfernten Landschaften zwar auch atemberaubend aussehen,  aber merklich einfach nur Artworks sind. Das eben angesprochene Anti-Aliasing, das den Kantenglättungseffekt beschreibt, ist tatsächlich ein wirklich unschöner und leider gängiger Zeitgenosse des Spiels. Lässt sich aber auf die Dauer und Sogwirkung der Atmosphäre fast komplett vergessen. Einzig und alleine das blockige Feuer vermag dies zu “toppen”. Zum Glück lodert dies aber, abgsehen von einer Szene, an nicht sehr vielen Orten. Nichtsdestotrotz ist die Grafik von Uncharted: Golden Abyss im mobilen Bereich einfach nicht zu überbieten. Der Detailgrad der Kleidung und Animationen ist ganz getreu dem grossen Bruder der PS3. Ob das Jungledesign nun einfacher zu realisieren war oder nicht, vermag ich nicht zu sagen etwas karg fällt zugegebener Massen die Szenarienvielfalt aber schon aus. Denn abgesehen von Ruinen, Jungel und wenigen Häusereinlagen gibt’s nicht wirklich viel zu sehen. Was zu sehen ist, ist aber wie erwähnt wahrlich schön und lässt einem kaum glauben dass dies ein Launchtitel sein soll. Was aber auch ganz im Ernst einen Teil der Begeisterung für Uncharted ausmacht und hoffentlich die Erwartungen bezüglich kommender PS Vita Titel nicht verfälscht.

Fazit

Singleplayer
Gameplay
Motivation
Grafik
Audio

So was gibt’s nun nach hunderten von Worten zu sagen? Wird Uncharted seinen Brüdern gerecht? Ja, auf jeden Fall Bend Studio hat ganze Arbeit geleistet und mit Golden Abyss einen Hammer Launchtitel für die PS Vita herausgebracht. Die Grafik ist von kleineren Mängeln abgesehen einfach der Wahnsinn und hat als Handheld- und Launchtitel zu gleich grosses Lob verdient. Leider kam dadurch aber der spielerische Bereich etwas zu kurz. Die Story sowie die Zwischensequenzen sind immer noch ganz im Zeichen von Uncharted. Die Sprüche kommen den Protagonisten locker flockig von den Lippen und der geschichtliche Hintergrund mag zu faszinieren. Doch der Sammeltrieb, der mitgebracht werden muss für eine Platintrophäe ist enorn. Zu viele Bilder müssen geknipst werden, zu oft den Finger stupide hin und her gewischt und vom zusammensetzten der Puzzles möchte ich gar nicht erst anfangen. Der Schwierigkeitsgrad ist gut, wenn auch auf Hard etwas zu einfach ausgefallen. Dafür gibt’s nach dem erstmaligen durchspielen einen noch härteren.Alles in allem ist mit Golden Abyss ein super Launchtitel und mobiles Uncharted ganz im Flair der Vorgänger gekauft und seine 60.- mehr als nur wert.

4

Sehr gut


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Über den Autor

Hat mit 6 Jahren seine erste Konsole vom grossen Bruder geschenkt bekommen womit sein Schicksal besiegelt wurde. Mag ausser Sportspielen eigentlich alles unter der Sonne, solang es einen packt. Am liebsten aber nicht all zu rohe Rollenspielkost sowie Action-Adventures und definitiv Halo. Hasst auf Touchscreen emulierte Joysticks/Tasten und schwört auf den Controller...bis jetzt.



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