Testlabor Xenoblade Chronicle

Veröffentlicht am 20. September 2011 von Cornelia Zogg

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Xenoblade Chronicles

Zu Anbegin der Zeit kämpften auf der Erde nur zwei Kolosse. Bionis und Mechonis. Die zwei Riesen bekämpften sich so lange, bis sie irgendwann als lebende Kreaturen versteinerten und zwei Kontinente schufen. So beginnt die Geschichte von Xenoblade Chronicles. Die Homs – menschenähnliche Wesen, teilen sich die Welt auf Bionis mit verschiedenen anderen Völkern, doch der Friede währt nicht lange. Mechons – mechanische Kreaturen vom Koloss Mechonis – attackieren die Welt von Bionis immer wieder und können nur in einer verzweifelten Schlacht geschlagen werden – durch die Hilfe des jungen Mannes Dunban, der über die Fähigkeit verfügt, das göttliche Schwert Monado zu führen und damit den Mechon zu schaden. Jahre sind seit diesem Kampf vergangen und der junge Shulk, ein Freund von Dunban, erforscht die Kräfte des Monado, während sich Dunban noch immer von den Schäden der Schlacht erholt. Die Mechon sind geschlagen – so dachten sie sich jedenfalls. Denn dann passiert das undenkbare: Die Kolonie 9 – Heimat von Shulk, seinem besten Freund Reyn und Dunbans Schwester Fiora – wird von einer Horde Mechon angegriffen. Unter ihnen ein Mechon, den noch nie jemand zuvor gesehen hat und der als einziger Mechon so etwas wie ein Gesicht besitzt! Es kommt zu einem tragischen Zwischenfall und die kleine Gruppe beschliesst, den Mechon mit dem Gesicht zu jagen und für seine Taten büssen zu lassen. Mehr möchte ich dazu nicht verraten. Die Story klingt anfangs doch ziemlich plump, hat mich aber bereits in den ersten paar Stunden so durchgerüttelt, dass ich mich an meine ersten und ganz alten Zeiten von J-RPG’s zurückversetzt fühlte. Ein Erlebnis, das ich seit jeher immer wieder in RPGs gesucht hatte. Die Story ist klassisch, aber wird euch trotz allem fesseln und euch vorantreiben, alles über die Mechon und ihre Rückkehr in Erfahrung zu bringen. Und natürlich ist Shulks Vergangenheit auch kein allzu unbeschriebenes Blatt.

Ein Mix von allem – aber umso besser
Das Kampfsystem zeigt sich aus einem Hybriden aus White Knight Chronicles und Final Fantasy. Mit Z wählt ihr euch in der Nähe eines Gegners ins Kampfmenü, dann könnt ihr am unteren Bildschirmrand die verschiedenen Attacken auswählen und mittels A-Button bestätigen. Wählt ihr keine bestimmte Aktion aus, schaltet euer Charakter in den Auto-Angriff und haut einfach kräftig mit der Waffe zu, falls ihr euch in Reichweite des Gegners befindet. Zur Auwahl stehen euch verschiedene Techniken, darunter bei Shulk zusätzlich noch die Fähigkeit, zum Monado-Schwert zu wechseln, um vor allem Mechonis-Gegnern höheren Schaden zuzufügen. Techniken können aber auch Magie enthalten, wie die klassischen Heilungs- oder Stärkungszauber. Ausserdem haben eure Angriffe verschiedene Wirkungen auf den Gegner, wenn ihr sie in Kombination mit euren Gefährten einsetzt – dazu aber im nächsten Abschnitt mehr. Zuerst zu den Techniken und Talenbäumen. Die einzelen Techniken könnt ihr mit den gesammelten Kampfpunkten jeweils einzeln aufleveln und verbessern. Im Menü könnt ihr zudem festlegen, welche Techniken ihr in eurem Portfolio im Kampf gern dabei haben wollt. So wählt ihr je nach Gegner – oder wenn ihr mal einen nicht schafft – einfach eine neue Technikauswahl und probiert es erneut. Die verschiedenen Techniken lassen sich beliebig kombinieren und es zahlt sich aus, von jeder Art eine Attacke im “Deck” zu haben – und ohne Heilzauber geht schon mal gar nichts. Weiter hat jeder Charakter einen Talenbaum zur Verfügung, der aus drei Ästen besteht. Jeder Ast hat einige Fähigkeiten, die sich während eurer Kämpfe entwickeln. Je nach dem, welchen Zweig ihr ausgewählt habt, entwickeln sich eure Fähigkeiten anders. Ihr könnt den Zweig jederzeit wechseln und so eure optimale Entwicklung ein wenig steuern. Ausserdem könnt ihr bereits erlernte Fähigkeiten mit denen der anderen Charaktere aus dem Team verknüpfen, was euch im Kampf wiederum gewisse Vorteile verschafft.

Einer für alle und alle für einen
Doch nun zu eurer Gruppe und euren Gefährten. Eure Gruppe ist eure Stütze während des Kampfes und auch ausserhalb. Im Kampf spannt ihr mit ihnen zusammen in vielerlei Hinsicht. Ich erwähnte etwas weiter oben bereits eure Techniken und deren Fähigkeiten. Als kleines Beispiel: die Fähigkeit von Shulk, Gegner mit einer Attacke zum Schwanken zu bringen. Bei grossen Gegnern könnt ihr ihnen erst richtig Schaden zufügen, wenn sie am Boden liegen. Dazu wählt ihr die Attacke, welche das Attribut Schwanken verfügt. Reyn – euer Teammitglied – hat wiederum eine Attacke, die den Gegner Umwirft und wird diese einsetzen, sobald der Gegner schwankt. So werft ihr euren Gegner sofort um und könnt ihm so weitaus mehr Schaden zufügen. Ausserdem nützlich ist der Kettenangriff. Sobald eure Gruppenleiste gefüllt ist, könnt ihr einen Kettenangriff starten. Mittels QuickTime (B drücken im richtigen Moment) könnt ihr diesen Angriff auf bis zu zwölf aufeinanderfolgende Angriffe ausdehnen und nacheinander mit euren kämpfenden Charakteren mit den Techniken angreifen. Die Gruppenleiste für den Kettenangriff füllt sich mit jedem Gruppenangriff, den ihr mittels rechtzeitigem Drücken von B im Kampf, erfolgreich meistert. Sobald der Charakter, den ihr steuert (bei mir war es hauptsächlich Shulk) zu Boden geht, ist das Spiel vorbei und ihr habt verloren. Fällt einer eure Begleiter, könnt ihr ihn wiederbeleben. Solltet ihr in der Gruppenleiste noch nicht ganz den Kettenangriff erreicht haben, aber über genügend Reserven verfügen, ist es allerdings möglich, dass euch ein Gruppenmitglied doch noch heilen kann.

Harmonie muss sein
Aber damit nicht genug. Der Spass geht noch weiter, denn nicht nur die Wahl der Techniken hat Auswirkungen auf eure Gruppe. Während des Spiels baut ihr zu euren Gefährten eine Beziehung auf, je nach dem welche Entscheidungen ihr trefft respektive welche Quests ihr annehmt und welche nicht. Ausserdem sind überall in der Welt Harmoniegespräche verteilt, die ihr dort mit den entsprechenden Personen führen müsst. Auch dort müsst ihr die korrekten Antworten geben, um die Harmonie zum betreffenden Mitglied zu verbessern. Eine positive Beziehung zu den Charakteren beeinflusst wiederum alles um euch herum: Den Gruppenangriff beispielsweise. Ebenfalls könnt ihr die Harmonie zu den Stadtbewohnern aufbauen und verfügt im späteren Verlauf des Spiels über ein riesiges Beziehungsnetzwerk in allen möglichen Regionen von Bionis.

Man soll ja schick aussehen
Die Ausrüstung ist ebenfalls bei der Entwicklung nicht zu kurz gekommen. Am meisten überrascht hat mich nicht die Tatsache, dass es tonnenweise an Ausrüstung gibt – Handschuhe, Schuhe, Kopfbedeckung, Rüstung und Hose – sondern auch, das jede dieser Rüstungen und Gegenstände sichtbar vom Charakter getragen werden. Das gesamte Aussehen verändert sich teils radikal, wenn ihr eine andere Rüstung anlegt. Da laufen die Frauen plötzlich anstatt mit langen Hosen mit einem kurzen Rock herum und die Kopfbedeckung mit Zusatzfeature “Nachtsicht” sorgt dafür, dass euer Charakter tatsächlich ein Nachtsichtgerät auf dem Kopf trägt. Das erinnert an die Zeit von Lost Odyssey oder White Knight Chronicles, als ich auch dort völlig aus dem Häuschen geriet, wenn meine Charaktere plötzlich die speziellen Ohrringe oder Brillen getragen haben. Da könnte sich eine RPG-Vorreiter-Franchise wie Final Fantasy gut und gerne mal ein Scheibchen abschneiden. Die einzelnen Rüstungsgegenstände könnt ihr ausserdem noch mit Ätherkristallen aufwerten. Diese erhaltet ihr beim Sammeln (auch dazu etwas später mehr) oder ihr könnt sie aus Rohmaterial schmieden. Ätherkristalle haben Attribute, die euren Charakter an Stärke, Geschwindigkeit, Agilität, Magie usw. verstärken oder euer HP steigern. Einzelne Waffen und Rüstungen verfügen dazu über ein bis zwei Slots, die ihr mit diesen Kristallen upgraden könnt, sofern ihr über genügend Kristalle verfügt.

Ou ich sollte noch… ah nein das zuerst! Oder doch das andere?
Nun zum fast wichtigsten Punkt des Spiels. Den Quests. Ihr findet sie überall und sie werden euch Stunden euerer Spielzeit rauben – das ist ein Versprechen. Die ersten vier Stunden des Spiels verbrachte ich ausschliesslich mit Sidequests, ohne auch nur eine Minute wirklich an der Hauptstory zu verbringen. Bis ich irgendwann merkte, dass ich bereits so lange gespielt hatte und allenfalls mal mit der Story ein bisschen vorwärts kommen sollte. Aber es hätte auch sonst noch massig zu tun gegeben in Kolonie 9! Nebst den allgemeinen Missionen zur Hauptstory habt ihr noch zusätzliche Monstermissionen, Herausforderungen und Sammelmissionen, die ihr überall finden könnt. Alle Personen mit einem Ausrufezeichen auf dem Kopf haben etwas für euch zu erledigen. Sei es ein Monster, dass sie in der abendlichen Ruhe stört oder Kleidung, die wiederbeschafft werden soll, es gibt reichlich zu tun auf Bionis und meine Güte es scheint niemand anderes auf diesem Flecken Erde zu geben, der ihnen helfen kann, ausser euch. Also müsst ihr ran! Die Monstermissionen bestehen aus dem einfachen Ziel “geh dort hin und töte das und bring mir das Item, das sie fallen lassen”. Herausforderungen deuten darauf hin, dass es sich um einen besonders schweren Gegner handelt, an den ihr euch nie unüberlegt wagen solltet. Allgemein laufen auf den Ebenene teilweise fiese Gestalten rum, bei denen ihr euch in jugendlichem Übermut zuerst noch voll Tatendrang ins Kampfgetümel stürzt, bei der nächsten Begegnung nach eurem vorzeitigen Ableben dann aber doch lieber die Beine in die Hand nehmt und das Killen dieses Gegners auf unbestimmte Zeit verschiebt. Weiter könnt ihr überall in den einzelnen Abschnitten von Bionis Items finden. Diese fügen sich zu einzelnen Sammelkollektionen zusammen – habt ihr diese komplett erhaltet ihr nützliche Items wie beispielsweise Ätherkristalle. Ebenfalls ein witziges Feature für die Wii sind die integrierten Erfolge respektive Trophäen, die ihr euch erspielen könnt. Da die Wii über kein eigentliches Achievement-System verfügt, gibt es die Erfolge einfach direkt im Spiel. Klassisch blinkt sie am Bildschirmrand auf, wenn ihr sie erreicht habt und ihr könnt sie natürlich auch jederzeit einfach ansehen, wenn euch danach ist.

Kein Rumgefuchtel – zum Glück
Die Steuerung gestaltet sich mit der Wiimote etwas gewöhnungsbedürftig. Ein Japan-RPG mit Wiimote und Nunchuk zu steuern, wird euch noch etwas Angewöhnungszeit abverlangen. Nur schon bis ich wieder wusste, wo genau welcher Knopf ist, dauerte es eine kleine Weile. Ausserdem ist die Steuerung dann etwas ungenau, wenn ihr beispielsweise im Menü nach links oder rechts navigieren wollt. Die Menüsteuerung läuft nämlich über das Steuerkreuz, während ihr gleichzeitig noch im Spiel selbst mit dem Analog-Stick euren Charakter bewegt. Es ist immer etwas umständlich, das Steuerkreuz zu bedienen, da es einfach von der Wiimote und ihrem bequemen Liegen in der Hand von den natürlichen Bewegungen abweicht. Daher ist es noch ein Spürchen besser, wenn ihr mit dem normalen Wii-Controller spielt – obwohl es durchaus auch mit der Wiimote gut funktioniert, bis auf die Kamerasteuerung und dem Steuerkreuz an sich, das sich etwas unhandlich gestaltet. Wenigstens haben die Entwickler auf sinnloses Herumgewedele mit der Wiimote verzichtet.

Es hapert an der Grafik
Der Sound ist hervorragend gelungen und passt zu jeder Situation wunderbar. Die Titelmelodie ist wie von den Japanern gewohnt wunderschön, während die Kampfsounds durch E-Gitarre gut aufgelockert werden und so für die nötige Atmosphäre sorgen. Ein Manko des Spiels ist aber mit Sicherheit die Grafik. Die Wii ist einfach nicht ansatzweise so stark wie die PlayStation 3 oder die Xbox 360 und das bekommt ihr bei Xenoblade Chronicles mit ziemlicher Wucht zu spüren. Die Grafik der Charaktere erinnert an späte PlayStation 2 Titel, die Figuren sind kantig und ohne Tiefe in den Gesichtern. Das ist doch ziemlich schade, bin ich als RPG-Junkie so ganz nebenbei auch noch ein versteckter Grafik-Junkie. Mit einer besseren Grafik hätte mich das Spiel vermutlich komplett aus den Schuhen gehauen. Die Landschaften hingegen sind im Gegensatz zu den Charakteren wunderschön gelungen. Die Entwickler haben sich hier grosse Mühe gegeben, eine wunderschöne und vor allem riesige Welt zu kreieren, in der ihr euch frei bewegen könnt. Da übersieht man dann auch gern mal die grafischen Schwächen.

Fazit

Singleplayer
Gameplay
Motivation
Grafik
Audio

Xenoblade Chronicles ist endlich einmal wieder ein Japan-RPG der alten Schule. Es ist komplex, es spielt in einer offenen und freien Welt, ihr werdet zugemüllt mit tonnenweise Quests, die Story ist gut durchdacht und spannend, die Charaktere verfügen über Tiefgang, das Kampfsystem ist zwar nicht klassisch Rundenbasiert aber trotzdem ausgeklügelt und spannend und und und. Ich könnte hier jetzt zu einem kleinen Lobgesang anstimmen, aber das unterlasse ich jetzt Mal. Perfekt ist Xenoblade Chronicles leider nicht ganz - die Grafik ist für heutige Verhältnisse doch ziemlich schwach geraten und die Steuerung mit der Wiimote und dem Nunchuk ist etwas unhandlich. Nichtsdestotrotz ist Xenoblade Chronicles ein absolutes Must-have für alle RPG-Fans, die einfach mal wieder was Gutes spielen wollen. Kaufen! Los!

4.3

Ausgezeichnet


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Über den Autor

Hardcore-Zockerin und Sony/Nintendo Fangirl der ersten Stunde. Vorwiegend anzutreffen beim Zocken von RPGs und allem, was aus dem Reich der aufgehenden Sonne kommt. Gamerin seit 20 Jahren – Teil des GameCity Teams seit 3 Jahren. Häufigster Spruch: „Shit! Inventar voll…“



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